Europa in der Renaissance

Austausch als Chance

Mit einem Rückblick auf die Anfänge der Neuzeit in Europa wird der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich eröffnet – eine historische Schau mit beeindruckender Aktualität.
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Tizian (eigentlich Tiziano Vecellio): "Porträt von Antoine Perrenot de Granvelle", 1548

Passender könnte eine historische Ausstellung für unsere Gegenwart kaum sein: Das Landesmuseum Zürich feiert die Eröffnung des Erweiterungsbaus der Architekten Christ & Gantenbein mit einer großen Präsentation zur Renaissance in Europa. Der Kon­tinent droht heute zwischen verschiedenen Interessen zu zerreißen. Nur Austausch und Kommunikation können dagegen helfen. Was wäre da sinnvoller, als darauf hinzuweisen, dass sie am Anfang der Neuzeit standen, und dass das Europa, das wir kennen, daraus hervorgegangen ist.

"Die Schweiz ist ein kleines Land, sie hat schon immer nur deshalb überlebt, weil sie mit ihren Nachbarn im Austausch stand. Deshalb wollten wir zur Eröffnung unseres neuen Gebäudes diesen Aspekt ins Zentrum rücken", sagt Kuratorin Denise Tonella. Und präsentiert mit knapp 300 Exponaten, darunter Arbeiten von Albrecht Dürer, Hans Holbein d. J. oder Tizian, die Epoche des Umbruchs als eine Zeit der Offenheit. Diese hat eine ­starke ökonomische Basis im Handel der Kaufmannsschicht, die sich nach der großen Pest von 1348 als gesellschaftliche Kraft etabliert und mit den Medici in Florenz und den Fuggern in Augsburg auch Bankiers hervorbringt, von denen Papst und Kaiser abhängen.

Bis heute wirksam ist aber vor allem die kulturelle Dimension des Austauschs. Er hat sein Schlüsselereignis in der Wiederentdeckung der Antike durch die Schriften, die nach der ­Eroberung Konstantinopels durch die Türken nach Italien gelangten und von den angehenden Humanisten aufgegriffen wurden. Und er erhält sein Supermedium durch Gutenbergs ­Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Damit konnte humanistisches Gedankengut sowohl in Venedig als in Basel und Amsterdam gedruckt werden.

Kunstwerke von Raffael, Lucas Cranach oder Hieronymus Bosch ließen sich über Holzschnitte und Stiche verbreiten. Die Reformation hätte ohne Flugblätter und Bücher nicht so schnell ihre ­Wirkung entfaltet. Ob die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 oder das neue Weltbild, das auf Nikolaus Kopernikus (1473 bis 1543) zurückgeht – die Zürcher Ausstellung vermittelt ein vielfältiges Panorama der Entdeckungen, der Assimilation, der Wanderung von Motiven und Stilen, wie sie die Zeit zwischen 1400 und 1600 bestimmt haben. Die Epoche des Umbruchs zeigt sich als Chance zur Entwicklung. Das sollte Mut machen für heute.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag, 49,80 Euro.

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Botticelli, Geburt der Venus
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