Ausstellungen in London und Wiesbaden

Die Revolution des Caravaggio

Caravaggio gilt als eine der revolutionärsten Figuren der Kunstgeschichte. Seine innovative Art zu malen, beeinflusste Generationen von Künstlern. Ausstellungen in London und Wiesbaden widmen sich nun dem Phänomen.
Die Revolution des Caravaggio

Verstörter Blick eines jungen Mannes: Michelangelo Merisi da Caravaggios "Jüngling, von einer Eidechse gebissen", 1594/95, Öl auf Leinwand, 66 x 49,5 cm

Verstört blickt der junge Mann von "Jüngling, von einer Eidechse gebissen" aus dem schlichten Bilderrahmen in der National Gallery in London. Das Gemälde ist Teil einer neuen Ausstellung über den italienischen Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610). Unter dem Titel "Beyond Caravaggio" (etwa "über Caravaggio hinausgehend") sind von Donnerstag an bis zum 15. Januar sechs Gemälde Caravaggios zu sehen - und daneben zahlreiche Werke von Künstlern, die sich von dem italienischen Meister beeinflussen ließen.

"Die Ausstellung zeigt, wie stark der Einfluss seiner revolutionären Gemälde, die von seinen Zeitgenossen gleichermaßen hochgelobt und verdammt wurden, auf Dutzende Künstler aus ganz Europa war, und welch wahrlich internationales Phänomen sie ausgelöst haben", sagt Gabriele Finaldi, Direktor des Kunstmuseums. Gemeint ist der so genannte Caravaggismus. Caravaggio lebte ein recht kurzes, aber intensives Leben. Mit 20 Jahren zog er nach Rom und machte sich von dort aus schnell einen Namen in der Kunstwelt. Seine ausdrucksstarken, naturalistischen Gemälde mit stark kontrastierenden Lichteffekten und emotionalen Szenen waren eine Neuheit und fanden zahlreiche Bewunderer und Nachahmer. Seine Technik inspirierte eine ganze Generation von Malern und wirkt noch bis heute nach.

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In sieben dunklen, schwach beleuchteten Räumen erlangen die Besucher einen Eindruck von Caravaggios Malweise und deren Fortführung durch italienische, französische, niederländische, belgische und spanische Künstler. Darunter sind Werke wie "Christus zeigt seine Wunden vor" von Giovanni Antonio Galli und "Christus vor dem Hohepriester" von Gerrit van Honthorst. Insgesamt sind 49 Gemälde zu sehen. Von Caravaggio selbst zum Beispiel "Der Heilige Johannes der Täufer in der Wildnis".  Berühmt und einflussreich noch zu Lebzeiten, starb Caravaggio schon früh, im Alter von 38 Jahren. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts hielt der Hype um seine innovative Technik an, dann wich der durch ihn verbreitete naturalistische Ansatz einer eher klassizistischen Malweise. 300 Jahre später wurde der Künstler für seine Leistung wieder entdeckt, heute gilt Caravaggio als eine der revolutionärsten Figuren der Kunstgeschichte.

Der Betrachter bekommt das Gefühl, vor einer Bühne zu stehen.

Um "Caravaggios Erben" geht es auch in einer Ausstellung neapolitanischer Barockmalerei mit mehr als 200 Werken im Landesmuseum in Wiesbaden. Zum ersten Mal habe ein deutsches Haus die großen Beispiele dieses goldenen Zeitalters der italienischen Malerei umfassend zusammengetragen, sagte Kurator Peter Forster. Rund 55 Leihgeber haben ihre Werke nach Wiesbaden geschickt, mehr als 50 Künstler sind vertreten. Die Schau beginnt am 14. Oktober. "Zu der Faszination des neapolitanischen Barock zählt neben den Hell-Dunkel-Effekten der gnadenlose Realismus", sagte Forster. "Die dargestellten Menschen werden vom Maler so in Position gebracht, dass der Betrachter das Gefühl hat, vor einer Bühne zu stehen, auf der die Szene quasi eingefroren ist." Ausgangspunkt der Präsentation waren drei Werke von Francesco Solimena (1657-1747) und ein Bild von Luca Giordano (1634-1705) aus dem Wiesbadener Besitz. Zu den Leihgebern für "Caravaggios Erben" zählen der Louvre in Paris und die Galerie der Uffizien in Florenz.

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Gastmahl in Emmaus, Caravaggio
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