Clara Peeters in Madrid

Die erste Frau im Prado

Mit Clara Peeters widmet das Madrider Museum erstmals in seiner fast 200-jährigen Geschichte einer Frau eine Einzelausstellung. Doch wer war diese flämische Renaissance-Malerin, die nun als erste Künstlerin den weltberühmten Prado erobert?
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In der Kanne spielt sich die Künstlerin Clara Peeters: "Still life with Flowers, Gilt Goblet, Almonds, Dried Fruits, Sweets, Biscuits, Wine and a Pewter Flagon", Öl auf Holz, 53 x 73 cm, 1611

Normalerweise sorgt das Madrider Prado-Museum mit großen, weltbekannten Meistern für Aufmerksamkeit. Doch derzeit stiehlt ausgerechnet eine relativ unbekannte flämische Künstlerin Velázquez, Goya, Rubens und Tiziano die Show.

Medien wie Publikum fragen sich, wer jene Clara Peeters war, dass gerade ihr als erste Künstlerin in der fast 200 Jahre langen Geschichte des Prados eine Einzelausstellung gewidmet wird. "Leider haben wir auf diese Frage kaum Antworten. Wir wissen so gut wie nichts über Peeters", meint Alejandro Vergara, Prado Chef-Kurator für flämische Kunst. Es hört sich fast wie eine Entschuldigung an.

Ihr erstes Stillleben malte sie anscheinend 1607 und ihr letztes stammt von 1621. Derzeit sind überhaupt nur 39 Werke von ihr bekannt. Erstmals wird sie 1627 in einem Inventar der Kunstsammlung von Lucretia de Beauvois, Ehefrau des niederländischen Künstlers Herman Saftleven, als Malerin erwähnt. Später taucht Peeters erneut 1637 im Inventar der Kunstsammlung des spanischen Herzogs von Leganés auf. Doch viel mehr biografische Daten gibt es nicht über die flämische Malerin.

Ihre Maltechnik scheint von Jan Brueghel beeinflusst

Es steht nicht einmal fest, wann genau sie geboren wurde. Während einige Quellen von 1594 sprechen, gehen Vergara und sein Expertenteam davon aus, dass Peeters zwischen 1588 und 1590 im belgischen Antwerpen geboren wurde. Sie starb vermutlich gegen 1658. Ihr Nachname war damals sehr geläufig, versichert Vergara: "In Antwerpen haben wir zu ihrer Zeit rund 20 Clara Peeters in den Registerbüchern gefunden."

Ihre Maltechnik wurde durch die Schule von Jan Brueghel dem Älteren beeinflusst. Da einige ihrer Gemälde wie "Stillleben mit Fisch und Katze" (1620) im Aufbau an die Werke von Osias Beert erinnern, vermuten einige Experten, Peeters absolvierte ihre künstlerische Ausbildung möglicherweise bei dem in Antwerpen ansässigen Stilllebenmaler. Alejandro Vergara geht allerdings davon aus, Peeters stammt aus einer Künstlerfamilie. Für eine Frau sei es zu dieser Epoche finanziell wie sozial kaum möglich gewesen, eine Künstlerlehre bei einem Maler oder auf einer Akademie zu machen, so Vergara.

Damals gab es kaum weibliche Künstlerinnen. Entweder handelte es sich um Töchter von bekannten Malern wie im Fall der flämischen Porträtmalerin Catarina van Hemessen (1527/28-1560) und der italienischen Barock-Künstlerin Artemisia Gentileschi (1593-1653). Oder es waren Frauen aus gut betuchten Adelsfamilien, die es sich leisten konnten, der Malerei als Hobby nachzugehen, wie beispielwiese die italienische Malerin Sofonisba Anguissola (1532-1625). "Wäre Clara Peeters adelig, hätte es über sie Dokumente gegeben. Deshalb gehe ich davon aus, sie entstammt einer Künstlerfamilie, von denen es damals in Antwerpen viele gab“, so der Prado-Experte für flämische Kunst. Überhaupt sind es auch nur die verwendeten Holzrahmen und Siegel, die bestätigen, dass Peeters in Antwerpen tätig war.

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Clara Peeters: "Still life with Cheeses, Almonds and Pretzels", Öl auf Holz, 34,5 x 49,5 cm, zirka 1612 – 1615

Fest steht: "Mit ihren realistischen Darstellungen war Peeters im 17. Jahrhundert eine moderne, nahezu avantgardistische Pionierin in der Stillleben-Malerei", versichert Kurator Vergara. Tatsächlich stehen ihre realistischen Abbildungen von kostbaren Porzellanvasen, Tellern, Metallbestecken, Obst, Blumen, Käse, Fischen, exotischen Meerfrüchten und Jagdbeute im starken Kontrast zum größtenteils idealistischen Renaissance-Stil der damaligen Zeit. Ihr Stil und die hohe Qualität ihrer Werke beeindruckten auch ihre Zeitgenossen. Sie arbeitete höchst professional, signierte ihre Werke und verkaufte sie sogar ins Ausland. Der spanische Herzog von Leganés und der spanische König besaßen bereits gegen Mitte des 17. Jahrhunderts gleich zwei Stillleben von Clara Peeters. Immerhin handelte es sich damals um zwei der bedeutendsten Kunstsammlungen Europas.

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Bis zum 19. Februar 2017 zeigt der Prado in Zusammenarbeit mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste von Antwerpen fünfzehn ihrer bedeutendsten Werke. Die Stillleben stammen aus verschiedensten Museen und Privatsammlungen. Mit vier Werken verfügt der Prado selber über die meisten Werke der flämischen Künstlerin.

Obwohl wir kaum Informationen über ihr Leben haben, wissen wir überraschender Weise wie sie aussah. Wie die Madrider Ausstellung zeigt, verewigte sie sich selber in miniaturisierten Selbstporträts, die sie in den glänzenden Oberflächen von Tellern und Vasen ihrer Stillleben einarbeitete. "Als weibliche Künstlerin dürfte sie damals um Ansehen gekämpft haben. Ihre Selbstporträts waren eine raffinierte Möglichkeit, sich zu zeigen", so Prado-Kurator Alejandro Vergara. Er hofft, die Einzelausstellung in einem international so prestigeträchtigen Museum wie dem Prado werde die Kunsthistoriker anspornen, mehr über diese flämische Malerin herauszufinden.

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