Hans Hofmann in Bielefeld

Spritzen und schmieren

Der deutsch-amerikanische Maler Hans Hofmann gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus. Hierzulande ist er aber vielen noch unbekannt. Das ändert jetzt eine Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld, die außerdem das Werkverzeichnis des Künstlers vorstellt.
Spritzen und schmieren

Hans Hofmann: "The Lark", um 1960, Öl auf Leinwand, 152,7 x 133 cm

Wenn vom Abstrakten Expressionismus die Rede ist, dann ist damit eine typisch amerikanische Kunst gemeint, die sich als Gegenbewegung zu Konstruktivismus und naturalistischer Malerei verstand. Zentrum der Bewegung war New York, wohl auch um Paris den Rang als Kunsthauptstadt abzulaufen. Einer der führenden Vertreter des Abstrakten Expressionismus aber wurde 1880 im mittelfränkischen Weißenburg geboren, einer heute 18 000 Einwohner zählenden Gemeinde.
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Hans Hofmann (1880 bis 1966) erlangte nicht nur als Maler kraftstrotzender, starkfarbiger Abstraktionen Weltgeltung, sondern auch als ein kongenialer Lehrer und Theoretiker. Nur in seiner alten Heimat war er allenfalls Insidern bekannt, was sich jetzt ändern wird: Die Kunsthalle Bielefeld richtet Hofmann in Zusammenarbeit mit dem Berkeley Art Museum in Kalifornien eine große Werkschau aus.

Dass Hofmann überhaupt Künstler werden konnte, verdankte er seinem Vater, der 1886 aus beruflichen Gründen mit der Familie nach München umziehen musste. Dort schrieb sich der Sohn 1898 in einer privaten Kunstschule ein und lernte seine spätere Frau Maria Miz Wolfegg kennen, sein Lieblingsmodell.

Nach einem zehnjährigem Intermezzo in Paris mit Anregungen von Künstlern wie dem Ehepaar Delaunay, den Malern Matisse, Braque, Derain, und Picasso gründete Hofmann, nach München zurückgekehrt, 1915 seine eigene Schule für bildende Kunst. Sie wurde nach Ende des Ersten Weltkriegs zum Zentrum für junge, vorwiegend ausländische Künstler.

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Als Hofmann 1932 vor dem drohenden Naziterror nach New York übersiedelte, eilte ihm sein exzellenter Ruf als Lehrer voraus. 1934 gründete er die Hans Hofmann School of Fine Arts in der Nähe des Central Park. Der Andrang war so groß, dass er Morgen- und Abendkurse in Malen und Zeichnen nach Modell anbot und zusätzlich Lehrstunden an Samstagen. Berühmtheiten wie Allan Kaprow, Larry Rivers, Helen Frankenthaler und Ray Eames haben von ihm das Prinzip des "Push and Pull" gelernt. Drücken und ziehen: Hofmann wollte Räumlichkeit nicht mehr durch illusionistische Kniffe erzeugen, sondern durch einander überschneidende, überlappende Farbflächen, die nach vorn rücken und in den Hintergrund verlegt werden konnten.

Hofmann ist ohne sein Zutun die Bezeichnung Abstrakter Expressionismus zu verdanken: Am 18. März 1946 wurde in der Mortimer Brandt Gallery eine Einzelschau eröffnet, mit der der Kritiker Robert Coates Probleme hatte. In der Zeitschrift "New Yorker" nannte er Hofmanns Malerei "splatter-and-daub style of painting" und verpasste der Spritzer- und Schmiererei-Malerei den Namen "abstract expressionism". 

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