Hieronymus Bosch in Madrid

Big, Bigger, El Bosco

Wer die ausverkaufte Bosch-Ausstellung in ’s-Hertogenbosch verpasst hat, kann jetzt aufatmen: Madrid präsentiert den Meister zu seinem fünfhundertsten Todestag sogar noch umfangreicher.
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Hieronymus Bosch: "Der Garten der Lüste", Detail, um 1500

Zugegeben, der Ausstellungstitel klingt nicht gerade einfallsreich: "Bosch. Die Ausstellung zur 500-Jahr-Feier". Doch das Madrider Museo Nacional del Prado hat es einfach nicht nötig, die Massen mit einem publikumswirksameren Titel in seine Hieronymus-Bosch-Retrospektive zu locken. Voll wird es vermutlich ohnehin.

Der Grund: "Es wird die größte Schau, die es jemals über Bosch gegeben hat. Mit ihr werden wir einen großen Meilenstein setzen", kündigte prado-Direktor ­Miguel Zugaza Anfang des Jahres an. Von den rund 60 ausgestellten Werken stammen 40 Gemälde, Altarbilder und Zeichnungen vom flämischen Meister selber, dessen 500. Todestag sich 2016 jährt. Das seien knapp 75 Prozent seines Gesamtwerks, heißt es aus dem Prado. Bei den übrigen Bildern handelt es sich um Werkstatt-Arbeiten sowie um tücke von Zeitgenossen wie Alart du Hameel oder Adriaen van Wesel. Ein Teil der Exponate war zuvor schon in der Jubiläums-Eröffnungsausstellung im noordbrabants museum in ’s-Hertogenbosch zu sehen.

Der Prado übernimmt aber nicht ­einfach diese Ausstellung, die auf wichtige Leihgaben aus dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum in New York, der National Gallery in Washington zählte, sondern ergänzt sie durch eigene Bosch-Werke, die in den Niederlanden nicht zu sehen waren. Im 16. Jahrhundert gehörte Spaniens König Philipp II. zu den größten Bewunderern von "El Bosco", wie Bosch hier genannt wird. So verfügt der Prado heute mit sechs Bosch-­Gemälden über die größte Sammlung seiner Werke. Wegen Streitigkeiten mit niederländischen Experten über die Echtheit zweier Prado-Bilder liehen die Spanier dem Noordbrabants Museum in der Heimatstadt des Künstlers lediglich eine Arbeit des Meisters aus: das Triptychon Der Heuwagen.

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Eine Rekordzahl von mehr als 421 000 Menschen hat die Jubiläumsausstellung zu Hieronymus Bosch in der niederländischen Stadt 's Hertogenbosch besucht. Jetzt zieht sie weiter nach Madrid

»Die größte Schau, die es jemals über Bosch gegeben hat«

Nun kann der Prado für seine Bosch-Ausstellung aber nicht nur auf die eigene Sammlung zurückgreifen, sondern auch auf zusätzliche Leihgaben: So kommt aus dem Lissabonner Museu Nacional de Arte Antiga "Die Versuchung des Heiligen Antonius" – das Triptychon gehört zu Boschs künstlerisch wertvollsten Werken. Die Wiener Albertina schickt die Federzeichnung "Baummensch", die Londoner National Gallery trennt sich vorübergehend von der "Dornenkrönung Christi". So viele Engel, Heilige, Fabelwesen und Dämonen aus der Fantasiewelt des Hieronymus Bosch waren noch nie in einer Schau vereint. Wie prägend Bosch auch für die nachfolgende Künstlergeneration der Niederlande des 16. Jahrhunderts war, zeigt die Ausstellung "Verkehrte Welt" im Hamburger Bucerius-Kunst-Forum. Ab 4. Juni sind hier rund 90 Arbeiten von Künstlern zu sehen, die seine Bildsprache aufgriffen, ­weiterentwickelten und über Drucke verbreiteten.

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