Paul Klee und die Surrealisten

Der Befreier

Die Pariser Surrealisten um André Breton zeigten sich begeistert und feierten seine fragmentierten Kompositionen. Nur Paul Klee selbst hielt Distanz.
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Paul Klee: "Marionetten (bunt auf schwarz)", 1930, 202, Ölfarbe auf Karton, 32 x 30,5 cm

Künstlermuseen müssen sich einiges einfallen lassen, wenn sie die Aufmerksamkeit hochhalten wollen. Das Zentrum Paul Klee hat darin Meis­terschaft entwickelt: Es gibt wohl keine bedeutende Künstlerfreundschaft des Hausheiligen, die noch nicht mit einer dialogischen Schau bedacht wurde. Die Attraktivität solcher Erkundungen bemisst sich an der Qualität der Partner und der Exponate. Für diesmal ist dem Museum sogar eine Überraschung gelungen: Paul Klee wird vielfach mit den Surrealisten in Verbindung gebracht, Kontakte, Beeinflussungen und Kooperationen wurden aber noch nie umfassend untersucht.

Die Pariser Künstler um Übervater André Breton und der Berner Bauhausmeister haben sich alle für innere Impulse interessiert, die zu neuen Bildfindungen führen. Kinderzeichnungen hatten für sie beispielsweise dieses Potenzial.

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Paul Klee, fotografiert von Alexander Eliasberg, 1911

Entdeckt hatten Paul Klee in Paris zunächst die Schriftsteller: René Crevel, Louis Aragon und Antonin ­Artaud schrieben ­begeisterte Texte. Letzterer ernannte ihn zum "peintre mental". Als der ­Maler im Herbst 1925 seine erste Ausstellung an der Seine hatte, war das für viele ein Ereignis. Für junge Künstler wie Joan Miró wirkte das Werk wie eine Offenbarung: "Klee war die wichtigste Begegnung in meinem Leben. Unter seinem Einfluss hat sich meine Malerei befreit", notierte der Spanier rück­blickend. Und André Masson hielt fest, dass für die surrealistische Malerei entweder de Chirico oder Paul Klee die Richtung vorgegeben hätten, er selbst entschied sich für den Schweizer. Verkaufen konnte dieser zwar erst so richtig in der dritten Ausstellung im Jahr 1929, dann kamen zur Vernissage aber auch die großen Namen, Georges Braques, André Derain und Pablo Picasso.

»Unter seinem Einfluss hat sich meine Malerei befreit«, Joan Miró

Die Ausstellung in Bern zeichnet diese Faszination in acht Kapiteln nach. Der "Psychische Automatismus" Klees ­gehört dazu wie der Traum, Sexualität, Masken, die Fragmentierung des Körpers und die imaginäre Natur. Knapp 300 Bilder, davon 60 aus dem Centre Pompidou, führen vor, wo man sich nahekam. Sie stellen sich aber auch gegen die Neigung, Klee zum Sur­realisten zu erklären. Alfred H. Barr, der Direktor des Museum of Modern Art in New York, hielt bereits 1930 fest: "Klee wurde von den Surrealisten in Anspruch genommen, war aber (wie auch Picasso, Braque und de Chirico) nicht besonders interessiert." Der hielt nicht viel von automatischer Kunst, er erarbeitete seine Kompositionen bewusst. Und er amüsierte sich über die surrealistische Bildsprache. Auf der Zeichnung "Menu ohne Appetit" ließ er 1934 deren biomorphe Formen in einer klebrigen Masse verschwinden.

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Umfassende Ausstellung über die Beziehung des deutschen Künstlers (1879–1940) zu den Surrealisten im Paris der zwanziger und dreißiger Jahre, mit Arbeiten von Max Ernst, Joan Miró, Hans Arp, Alberto Giacometti, André Masson und Salvador Dalí
Zentrum Paul Klee ,  Bern
Angelus Novus von Paul Klee
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen zu Paul Klee