Adolf Erbslöh in Wuppertal

Der Avantgardemacher

Großer Auftritt für einen wenig bekannten Expressionisten: In Wuppertal ist eine Ausstellung zu Adolf Erbslöh zu sehen. Ihm verdanken Kandinsky, Jawlensky, Marc und andere berühmte Künstler viel.
Der Avantgardemacher

Adolf Erbslöh: "Mädchen mit rotem Rock", 1910, Öl auf Pappe, 114 x 86 cm

Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Wassily Kandinsky - aber Adolf Erbslöh? Die Neue Künstlervereinigung München und der "Blaue Reiter" sind berühmt, doch der aus Wuppertal stammende Adolf Erbslöh kommt einem dabei nicht gerade als erster in den Sinn.

Dabei war es Erbslöh (1881-1947), der der revolutionären Künstlerszene im München vor dem Ersten Weltkrieg zu Ausstellungen und Ansehen verhalf. Erbslöh, jünger als die meisten von ihnen und aus wohlhabendem Hause, war der finanzstarke "Avantgardemacher". Als Künstler blieb er in der zweiten Reihe.

In einer Ausstellung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal sind bis zum 20. August 55 Ölbilder und 45 Arbeiten auf Papier von Erbslöh zu sehen. Sie werden Werken von Jawlensky, Kandinsky, Gabriele Münter oder André Derain gegenübergestellt. So lässt sich ablesen, wie weit Erbslöh von der deutschen und französischen Avantgarde beeinflusst war und wo er ein gemäßigter Klassiker blieb.

Erbslöh, der in Karslruhe und München studierte, initiierte 1909 zusammen mit Kandinsky, Jawlensky, Marianne von Werefkin und anderen die Neue Künstlervereinigung München (N.K.V.M.), von der sich 1911 der "Blaue Reiter" abspaltete. Der in New York geborene Kaufmannssohn mit der kreisrunden Brille war jünger und gemäßigter als die russischen Kunstrevolutionäre, was schließlich zum von Kandinsky provozierten künstlerischen Bruch führte. Den letzten großen Sprung der Avantgarde zur Abstraktion machte Erbslöh nicht mit.

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Dennoch war es Erbslöh, der den zunächst als "Marmeladenkünstler" verspotteten Münchner Expressionisten den Weg zu überregionaler Bedeutung ebnete. Sein Atelier in München war der Treffpunkt der Kunstszene. Er vermittelte Ausstellungen auch in Wuppertal und im Rheinland. In seiner leuchtenden Farbkraft und abstrahierenden Komposition stand Erbslöh mit seinen expressionistischen Freunden auf einer Höhe, wie die Ausstellung zeigt. Anerkennend äußerte sich schon Franz Marc über Erbslöhs kraftvolle Mädchen-Akte in kräftigen Rot-, Blau-, und Gelbtönen.

Anfangs versuchte sich Erbslöh, der auch eine ausgeprägte Liebe zur Musik hatte, noch im Stil der Impressionisten und Pointillisten. Aufsehen erregte er mit seinem ungewöhnlichen Porträt "Saima Neovi" (1909), deren Gesicht mit gelben Tupfen gesprenkelt ist, die Augenbrauen sind blau und der Gesichtsschatten grün. Dieses Bild aus der Zeit seines künstlerischen Umbruchs ist beeinflusst von seinem engen Freund Jawlensky, wie dessen Werk "Mädchen mit Pfingstrosen" zeigt.

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Erbslöh selbst beschrieb seine künstlerische Entwicklung als einen Weg vom Expressionismus über den strengen Bildaufbau des Kubismus hin zu einem neuen Naturgefühl. Er liebte die Landschaftsmalerei und den dunkelleuchtenden deutschen Sommer, den er mit einer reichen Skala von Grün- und Blautönen auf die Leinwand brachte.

Die Nazis verfemten auch Erbslöhs Kunst als "entartet". In den 30er Jahren zog er sich zurück. Bis zu seinem Tod lebte Erbslöh in Bayern und starb Anfang Mai 1947 in Irschenhausen. Zu seinem 70. Todestag widmet nicht nur das Von der Heydt-Museum Wuppertal, sondern auch das Schlossmuseum Murnau dem Förderer der Avantgarde eine Ausstellung (bis 2. Juli). Wer abseits der ausgetretenen Pfade der Expressionismus-Ausstellungen Neues endecken will, sollte sich das ansehen.

Adolf Erbslöh. Der Avantgardemacher
Schau des deutschen Malers (1881–1947), der zusammen mit Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky die Neue Künstlervereinigung München (N.K.V.M.), aus der später der Blaue Reiter hervorging, gründete
Von-der-Heydt-Museum ,  Wuppertal