Ausstellungen von Paul Klee

Bilderschmaus mit Überraschungen

Gleich zwei große Häuser widmen einem beliebten Künstler Ausstellungen. Und siehe da: Der vermeintlich überstrapazierte Paul Klee ist doch immer noch für Überraschungen gut.
Bilderschmaus mit Überraschungen

Paul Klee: "Blick in das Fruchtland", 1932, Öl auf Karton, 48,7 x 34,7 cm

Es herrscht wahrlich kein Mangel an Paul-Klee-Ausstellungen. Zum einen zählt der 1879 bei Bern geborene Maler und Zeichner seit Jahrzehnten zu den Publikumslieblingen. Zum anderen gilt er als einer der einflussreichsten Künstler der Moderne, der bei seinem Tod 1940 ein mit rund 10 000 Arbeiten sehr umfangreiches und auch äußerst vielfältiges Werk hinterlassen hat. Das Zentrum Paul Klee führt seit seiner Eröffnung 2005 vor, dass sich praktisch für jeden Aspekt der Kunstgeschichte ein Anknüpfungspunkt im Schaffen des Namenspatrons finden lässt.

Da holt man erst einmal tief Luft, wenn gleich zwei Schwergewichte in der Schweiz Ausstellungen mit Werken des Meister ankündigen. Die Fondation Beyeler, die noch zu Lebzeiten von Museumsstifter Ernst Beyeler Besuchermassen mit einer fulminanten Ausstellung zum Spätwerk Klees beglückt hat, rückt die abstrakte Dimension im Werk des Malers in den Mittelpunkt. Das Zentrum Paul Klee erkundet den Einfluss des europäischen Künstlers auf die Abstrakten Expressionisten in den USA, untersucht also die Wirkung von Klees abstraktem Impuls auf eine nachfolgende Generation. Für den Künstler selbst galt: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar."

Dabei hat der Meister die Abstraktion eher als grobe Richtung verstanden, die seine schöpferischen Impulse befreien sollte. Bis zuletzt ließ er seine Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde zwischen Assoziationen an die Lebenswelt und einer diese durchdringenden Geistigkeit oszillieren.

Angelus Novus von Paul Klee
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen zu Paul Klee

Das Chamäleonhafte, der ständige Wandel zählt ebenso zu den Charakteristika des Werks wie die Überzeugung, dass es Kräfte gibt, die nur die Kunst sichtbar machen kann. So verwundert es nicht, dass die Ausstellung in der Fondation Beyeler anhand der vier Themengruppen "Natur", "Architektur", "Musik" und "Schriftzeichen" gerade dieses Changieren ins Zentrum rückt. Ein hochkarätiger Werkpool ist dabei Ehrensache.

Wer diesen Bilderschmaus etwas weiter denken möchte, sollte aber unbedingt auch nach Bern reisen. Dort sind nämlich vom stillen Mark Tobey bis zum lauten Jackson Pollock zehn Amerikaner zu beobachten, wie sie sich mit Klees Malkultur und Bildauffassung auseinandersetzen und das ziselierte Denken des Berner Meisters in bisweilen schnelle und große Gesten übersetzen. Dass man dabei auch Maler entdecken darf, die sonst weniger im Fokus des Betriebs stehen, wie etwa William Baziotes, Gene Davis oder Bradley Walker Tomlin, gibt es als Zugabe. Der überstrapazierte Klee ist doch immer noch für Überraschungen gut.

Der Katalog "Paul Klee. Die abstrakte Dimension", erschienen im Hatje Cantz Verlag, kostet 58 Euro, in der Fondation Beyeler 62,50 Franken. Der Katalog zu "Ten Americans. After Paul Klee" erscheint bei Prestel, Preis: 49,95 Euro. Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten in der Fondation Beyeler ermäßigten Eintritt.

10 Americans – After Paul Klee
Vorgestellt wird die Bedeutung von Paul Klees Werk für die Entwicklung der US-amerikanischen Kunst in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Berühmte Künstler wie Jackson Pollock, Robert Motherwell und Mark Tobey liessen sich von dem deutsch-schweizerischen Maler (1879–1940) inspirieren. Weitere Station: Washington
Zentrum Paul Klee ,  Bern
Paul Klee. Die abstrakte Dimension
Die retrospektiv angelegte Ausstellung mit Fokus auf die Abstraktion im Werk des deutsch-schweizerischen Künstlers (1879–1940), umfasst rund 100 Arbeiten aus allen Schaffensphasen. Beginnend mit dem Jahr 1913 versammelt sie wertvolle Leihgaben aus zahlreichen renommierten Institutionen und Privatsammlungen in Europa und Übersee
Fondation Beyeler ,  Basel/Riehen