Otto-Dix-Ausstellung in Düsseldorf

Bei Mutter Ey

Drei Jahre Düsseldorf machten aus dem Maler einen 
gnadenlosen Porträtisten. Das K20 zeigt 
Otto Dix und wählt gleich zwei Schwerpunkte: Seine Düsseldorfer Jahre und den schonungslosen Blick des Malers.
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Otto Dix: "Bildnis des Fotografen Hugo Erfurth mit Hund (Detail)", 1926, Tempera und Öl auf Holzplatte, 80 x 100 cm

"Mein geliebtes Mutzlein! Der große Schlag ist ­gelungen. Das Wallraf-Richartz-Museum hat das Kriegsbild gekauft. Sizilien ge­sichert. Du darfst auf keinen Fall sparen, und nudle die Nelly richtig." Als Otto Dix im Oktober 1923 diese jubilierenden Zeilen schrieb, war er zwar kein unbekannter Maler mehr, aber immer noch weitgehend mittellos.

Ein Jahr zuvor war er von Dresden nach Düsseldorf gezogen, um genau das zu ändern, und jetzt durfte er sich endgültig bestätigt sehen. In Düsseldorf hatte Dix nicht nur Mitstreiter in der Künstlergruppe "Das Junge Rheinland" gefunden, sondern auch Galeristen und Sammler, die an ihn glaubten. Und was vielleicht noch wichtiger war: Hier lernte er Martha Koch, seine geliebte Mutz, kennen, hier wurde Nelly, ihr erstes Kind, geboren.

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Wer sich zum 125. Geburtstag von Otto Dix alles über den Künstler ansehen will, muss eine ausgeklügelte Reiseplanung machen. Denn mehrere Städte ehren den Maler in seinem Jubiläumsjahr.

Obwohl Otto Dix (1891 bis 1969) lediglich drei Jahre in Düsseldorf blieb, ist diese von 1922 bis 1925 reichende Zeit doch eine Schlüsselepisode für sein Leben und sein Werk. Als Ehemann und Vater wandelte sich Dix vom wilden Maler der Dirnen und Bordelle zum scharfsichtigen Porträtisten der bürgerlichen Gesellschaft, er fand zu jenem sachlichen "bösen Blick", für den er heute noch berühmt ist. Auch handwerklich entwickelte sich Dix weiter: An der Kunstakademie Düsseldorf studierte er altmeisterliche Radiertechniken und schuf 1923/24 seinen grandiosen Zyklus "Der Krieg" über die Gräuel des Ersten Weltkriegs. Dass im Rheinland der Großteil des Dixschen Aquarellwerks entstand, hatte eher pragmatische Gründe: In Zeiten der Hochinflation musste man schnell produzieren, um mit dem Preisverfall Schritt halten zu können. Nach zwei Pioniertaten der Düsseldorfer Galerie Remmert und Barth nimmt sich jetzt die Kunstsammlung NRW im großen Stil des vor der eigenen Haustür liegenden Themas "Dix in Düsseldorf" an.

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Kalle, 5, kennt sich mit Falten aus und glaubt, dass die Dame ihren Text vergessen hat. Unser Kunstexperte, der gerne mit mehr Farben malt, als nur Rot, vermutet, dass Erwachsenentheater nicht so witzig ist wie das Kasperletheater

Unter dem Titel "Otto Dix – Der böse Blick" sind rund 200 Gemälde, Aquarelle und Grafiken zu sehen, zudem soll das gesellschaftliche und persönliche Umfeld in der Ausstellung lebendig werden. Man wird Mutz begegnen und dem Arzt und Sammler Hans Koch, dem Dix die Ehefrau ausspannte, während er ihn porträtierte (und der sich dann mit der Schwägerin, die ohnehin schon seine Geliebte war, tröstete); ebenso der legendären, von Dix 1924 porträtierten Kunsthändlerin Johanna Ey, bekannt als Mutter Ey, und auch dem Galeristen Karl Nierendorf, mit dem der Maler so manchen schönen Strauß ums Geld ausfocht. Nur das erschütternde Kriegsbild, das Dix und Familie den Italienurlaub ermöglichen  sollte und in Köln umgehend zum Skandal wurde, sieht man nicht wieder. Der mit verwesenden Leichnamen gespickte Schützengraben wurde 1928 von der Stadt Dresden erworben, aber nie gezeigt; die Nazis zogen das Gemälde aus dem Verkehr, seit 1940 ist es verschollen.

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Gezeigt werden etwa 200 Gemälde, Aquarelle und Grafiken aus internationalen Sammlungen, die ab 1922 während der explosiven Schaffensjahre des deutschen Malers (1891–1969) in Düsseldorf entstanden
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen – K20 Grabbeplatz ,  Düsseldorf
Themenseite Otto Dix / Foto: © Fred Stein / dpa
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