Ausstellung »Der Luthereffekt« in Berlin

Konfliktgeladen

Von Luther bis zum evangelikalen US-Vize Mike Pence: Ausgerechnet mit einer Schau zur Wirkungsgeschichte des Reformators schafft es der Martin-Gropius-Bau, unsere Gegenwart zu erschließen.

Vielleicht klingt es paradox, aber der “Luthereffekt”, die “Nationale Sonderschau”, die das Deutsche Historische Museum in Berlin aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläum im Martin-Gropius-Bau ausrichtet, gehört zu den diesjährigen Leuchtturmprojekten, mit denen sich das Museum näher an Gegenwartsfragen heranwagen möchte. 

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Die breit angelegte Ausstellung, die den großen Bogen von der Reformationszeit um 1500 bis in die Gegenwart schlägt, ist ein Höhepunkt unter den zahlreichen Aktivitäten, die an den Anschlag der 95 Thesen Luthers am 31. Oktober 1517 und deren Folgen erinnern. In Berlin wird mit rund 500 Exponaten – Kunstwerke und Alltagsobjekte – auch die konfliktbeladene Wirkungsgeschichte des Protestantismus in anderen Kulturen beleuchtet.

 In Schweden etwa, einem der am stärksten säkularisierten Länder, wo heute immerhin noch rund sechs Millionen Menschen offiziell der Svenska Kyrkan, der Schwedischen Kirche, angehören, verliert der lutherische Glaube trotz einer vergleichsweise progressiven und liberal ausgerichteten Kirchenpolitik zunehmend an Bedeutung. Dabei waren hier Staat und Kirche über Jahrhunderte eng verflochten, und erst 2000 wurde die Staatskirche zur evangelisch-lutherischen Volkskirche umstrukturiert.

Die Schattenseiten der Reformation

Zur Geschichte der Reformation gehört auch die gewaltsame Zwangsmissionierung, in deren Folge etwa das Volk der Sámi in den nördlichen Regionen Norwegens, Schwedens, Finnlands sowie auf der russischen Halbinsel Kola ihre traditionellen Glaubensformen – Ahnenkult und Schamanismus – sowie ihre Sprache weitgehend verloren.

Schlaglichtartig beleuchtet die Ausstellung zudem die Folgen der christlich-protestantischen Mission in Südkorea und in Tansania. In den USA wiederum, wo heute eine Vielzahl protestantischer Gruppen, Kirchen und Konfessionen beheimatet ist, wird gerade ein neues Kapitel der Geschichte geschrieben, hat doch die christlich-fundamentalistische Rechte mit dem Evangelikalen Mike Pence erstmals einen Vizepräsidenten im Weißen Haus installiert. 

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