Paul Gauguin in Paris

Der große Experimentator

Bekannt ist Paul Gauguin vor allem für seine Bilder von Südseeidyllen. Dass der in Paris geborene Künstler aber auch sehr experimentierfreudig war, zeigt eine Retrospektive im Grand Palais. Im Zentrum steht der innovative Umgang Gauguins mit Ton und Holz, Zeichnung und Keramik.
Der große Experimentator

Paul Gauguin: "Dans les vagues", 1889, Öl auf Leinwand, 92,5 x 72,4 cm

Berühmt wurde Paul Gauguin (1848 bis 1903) durch seine Bilder von Südseeidyllen, gemalt auf Tahiti oder der Inselgruppe der Marquesas. Doch können diese hochästhetischen Darstellungen schöner Menschen in schöner Natur auch leicht ermüden, betrachtet man sie in Serie. Deshalb betont eine Retrospektive im Grand Palais mit über 200 Exponaten die Experimentierfreude des 1848 in Paris geborenen Abenteurers, der seine ersten Lebensjahre im peruanischen Lima verbrachte.

Hatte der Vater, ein republikanischer Journalist, doch vor den Anhängern Napoleons III. fliehen müssen. Gauguin junior sollte sein Leben lang unstet bleiben: ein Wanderer in Kunst und Leben, der in der Normandie, der Bretagne, Dänemark, auf Martinique und in der Südsee malte. Und der quer durch alle Medien und Materialien immer Neues zu erfinden suchte und gerade durch seine Rastlosigkeit zu einem der Vorläufer der Moderne werden sollte.

So wird der Gang durch die chronologisch gehängte Ausstellung unterbrochen durch Videoprojektionen, die den innovativen Umgang des Künstlers mit Ton und Holz, Zeichnung und Keramik demonstrieren. Hatte er nicht selbst erklärt, dass man "aus Dreck Metall machen kann, Edelsteine, mit ein wenig Dreck und ein wenig Genie". Der Autodidakt, der alle bürgerlichen Karrieren und Freundschaften radikal abbrach, ging wie ein Alchemist an die Kunst heran; nachvollziehbare Resultate zählten weniger als die Freude am Experiment. Gauguin schuf Skulpturen aus Holz, von denen die meisten zerstört wurden, brannte rund 100 Keramiken und kam als Maler immer wieder auf sein Hauptthema zurück: die Farbe.

1901 zog sich Gauguin, angeekelt von Tourismus und Kolonialverwaltung, auf Hiva Oa zurück

Entdeckt von den Impressionisten, kam es 1886 zum endgültigen Bruch mit der Gruppe, weil er Innerlichkeit ausdrücken wollte, nicht Netzhautreize. Er zog in die Bretagne, wo er mit seiner von Émile Bernard beeinflussten Faszination für Symbolismus und Mystizismus zum Wortführer der Bewegung von Pont-Aven wurde und mit seiner Farbenlehre zum Vorbild der späteren Nabis. 1887 fuhr er nach Panama und weiter nach Martinique, wo er mehrere Monate blieb und malte. Ende 1887 kehrte er – an Sumpffieber erkrankt – zurück und unterbrach seinen Aufenthalt in der Bretagne nur kurz für den berühmt-berüchtigten Besuch bei Vincent van Gogh in Arles.

1891 reiste er zum ersten Mal nach Tahiti, und im September 1901 zog er sich, angeekelt von Tourismus und Kolonialverwaltung, auf Hiva Oa zurück, wo er mit nur 54 Jahren starb. Zu seinen Lebzeiten wurden viele seiner Bilder zu Ramschpreisen verschleudert, ehe eine erste umfangreiche Ausstellung in Weimar, organisiert 1905 von Harry Graf Kessler, half, ihn in der Kunstgeschichte zu etablieren als den großen Abenteurer und Experimentator, der er war.

Paul Gauguin, Zwei Frauen von Tahiti
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen zu Paul Gauguin

Zu seinen Lebzeiten wurden viele seiner Bilder zu Ramschpreisen verschleudert, ehe eine erste umfangreiche Ausstellung in Weimar, organisiert 1905 von Harry Graf Kessler, half, ihn in der Kunstgeschichte zu etablieren als den großen Abenteurer und Experimentator, der er war.

Gauguin. Der Alchemist
Die große Ausstellung zeigt wiederkehrende Motive in verschiedenen Medien und Schaffensphasen des französischen Künstlers (1848–1903), darunter Gemälde, Drucke, Zeichnungen und Keramiken
Grand Palais – Galeries nationales ,  Paris