Dekadenz und Antike – Lawrence Alma-Tadema in Wien

Nur Hollywood vergaß ihn nicht

Der Maler Lawrence Alma-Tadema avancierte Ende des 19. Jahrhunderts zum Star der Historienmaler. Dann vergass man seine herrlich kitschigen Darstellungen der Antike – nur in Hollywood nicht.
Nur Hollywood vergaß ihn nicht

Lawrence Alma-Tadema: "The Roses of Heliogabalus", 1888, Öl auf Leinwand, 132,7 x 214,4 cm

Sie tragen puderfarbene Gewänder und Blumenkränze im Haar. Ein paar Rosenblätter sind auf die Brüstung gefallen, über die sich eine der drei Frauen beugt. Weit unten auf dem Wasser, in schwindelerregender Tiefe, sind Galeeren zu erkennen, die sich dem Hafen nähern. Was aussieht wie eine Szene aus "Quo Vadis" oder "Ben Hur", ist "Coign of Vantage", ein vergessenes Meisterwerk von einem Maler, der einst gefeiert und sogar zum Ritter geschlagen wurde: der Niederländer Lourens Alma-Tadema, geboren 1836 in einem Dorf in Friesland, bestattet in London als Sir Lawrence Alma-Tadema (siehe Bildergalerie). Er prägte unser Bild von der Antike, inspirierte Regisseure und Kostümbildner und hat Künstler wie Gustav Klimt beeinflusst.

Mit einer großen Übersichtsausstellung, die nach dem Fries Museum in Leeuwarden nun im Belvedere in Wien Halt macht und dann noch nach London ins Leighton House Museum weiterreist, soll Alma-Tadema zurück auf die kunsthistorische Bühne geholt werden. Rund 90 Gemälde dieses Meisters des akademischen Realismus sind zu sehen: angefangen bei der Liebesszene am Meer "Amo te ama me", über "The Roses of Heliogabalus", für die der Maler mitten im Winter Tausende von Rosen von der französischen Riviera nach London kommen ließ, bis hin zu "The Finding of Moses" von 1904: eine Szene, die zeigt, wie Moses als Baby im Körbchen aus dem Nil gerettet wird – und genau so im Hollywoodklassiker "Die Zehn Gebote" wieder auftaucht.

»Er ging so rasant unter wie einst das römische Reich«

Mit seinem Talent fiel Alma-Tadema bereits als Schüler auf und durfte nach Antwerpen auf die Kunstakademie gehen. Während seiner Hochzeitsreise 1863 nach Italien entdeckte der junge Maler die Antike für sich. Bemüht, jedes Detail historisch korrekt wiederzugeben, legte er sich ein großes Archiv mit Fotos und Büchern an. So stieg er zum "Archäologen unter den Historienmalern" auf. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1869 ließ er sich in London nieder, wo er ein zweites Mal heiratete und sich eine römische Villa erschuf, in der er bis zu seinem Tod 1912 lebte und arbeitete – nicht nur als Maler, auch als Kulissenbauer und Kostümbildner. Er wurde prominent in der St.-Pauls-Kathedrale begraben, ging dann aber "so rasant unter wie einst das römische Reich", meint Expertin Elizabeth Prettejohn.

Nur in Hollywood vergaß man ihn nicht. Ein Jahr nach seinem Tod fand in Rom die Filmpremiere von "Quo Vadis" statt: mit Kostümen, Attributen und Kulissen, die Regisseur Enrico Guazzoni direkt aus Alma-Tademas Œuvre kopierte.

Lawrence Alma-Tadema – Dekadenz & Antike
Der Niederländer (1836–1912) avancierte im viktorianischen England zum Starkünstler. Seine sinnlichen Darstellungen alltäglicher Szenen in der Antike machten ihn über die Grenzen Großbritanniens hinaus berühmt
Unteres Belvedere ,  Wien
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