Fritz Schwegler in Mannheim

Reise durch das Land Effesch

Seine Schüler wurden zu Stars, er selbst stellte auf der documenta aus. Trotzdem ist das Werk von Fritz Schwegler nur wenigen bekannt. Jetzt wird die poetische Bildwelt des Einzelgängers neuentdeckt.
Reise durch das Land Effesch

Fritz Schwegler: "Olympische Kunstläuferin, aus 1000 Notwandlungsstücken", 1990-99

Skulpturen lassen sich formen oder werden aus dem Material herausgeholt. Fritz Schwegler hat sie dagegen gesungen oder in Performances vorgeführt. In den siebziger Jahren zog der Bildhauer durch Kunstvereine und Theater, auch im Fernsehen wurden seine Kurzfilme gezeigt, in denen er Skulpturen als kurze Handlung vorführte oder sie wie ein Bänkelsänger in einem Sprechgesang darbot.

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In der Kunsthalle Mannheim kann man einige dieser ungewöhnlichen Performances wiederentdecken. Aus der Klasse des ehemaligen Düsseldorfer Kunstprofessors gingen zwar viele namhafte Künstler wie Katharina Fritsch, Thomas Schütte und Thomas Demand hervor. Schwegler nahm 1972 und 1987 an der documenta in Kassel teil, trotzdem ist sein Werk weder auf dem Kunstmarkt noch in Museen präsent. Ulrike Lorenz, die Direktorin der Kunsthalle, hält den vor zwei Jahren gestorbenen Einzelgänger für einen "Geheimtipp der bundesdeutschen Kunstgeschichte". In einer großen Gesamtschau will sie Schweglers Kunstkosmos vorstellen und beweisen, dass seine Einfälle "zutiefst eigenwillig, originär, poetisch, auch schräg waren.

Der 1935 bei Göppingen geborene Schwegler studierte an der Stuttgarter Kunstakademie Bildhauerei. Er machte Bildcollagen, Wortperformances und erarbeitete ein gigantisches Werk von Kleinskulpturen. Zunächst notierte und sammelte er systematisch seine Eingebungen, die er "Urnotizen" nannte und aus denen er über Jahrzehnte eine eigene poetische Fantasiewelt erschuf. Die Ausstellung beginnt in den sechziger Jahren mit in Hartgips gegossenen organischen Formen, die noch an Hans Arp oder Henry Moore erinnern. Eine zentrale Werkgruppe der Schau bilden die "Effeschiaden". So nannte Schwegler in Anlehnung an seine Initialen F. S. Skizzen mit sogenannten Skulpturentexten. "Die oly. Kunstläuferin hat nichts im Sinn, als für die Kunst zu laufen", heißt es zum Beispiel auf einem Blatt der Serie der "Olympischen Effeschiaden" von 1972, das zwei lustige, körperlose Beine zeigt.

Nachdem sich Schwegler viele Jahre auf Texte, Konzepte und Performances konzentrierte, kehrte er in den achtziger Jahren zur Bildhauerei zurück, es entstanden Notwandlungsstücke, mal ironische, mal surreal
anmutende, bunt bemalte Bronzen, vasenähnliche Objekte, plastische Schrift, Tierhörner, geometrische Körper. "Wir versuchen, einen Weg durch das Land Effesch zu inszenieren", sagt Ulrike Lorenz. An die 500 Objekte aus Schweglers Nachlass werden auf farbig bemalten Konsolen präsentiert. "Es ist vielleicht ein etwas geheimnisvoll wirkendes Werk", sagt Ulrike Lorenz, "eine Art Verrückung, Verzauberung, ein systematisch anderer Weltzugriff, aber auch wunderschön."

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