William Turner in Deutschland

Vater der Rheinromantik

Der britische Maler William Turner gilt als einer der Väter der Rheinromantik. Zwei Jahrhunderte nach seiner ersten Reise zu dem Fluss sollen Touristen seine Malorte wieder erleben können.
Vater der Rheinromantik

Joseph Mallord William Turner: "Kaub und Burg Gutenfels", um 1824, Wasserfarbe

Zu Fuß und im Boot bereist ein britischer Maler das Mittelrheintal. Die größte Burgendichte der Welt, steile Weinberge und alte Städtchen: Er skizziert viele Ansichten des Tals - Grundlage für seine Aquarelle, die später in England entstehen. Die erste Ankunft von William Turner am Rhein ist nun 200 Jahre her. Er gilt als einer bedeutendsten britischen Maler - und ein Teil seines Werkes als Inbegriff der Rheinromantik. Touristiker wollen aus dem Jubiläum Kapital schlagen. Bodenplatten sollen Turners Malstandorte markieren und eine Internetseite weitere Informationen liefern.

Turner (1775-1851) ist ein Meister des Lichts. Seine Landschaftsbilder verweisen schon auf den späteren Impressionismus - und tragen im 19. Jahrhundert zur Beliebtheit des Reiseziels Rheintal in England bei. Am 19. August 1817 verbringt der Sohn eines Barbiers bei Köln seinen ersten Tag am Rhein. Er reist flussaufwärts bis Mainz und wieder zurück, steigt hoch hinauf zu Burgen und zeichnet auch auf dem Wasser in Booten. Am 31. August 1817 verlässt der Maler bei Köln das Rheintal wieder, im Wandergepäck viele Skizzen von Burgen und Kirchen, Felsen und Weinbergen.

Laut dem Buch "William Turner in Deutschland" (1995) von Cecilia Powell kann die Bedeutung dieser ersten von mehreren Rheinreisen gar nicht hoch genug bewertet werden für die Karriere des Künstlers: "Sie führte unverzüglich zu einer Serie von Aquarellen, die allein seinen Ruhm in aller Welt gesichert hätten, selbst wenn er 1818 gestorben wäre und keine anderen mehr hätte malen können." Der englische Kunstsammler Walter Fawkes (1769-1825) erwirbt seinerzeit rund 50 Werke. Seine Nachkommen verkaufen sie. Längst sind die Aquarelle in Museen und Sammlungen in aller Welt verstreut.

Bilder als Botschafter des Tal der Rheinromantik

Der heutige Künstler Armin Thommes aus St. Goar hat sich auf Turners Spuren im Welterbe Oberes Mittelrheintal zwischen Koblenz und Bingen begeben: "Ich habe 26 Standorte herausgefunden." Turner hat 1817 mehrere Skizzenbücher im Gepäck gehabt. "Er hat hier sehr viele, auch kleinere Studien, zum Beispiel von Gebäudeteilen, gezeichnet", berichtet Thommes.

Vater der Rheinromantik
Joseph Mallord William Turner: "Selbstporträt", um 1799

Besonders viele Skizzen hat Turner 1817 in St. Goar und St. Goarshausen im Herzen des heutigen Unesco-Welterbes nahe dem weltberühmten Loreley-Felsen angefertigt. Daher sollen bis zum Frühsommer 2017 die ersten insgesamt drei Bodenplatten auch in diesen beiden gegenüberliegenden Städtchen verlegt werden, wie Sara Scheer vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal erklärt. Die weiteren 23 Platten folgen laut Planung nach und nach in den kommenden Jahren.

Sie sind laut Scheer hochwertig mit Kosten von fast 10 000 Euro pro Stück. Die kreisrunden Bronzeplatten mit einem Durchmesser von einem Meter, erklärenden Worten und dem QR-Code für die geplante Internetseite zeigen jeweils eine stilisierte Turner-Skizze.

Außerdem sind Fußstapfen eingelassen. "Da können sich Touristen reinstellen, dann haben sie Turners Blickwinkel", erklärt Scheer. "Das ist ein niederschwelliges Angebot auch für Leute, die noch nie was von ihm gehört haben." Hinzu sollen Prospekte in Hotels, Gasthäusern und Museen kommen. "Wir wollen das Tal der Rheinromantik wieder mehr als künstlerische Kulisse in den Fokus rücken", sagt die Expertin.

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Turner und Clemens Brentano: Romantiker zweier Länder

Einige von Turners Blickwinkeln gibt es bis heute. Andere werden längst von Bäumen oder Häusern versperrt. Oft hat Turner aber auch verschiedene Blickwinkel collagenartig kombiniert, etwa bei Oberwesel, Bacharach und Bingen, wie der Künstler Thommes erläutert. "Es gibt nur ganz wenige direkte Umsetzungen - Loreley, Burg Maus zum Beispiel."

Der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal sieht in Turner den Auftakt für noch mehr Kulturtourismus: "Auch der Schriftsteller Clemens Brentano (1778-1842) ist hier erlebbar. Wir wollen den Kulturweg Via Brentano von Frankfurt am Main nach Bingen bis Koblenz verlängern", sagt Scheer. Im heutigen Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein ist Brentano geboren worden. "Plaketten könnten zum Beispiel handschriftliche Zitate von Brentano zeigen", erklärt die Expertin.

Turner und Brentano: Zwei Romantiker zweier Länder, die künftig Kulturtouristen vieler Länder in ein malerisches Flusstal locken sollen, das heute unter Bahnlärm und Bevölkerungsschwund leidet.

Wer war William Turner?

Der britische Öl- und Aquarellmaler William Turner ist 1775 als Sohn eines Barbiers in London geboren worden. Bereits mit 15 Jahren stellte er laut Cecilia Powells Buch "William Turner in Deutschland" (1995) Bilder in der Royal Academy in der englischen Hauptstadt aus. Er entwickelte als Meister der Romantik die Landschaftsmalerei weiter und schuf auch Historienwerke. Er spielte mit dem Licht, malte so Gemälde mit intensiver atmosphärischer Stimmung und beeinflusste die Impressionisten. Turner reiste oft ins Ausland, von 1817 bis 1844 alleine siebenmal durch Deutschland. Er war ein überaus produktiver Künstler: Er hinterließ dem britischen Staat rund 20 000 Blätter. William Turner starb 1851.

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