Kunst und Architektur der Renaissance

Crashkurs Renaissance

Leitmotiv von Kunst und Architektur der Renaissance (französisch für Wiedergeburt) ist die Wiederentdeckung der Antike. Die Zentralperspektive revolutioniert die Malerei und der Humanismus das Menschenbild. Und in italienischen Stadtstaaten wie Rom, Venedig und dem Florenz der Medici reifen Künstler wie Michelangelo, Raffael und Leonardo da Vinci zu den ersten Superstars der Kunst. Der art-Crashkurs erklärt die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche.
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Michelangelo: "Die Erschaffung Adams", 1508-1512, Fresko in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan in Rom

Es ist nicht überliefert, ob der Architekt Filippo Brunelleschi die vergeblichen Bemühungen seiner malenden Kollegen, den dreidimensionalen Raum schlüssig auf der zweidimensionalen Leinwand dazustellen, nur spöttisch oder doch mitfühlend beobachtet hatte. Die Künstler des 14. Jahrhunderts hatten in der Malerei einiges verändert. Sie besannen sich auf die klaren reinen Formen der Antike, die naturalistischen Körperdarstellungen etwa von griechischen Bildhauern wie Phidias, Polyklet oder Praxiteles. Statt in andächtige Starre zu verfallen wurden die handelnden Figuren, die Muttergottes, das Jesuskind, die Engel, auf einmal zu lebensprallen Menschen ihrer Zeit.

Der Renaissancekünstler schlechthin: Sandro Botticelli

Da trat Brunelleschi mit seiner "Zentralperspektive" auf den Plan. Diese beruht, vereinfacht gesagt, auf einem simplen Trick: Brunelleschi ließ alle Bildinhalte von einem unsichtbaren Linienkonstrukt gebündelt an einem Fluchtpunkt im Bildhintergrund zusammenlaufen. Wenn der Betrachter auf ein zentralperspektivisch angelegtes Bild schaut, meint er, einen Raum vor sich zu haben.

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Der erste, der die Zentralperspektive erfolgreich anwandte, war Masaccio (1401 bis 1428) mit seiner grandiosen "Dreifaltigkeit", einem fast sieben Meter hohen Fresko in der Florentiner Kirche Santa Maria Novella. Masaccio verlegte die Szene in eine illusionistische Architektur, einen Triumphbogen mit weit in den Raum reichendem Gewölbe.

Masaccio war ein Vertreter der Frührenaissance (etwa 1400 bis 1490). In dieser Zeit lebte und arbeitete auch der Renaissancekünstler schlechthin, Sandro Botticelli (1445 bis 1510). In den Florentiner Uffzien ist ihm ein eigener Saal gewidmet, in dem unter anderem die berühmte "Geburt der Venus", "Der Frühling" oder die "Madonna mit dem Granatapfel" ausgestellt sind. Ebenfalls aus dieser frühen Phase: Paolo Uccello (1394 bis 1475) mit seinen wuchtigen Schlachtenbildern, der begnadete Porträtist Giovanni Bellini (1437 bis 1516) oder Andrea Mantegna (1431 bis 1506), dessen berühmtestes Gemälde den verwundeten Körper des toten Christus (um 1480, Brera Mailand) in realistischer Schärfe und kühner Untersicht zeigt.

Die »Mona Lisa« ist ein Gipfelpunkt der Hochrenaissance

Das wohl berühmteste Gemälde der Welt, die "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci (1452 bis 1519, Louvre, Paris) markiert einen Gipfelpunkt der Hochrenaissance, einer kurzen aber überaus fruchtbaren Phase (etwa 1499 bis 1539). Die "Big Four" dieser Zeit waren Michelangelo (1475 bis 1564), dessen Fresken in der Sixtinischen Kapelle des Vatikan jedes Jahr vier Millionen Besucher sehen wollen, Tizian (1488/90 bis 1576) mit seinen großartigen Porträts von Dogen, Päpsten, Kaufleuten und der wunderschönen "Flora" (Uffizien Florenz), Raffael (1483 bis 1520), dessen Hauptwerk, die "Sixtinische Madonna", in der Dresdner Gemäldegalerie hängt (siehe Bildergalerie); seine berühmten "Stanzen" (Zimmer) sind im zweiten Stock des Vatikanspalastes zu besichtigen.

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Der erste von Raffael ausgemalte Saal: die "Stanza della Segnatura", ein Meisterwerk der Hochrenaissance

Mit einem der spannendsten Kapitel der Kunstgeschichte, dem Manierismus, neigte die Renaissance sich dem Ende zu. Junge Künstler hatten um 1520 genug von der hehren Stille und Ausgewogenheit der antiken Vorbilder, wendeten sich bewusst gegen die Harmonie und den klassischen Formenkanon der Renaissance. Sie spürten eine merkwürdig Unruhe in sich, wussten aber noch nicht, sie bildnerisch zu artikulieren.

Mit dem Manierismus beginnt das Ende der Renaissance

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Da tauchten in Florenz Drucke eines Künstlers aus dem fernen Norden auf: Der Nürnberger Albrecht Dürer (1471 bis 1528), führender Maler und Kupferstecher der deutschen Renaissance, hatte in seiner Holzschnittserie "Große Passion" das Thema expressiv und dramatisch gestaltet. Seine Figuren, Jesus, die schlafenden Wächter und Apostel, haben ihre muskulösen Gliedmaßen in dramatischen Posen verdreht. Der Florentiner Jacomo da Pontormo (1494 bis 1557) setze die bei Dürer gewonnenen Erkenntnisse in den Fresken in der Kartause von Galluzzo um: Exzentrisch ließ er  die Farben aufeinanderprallen - kaltes, helles Blau, strahlendes Gelb, leuchtendes Ocker, Rot-Töne von dunklem Ochsenblut bis zu hellem Scharlach.

Es zeigte sich rasch, dass die Manieristen bei der Themenwahl keine Grenzen kannten. Pontormos Landsmann Parmigianino (1503 bis 1540) hat in seinem kurzen Leben gleich zwei exzentrische Ikonen des Manierismus hinterlassen: sein "Selbstporträt im konvexen Spiegel" (Kunsthistorisches Museum Wien) und seine "Madonna mit dem langen Hals" (1532 bis 1540, Uffizien Florenz). Die kühlen, wie emailliert wirkenden Porträts von Agnolo Bronzino (1503 bis 1572), gefielen auch Cosimo I. von Florenz: Dutzende Male hat Bronzino das herzogliche Paar und ihre acht Kinder gemalt.

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Groteske Körper und verzerrte Kompositionen – jahrhundertelang taten sich Kunsthistoriker und Publikum schwer mit der Malerei des Manierismus. Nun wagt das Frankfurter Städel eine Neubestimmung

Die zerdehnten Gliedmaßen, bleichen, hohlwangigen Gesichter von Heiligen und Priestern des in Griechenland geborenen Spaniers El Greco (um 1541 bis 1614) verstörten seine Zeitgenossen und auch noch spätere Generationen. Heute wird El Greco als Genie im Spannungsfeld zwischen Renaissance, Manierismus und beginnendem Barock gefeiert.

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Die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche im Überblick. Unser Schnellkurs zu Malerei und Architektur des Klassiszismus mit den wichtigsten Kunstwerken und Künstlern