Italienbilder des 19. Jahrhunderts

Ein Fest für die Augen

Von Claude Lorrain bis Max Klinger feierten
 Künstler die Schönheit und Kultur des Südens. In Dresden sind jetzt beeindruckend schöne Werke des Klassizismus und der Romantik zu sehen.
Ein Fest für die Augen

Max Klinger (1857–1920): "Das Kolosseum in Rom", 1888, Öl auf Leinwand, 77 x 102 cm

Wie Italien, das Traumland des Bildungsbürgertums im 19. Jahrhundert, die Fantasie befeuerte, lässt sich am Beispiel von Heinrich von Kleist ermessen: Der schwärmte 1801 vom "reinen blauen italienischen Himmel", den kannte der deutsche Dramatiker jedoch allenfalls vom Hörensagen – er war damals noch nie in Italien gewesen.

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Der "italienische Himmel" steht nun als Motto über einer Retrospektive zu Italienbildern des 19. Jahrhunderts in der Galerie Neuer Meister im Dresdner Albertinum – ein Fest für die Augen mit erlesenen Werken aus der reichen Kollektion des Dresdner Hauses, ergänzt durch Meisterwerke von Leihgebern wie der Tate Gallery London, dem Thorvaldsens Museum Kopenhagen, dem Frankfurter Städel-Museum und der Nationalgalerie Berlin.

Es waren die Künstler des Klassizismus und der Romantik, die ihrer Leidenschaft für Italien und seine reiche Kunstgeschichte – vor allem Antike und Renaissance – frönten. Der Klassizismus war im Zeitalter der Aufklärung als Gegenentwurf zur luftig-heiteren Scheinwelt des Rokoko entstanden. Versatzstücke der Antike wie malerische Säulengänge, dekorativ verfallene römische Ruinen oder elegische Landschaften gehörten zum unerlässlichen Vokabular.

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Die Romantiker beriefen sich ebenfalls auf die Ideale der Antike, empfanden aber die klassizistische Malerei als blutleer. Sie wollten gleichzeitig persönliche Gefühle ausdrücken. Wenn Romantiker Landschaften malten, gaben sie nicht einfach nur Natur wieder, sondern verstanden sie als Ausdruck menschlichen Denkens und Fühlens.

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Die Dresdner Ausstellung spannt einen weiten Bogen: Vom französischen Barockmaler Claude Lorrain ist eine romantische Ansicht der Küstenlandschaft mit "Acis und Galatea" (1657) zu sehen. Ans Meer zog es auch Jakob Philipp Hackert, der das Bild "Tempel der Sybille bei Tivoli" (um 1770) malte. Vom Romantiker Carl Rottmann stammt eine weitläufige atmosphärische "Meerenge von Messina" (1828). Zu den schönsten Stadtlandschaften der Ausstellung gehören "Das Kolosseum in Rom" (1888) von Max Klinger, die "Piazza d’Erbe in Verona" (1884) vom Realisten Adolph von Menzel sowie die "Villa d’Este in Tivoli" (um 1842), von Carl Blechen gemalt.

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Ein Highlight der Dresdner Schau ist zudem "Der Goldene Zweig" (The Golden Bough, um 1834) des großen englischen Romantikers William Turner: Er schildert darin die Begegnung des trojanischen Herrschers Aeneas mit der Seherin Sibylle. Sie weissagt ihm, dass er nur in die Unterwelt kommen kann, um dem Geist seines Vaters zu begegnen, wenn er der Göttin Proserpina einen goldenen Ast aus einem heiligen Baum anbietet.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Sandstein Verlag. Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.

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