Claude Monet in Basel

Schimmerndes Licht

Er war einer der Lieblingskünstler von Sammler Ernst Beyeler – jetzt feiert dessen Stiftung ihren 20. Geburtstag mit dem großen Impressionisten Claude Monet. Bis Mai zeigt die Fondation Beyerle die Meisterwerke des Wegbereiters der Moderne.
Schimmerndes Licht

Raffiniertes Spiel mit Bild und Spiegelbild von Claude Monet: "In der Barke", 1887, 98 x 131 cm, Musée d'Orsay, Paris

Claude Monets Bilder entspannen die Augen und lassen uns in einen glücklichen Dämmerzustand fallen. Wie begehrt seine Kunst bis heute ist, zeigt der Rekordpreis von 75,7 Millionen Euro, den eines seiner Heuschober-Gemälde (1890/91) kürzlich bei Christie’s erzielte.

Das Kunstquiz: Claude Monet
Monet, das war doch der mit den Seerosen? Soviel ist klar. Aber woher stammt eigentlich der Begriff Impressionismus? Was sind Komplexlandschaften? Und wieso malte Monet immer wieder das gleiche Motiv? Testen Sie hier ihr Kunstwissen

Berühmt ist seine "Impression – Sonnenaufgang" (1872), die den Impressionisten zu ihrem  Namen verhalf, populär die zwischen 1892 und 1894 entstandenen Darstellungen der Kathedrale von Rouen, die je nach Tageszeit in ein wechselndes Farbspektrum aus Lichterscheinungen getaucht ist. Unerreicht die gigantischen späten Seerosenbilder der zwanziger Jahre, diese rauschhaften Orgien aus Farben und Blumen.

Claude Monet: "Sonnenuntergang über der Seine im Winter", 1880, Öl auf Leinwand

Wer sagt, dass eine Winterlandschaft weiß-grau ist? "Sonnenuntergang über der Seine im Winter", 1880, 61 x 81 cm

Das grandiose Alterswerk des französischen Malers (1840 bis 1926) wird gewöhnlich als zweiter Aufbruch eines Altmeisters gesehen, als  ein revolutionärer Neuanfang, in dem wir vieles erkennen, das später die Amerikaner mit ihren randlosen Bildern und riesigen Formaten zum Kult gemacht haben. Bei den späten Bildern setzt die Monet-Ausstellung an, mit der die Fondation Beyeler ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, und bewegt sich dann in eine überraschende Richtung: Sie will nicht den Bruch kultivieren, sondern vorführen, wie Monet in seiner künstlerischen Arbeit kontinuierlich sein Programm fortentwickelt hat. Probates Mittel sind Kurator Ulf Küster dafür die Spiegelung und der Schatten. Er findet sie im "Sonnenuntergang über der Seine im Winter" (1880) ebenso wie  auf der glatten Wasserfläche, durch die drei Frauen "In der Barke" (1887) gleiten und auch in den Seerosenbildern der letzten Jahrzehnte.

Claude Monet
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen mit Claude Monet

Monets wegweisende Abstraktion

Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau 1879 hat der Maler begonnen, Eis und Schnee eines extrem kalten Winters in leuchtenden Farben zu malen. Anhand von rund 50 Bildern zeigt die Schau, wie Monet von der Reflexion und dem Schimmern des Lichts fasziniert ist und sie nutzt, sich vom Gegenstand zu lösen: Was man im Wasser gespiegelt sieht, schaut man nicht direkt an. Der Wind versetzt es in Bewegung, die Wassertiefe gibt ihm leichte Unschärfe. Man sieht Bilder, nicht die Dinge selbst, Reflexe erleichtern die Reflexion darüber, was Bilder ausmacht, wie sie entstehen.

Seerosen, 1906, Art Institute of Chicago
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Das hat schon den 16-Jährigen Monet interessiert, als er einen Zaun zeichnete, dessen Pflock sich in einer Pfütze spiegelte. Und auf seinem ersten Ölgemälde "Vue prise à Rouelles" (1858) spiegeln sich Bäume in einem Bach – wie auch1891 in der berühmten Pappelserie. Monets Spiegelungen und Schatten, die immer kühner werden, laden ein, Farbwirkungen zu entdecken, die sich im Gegenstand und doch weitgehend losgelöst von ihm entfalten.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe art 01/2017.

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