Velázquez und Spaniens Goldenes Zeitalter in Berlin

Spaniens Beste

Spaniens Goldenes Zeitalter, "El Sieglo de Oro", war eine Blütezeit für die Kunst – davon zeugen Meister Velázquez oder El Greco. Die ganze Vielfalt der Ära zeigt jetzt eine große Ausstellung in Berlin.
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Der Monarch war gerade 18 Jahre alt, als er eine der klügsten Entscheidungen seines Lebens traf: Ohne viel vom Können des Künstlers gesehen zu haben, ernannte Philipp IV. den damals 24-jährigen Diego Velázquez aus Sevilla zu seinem Hofmaler. Erst einmal, im August 1623, hatte der spanische König dem Künstler kurz Modell gesessen. Im Oktober schon konnte Velázquez eine Wohnung in der Madrider Innenstadt, ein Atelier im Erdgeschoss des Palastes und ein stattliches Gehalt beziehen – so etwas nennt man Blitzkarriere!

Dem schnellen Aufstieg folgte kein rascher Fall, im Gegenteil: Mit Velázquez ging ein Stern am Kunsthimmel Spaniens auf, der das sogenannte "Siglo de Oro", das Goldene Zeitalter, bis heute überstrahlt.

Der König hatte einen guten Riecher bewiesen. Die Kunst war – neben schönen Frauen, Jagden und rauschenden Festen – ohnehin eine große Leidenschaft des fest zur katholischen Kirche stehenden Habsburger Sprosses. Die hervorragende Gemäldesammlung, in die schon sein Großvater Philipp II. viel investiert hatte, erweiterte der Enkel um zahlreiche Werke: Allein sein Madrider Schloss Alcázar barg 77 Arbeiten von Tizian und 62 Bilder von Peter Paul Rubens, an denen auch ein Velázquez sein Auge schulen konnte. Niemand auf der Welt habe mehr von Kunst verstanden als Philipp IV., schwärmte der französische Kirchenmann Jean Muret 1667, zwei Jahre nach dem Tod des Monarchen. Im Palacio del Buen Retiro, der Madrider Zweitresidenz, so versicherte der beeindruckte Kleriker, befänden sich mehr Gemälde als im gesamten Stadtgebiet von Paris.

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In Sevilla, Toledo, Valladolid und natürlich in Madrid entstanden im späten 16. und 17. Jahrhundert zahlreiche Maler- und Bildhauer-Werkstätten. Die Kunst in Spanien erlebte eine Blütezeit, deren "gesamte Bandbreite und Vielfalt", so Kuratorin María López-Fanjul y Díez del Corrall, nun eine umfangreiche Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie dem deutschen Publikum vor Augen führen soll. Rund 130 Arbeiten – gut ein Drittel der Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen stammt aus der hauseigenen Sammlung, der Rest kommt aus Häusern wie dem Prado in Madrid, dem Louvre in Paris oder dem Metropolitan Museum of art in New York – zeigen, dass "diese Epoche nicht nur große Meister wie Velázquez und El Greco hervorgebracht hat, sondern auch eine Vielzahl herausragender Künstler wie Alonso Cano oder Gregorio Fernández, die außerhalb Spaniens leider nur Experten ein Begriff sind." Wichtig ist der Ausstellungsmacherin, die Werke "im Kontext ihrer Entstehungszeit" zu präsentieren.

Und diese Zeit war nicht wirklich "golden", wie der Name nahelegt: Denn anders als die Niederlande des "Gouden Eeuw", wo die enorme wirtschaftliche Entwicklung der jungen Nation parallel zu einem fast industriellen Wachstum der Malerei führte, hatte die Weltmacht Spanien mit zahlreichen Krisen zu kämpfen. Ein zu Wohlstand gekommenes Bürgertum, das sich Kunst leisten konnte und wollte, gab es auf der Iberischen Halbinsel kaum. Die Kluft zwischen Arm und Reich war groß im spanischen Reich. Für Künstler zählten zwei bedeutende Auftraggeber: der königliche Hof inklusive Adel und die katholische Kirche. Beide allerdings Großkunden, die anziehend wirkten.

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So kam El Greco (1541 bis 1614), geboren auf Kreta, über Italien nach Spanien, weil er gehört hatte, dass für die Ausstattung der gigantischen neuen Schloss- und Klosteranlage El Escorial bei Madrid Künstler gebraucht wurden. Allerdings fand sein "Martyrium des Heiligen Mauritius und der thebanischen Legion", ein typischer El Greco, dort keinen Gefallen. Gründe für die Ablehnung waren nicht etwa die unnatürlich lang gestreckten Figuren des Gemäldes, die gebrochene, kalte Farbigkeit oder gar die irreale Lichtführung. Nein, der Grieche hatte die Soldaten zu prominent und die Hinrichtung des Heiligen zu unbedeutend dargestellt – für ein Altarbild unakzeptabel. Ausgerechnet der spanische Klerus zeigte sich dem abgewiesenen Maler gegenüber toleranter. In Toledo, wo El Greco sich niederließ, fand er Förderer, darunter viele Kirchenvertreter, die ihm Aufträge erteilten. Es gab eine Menge zu tun, denn im Zuge der Gegenreformation wurden die Gotteshäuser des Landes neu gestaltet. Um das Volk in seinem katholischen Glauben zu stärken, brauchte es beeindruckende Werke wie die "Inmaculada Oballe" (1608/13). Das dreieinhalb Meter hohe Altargemälde, ein Spätwerk El Grecos, das bislang erst einmal Spanien verlassen hat, gehört zu den Höhepunkten der Berliner Ausstellung.

Den vollständigen Artikel zu Spaniens Goldenem Zeitalter finden Sie in der aktuellen Ausgabe von art (7/2016), gedruckt oder als E-Mag.

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