Joaquín Sorolla in München

In den Farben des Südens

Flirrende Hitze und tanzende Wellen: Der vom Impressionismus beeinflusste Joaquín Sorolla begeisterte zu Lebzeiten sogar Claude Monet. Zeit für eine Wiederentdeckung des spanischen Malers des Lichts.

Seine Gemälde hängen im Prado, der renommiertesten Kunstsammlung Spaniens. Er gehört zu den wenigen Künstlern des Landes, denen ein eigenes Museum gewidmet wurde. Und in seiner Geburtsstadt Valencia trägt seit 2010 sogar ein Bahnhof seinen Namen: Joaquín Sorolla (1863-1923) ist eine feste Größe in der spanischen Kunstgeschichte.

Hierzulande aber kennen heute nur wenige diesen "Meister des Lichts". Eine umfangreiche Retrospektive in der Münchner Kunsthalle will nun auch das deutsche Publikum wieder für diesen hervorragenden Maler begeistern. Mit über 100 Leihgaben aus internationalen Sammlungen gibt die Ausstellung - eine Kooparation mit dem Impressionismus-Museum Giverny und dem Madrider Sorolla-Museum – einen Einblick in das Werk des Spaniers, der zu seinen Lebzeiten in seiner Heimat genauso gefeiert wurde wie in Paris, Berlin, London und selbst in New York.

Im Pariser Salon sorgte Sorolla für Furore

Eigentlich sollte Sorolla, der als Vollwaise bei seinem Onkel aufwuchs, wie dieser Schlosser lernen. Dem Direktor der Handwerkerschule in Valencia fiel sein Zeichentalent auf. Er sorgte dafür, dass der Junge die Kunstakademie der Stadt besuchen konnte. Begabt und strebsam wie Sorolla war, malte er schon bald erstaunlich gekonnt. Er reiste nach Madrid und kopierte dort die Meisterwerke seines Vorbildes Velázquez. Dank eines Stipendiums kam er nach Rom, später nach Paris, wo die gerade angesagten Impressionisten ihn faszinierten. Doch der auf Erfolg und Anerkennung bedachte Künstler startete nach seiner Rückkehr in die Heimat zunächst als Historien- und Genremaler. Seine in dunklen Farbtönen gehaltenen, vom Realismus geprägten Bilder, brachten ihm rasch Geld und Achtung ein. Das Gemälde "Die Rückkehr vom Fischfang" von 1894, das im Pariser Salon für Furore sorgte und vom französischen Staat angekauft wurde, offenbart Sorolla aber bereits als einen virtuosen Lichtmaler: zwar herrschen in großen Teilen der Szene noch dichte Brauntöne vor, doch auf dem hellen geblähten Segel schimmert golden die Abendsonne auf und silbrig-weiß glänzen Schaumkronen, wo immer die kleinen Wellen am Strand sich brechen.

01-london-garten-gartner-ausstellung-20160122
Gärten und Gärtnern begeisterten zahlreiche Künstler von Auguste Renoir bis Wassily Kandinsky. Eine Ausstellung in London zeigt jetzt die schönsten Gartenbilder der geschichte. Höhepunkt sind – natürlich – die Seerosen von Claude Monet

 Das Arbeiten im Freien begeisterte den Spanier zunehmend. Seine Palette hellte sich auf, die Farben des Südens breiteten sich auf  seinen Leinwänden aus. Die schweren Themen traten in den Hintergrund;  das Leben am Meer, das fröhliche Treiben an den Stränden fesselten den Künstler: Sonnenstrahlen, die auf dem Wasser zu tanzen scheinen; vor Hitze flirrende Luft; Lichttupfer auf der Haut badender Kinder. – Sorollas neue Bilderwelt, die selbst den großen Claude Monet beeindruckte,  ist eine sonnendurchflutete, eine Feier der Oberflächen, Stoffe und Texturen, ein Kosmos in zart Grün, Weiß-blau, hell Gelb und Orange.

05-christoffer-wilhelm-eckersberg-faszination-wirklichkeit-hamburg-20160301
Christoffer Wilhelm Eckersberg sträubt sich gegen eine eindeutige stilistische Zuordnung. Irgendwo zwischen Romantik und Klassizismus verschreibt er sich der Wirklichkeit in all ihrer Detailhaftigkeit. Die Hamburger Kunsthalle zeigt die erste europäische Retrospektive Eckersbergs außerhalb Dänemarks