Vermeer und die Meister 
der Genremalerei

Vergleich mit dem Genie

Was hatte Jan Vermeer, der Künstler aus Delft, seinen Zeitgenossen voraus? In Paris sind Meisterwerke des holländischen Barockmalers zu sehen, darunter auch eines seiner bekanntesten Gemälde.
Vergleich mit dem Genie

Jan Vermeer: "Dienstmagd mit Milchkrug", 1658–1660, 45,4 cm × 41 cm, Öl auf Leinwand, Rijksmuseum in Amsterdam

Seit 50 Jahren hat es das in Paris nicht gegeben: eine spektakulär umfangreiche Ausstellung des Niederländers Jan Vermeer (1632 bis 1675) mit immerhin zwölf Gemälden, etwa ein Drittel aller ihm bis heute sicher zugeschriebenen Werke.

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Und zusätzlich hat die Schau einen besonderen Clou: Rings um die Werke des Meisters aus Delft werden im Pariser Louvre in thematischen Kapiteln 58 Genreszenen mit ähnlichen Motiven gehängt, gemalt von niederländischen Zeitgenossen Vermeers wie Gerard ter Borch (1617 bis1681), Gabriel Metsu (1629 bis 1667) oder Jan Steen (um 1626 bis 1679). Diese Gegenüberstellungen sollen die innovative Kraft Vermeers verdeutlichen, der zu Lebzeiten kaum über die Grenzen seiner Heimatprovinz hinaus bekannt wurde, bis die Impressionisten ihn 200 Jahre später wiederentdeckten und unsterblich machten.

In der Abteilung "Liebes-Korrespondenz" etwa ist sein berühmtes Gemälde "Briefschreiberin und Dienstmagd" von 1670 neben dem etwas früher entstandenen Bild "Mann, einen Brief schreibend" von Metsu zu sehen. Der Aufbau der Werke ist ähnlich, bestimmte dekorative Details entsprechen sich sogar, denn es geht um eine konventionelle Genreszene. Doch ist die künstlerische Herangehensweise eine andere. Metsus Gemälde zeigt eine völlig andere, wenig logische räumliche Lichtführung mit deutlich weniger Hell-Dunkel-Dramatik als Vermeer sie beschwört, dank einer einzigen starken Lichtquelle, seinem Markenzeichen.

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Ähnlich vergleichend untersucht die Louvre-Schau in Kapiteln wie "Beim Wiegen", "Junge Schönheiten" oder "Sentimentale Saiten" Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Arbeiten des Malgenies und denen seiner Zeitgenossen. Dabei wird deutlich, dass Vermeer auf Gemälden wie "Der Liebesbrief" oder "Junge Dame mit Perlenhalsband", trotz der braven thematischen Bearbeitung von damals beliebten Motiven, eigene Wege ging und nicht in überlieferten Konventionen stecken blieb.

Zu den vielen Höhepunkten der Pariser Ausstellung zählen auch "Der Astronom" von 1668 aus der Sammlung des Louvre und das Pendant, "Der Geograph", von 1868/69 aus dem Frankfurter Städel – berühmte Werke, die vor Augen führen, warum Vermeer genau wie der ältere Rembrandt als führender Protagonist des "Goldenen Zeitalters" der Niederlande gefeiert wird.

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog zum Preis von 39 Euro und ein Begleitheft für 8 Euro.

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