Franz Xaver Winterhalter

Der Fürstenmaler

Die Schönen und Reichen liebten ihn für seinen Charme und seine Könnerschaft, die Presse kritisierte ihn, Künstlerkollegen beneideten ihn um seine zahlreichen Aufträge von Monarchen und Hochadel. Als einer der gefragtesten Künstler des 19. Jahrhunderts malte Franz Xaver Winterhalter, der 1805 in Menzenschwand im Schwarzwald geboren wurde, auch ungewöhnlich intime Porträts von Queen Victoria und Sisi. Dem seinerzeit berühmten badischen Hofmaler und Porträtisten des Klassizismus widmet das Freiburger Augustinermuseum eine umfassende Werkschau.
Der Fürstenmaler

Winterhalter war zeitlebens so sehr beschäftigt, dass er die Anfertigung von Kopien zu großen Teilen seinem Bruder Herrmann überließ: "Kaiserin Elisabeth", 1867, Kopie nach Franz Xaver Winterhalter

Sie gehören womöglich zu den gewagtesten Gemälden, die Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) am Ende seiner Karriere schuf: die intimen Porträts von "Sisi", der Kaiserin von Österreich. Eines davon, welches die Kaiserin in Rückenansicht mit offenem Haar zeigt, den Kopf dabei ins Profil gedreht und das luftige Morgenkleid scheinbar notdürftig mit den Händen zusammengehalten, war ausschließlich für die Augen von Kaiser Franz von Österreich bestimmt. Es hing in seinem Arbeitszimmer. Zuvor hatte dieser bereits ein Bild in Auftrag gegeben, das heute zu Winterhalters berühmtesten Werken zählt: das Gemälde der Kaiserin in einer prachtvollen weißen Ballrobe mit eingeflochtenen Brillantsternen im Haar. Es entstand nur zwei Jahre nach ihrer Trauung mit Kaiser Franz, der sich als Gegenstück zu ihrem Porträt im selben Format malen ließ.

Gerade mal knapp über 1,50 Meter groß, gutaussehend, anständig, unterhaltsam und vor allem fleißig – so beschrieben ihn seine überwiegend weiblichen Auftraggeber aus den oberen Gesellschaftsschichten. In Briefwechseln tauschten sie sich über sein Können und seine Gehaltsvorstellungen (der Künstler selbst nannte nie einen Preis) aus. Bei Winterhalter Modell zu sitzen soll demnach relativ zwanglos gewesen sein: Er benötigte – ganz im Gegenteil zu seinen Kollegen – nur zwei bis drei Sitzungen zum Erfassen der Gesichts- und Körperzüge und wusste derweil sein Gegenüber mit Anekdoten seiner zahlreichen Reisen bei Laune zu halten. Von seinen Porträts musste er oft mehrere Kopien anfertigen, denn die Begeisterung über das gelungene (und schmeichelhafte) Bild wollte mit Freunden und Verwandten geteilt werden. Handelte es sich um Staatsporträts, sollten die Repliken gleich mehrere Repräsentationsräume schmücken. Winterhalter war als einer der großen Porträtmaler des Klassizismus zeitlebens so sehr beschäftigt, dass er die Anfertigung von Kopien zu großen Teilen seinem Bruder Herrmann überließ. Umso schwieriger ist es heute, die Originale von den Kopien zu unterscheiden: Die Brüder hatten einen fast identischen Pinselstrich.

In Menzenschwand geboren kam Franz Xaver Winterhalter später mit der französischen Adelsschicht in Berührung

1805 in der kleinen Gemeinde Menzenschwand im Schwarzwald als Sohn eines einfachen Handwerkers geboren, ging Winterhalter in jungen Jahren nach Freiburg in die Lehre eines Kupferstechers, später nach München an die Königliche Akademie der Bildenden Kunst und unternahm, wie es für Künstler zu seiner Zeit üblich war, mehrere Reisen nach Italien, um dort die Alten Meister zu kopieren. Insbesondere die venezianische Schule beeinflusste seinen späteren Stil, erkennbar etwa an leuchtenden Himmelsausschnitten, die er in seine Kompositionen einbaute, oder auch am Spiel mit dem Licht, das er im Tüllstoff der Ballroben und im Porzellanteint der Dargestellten kunstvoll zum Einsatz brachte, zum Beispiel beim Bild der Kaiserin Eugénie von Frankreich aus dem Jahr 1854, das aktuell als Leihgabe des Museum of Fine Arts in Houston im Freiburger Augustinermuseum hängt. Ganz ähnliche Kompositionen und Farbgebungen findet man übrigens auch bei Jean-Auguste-Dominique Ingres, einem der wichtigsten klassizistischen Porträtmaler im Frankreich des 19. Jahrhunderts.

Der Fürstenmaler

Mit Ende 20 wurde Winterhalter zum badischen Hofmaler in Karlsruhe ernannt und – typisch für den rastlosen Künstler – packte schon kurz darauf wieder seine Koffer und zog nach Paris, weil er sich mit der französischen Lebensart (im Gegensatz zum deutschen Biedermeier) wohler fühlte. Nicht zuletzt galt die Hauptstadt an der Seine zu diesem Zeitpunkt als das Mekka der Kunst schlechthin. Mit der französischen Adelsschicht kam der Umtriebige ziemlich schnell in Berührung. Er porträtierte unter anderem König Leopold I. von Belgien und seine Frau Louise Marie, König Louis-Philippe I. und Königin Maria Amalia, Kaiser Napoleon III. und eben Kaiserin Eugénie. Um Winterhalter fest an sich zu binden, richtete letztere ihm sogar ein Atelier in den Tuillerien ein. In der Freiburger Ausstellung sind einige Gemälde dieser Zeit als Leihgaben des Palais Compiègne und des Pariser Musée d’Orsay zu sehen.

Die Porträts von Franz Xaver Winterhalter bieten intime Einblicke in das Privatleben der Königin

Die wohl beständigste Auftraggeberin war keine geringere als die englische Königin Victoria. Winterhalter malte die junge Königin erstmals 1842 in einem weißen Seidenkleid und angedeutetem Diadem im Haar. Man soll es der Königin übelgenommen haben, dass sie einen Deutschen beauftragt hatte. Für die heimischen Porträtmaler hatte sie allerdings nicht viel übrig – sie waren ihr schlichtweg zu altbacken. Neben den offiziellen Bildern ("Royal Family", 1846 oder "The First of May", 1851) sind es vor allem die privaten Porträts, die Einblick geben in das vertraute Verhältnis zwischen Künstler und Auftraggeberin.

Zu den besonderen Leihgaben aus der Royal Collection gehört in Freiburg das sehr intime Porträt der damals 24-jährigen Königin, das sie sich als Geschenk an ihren Ehemann Prinz Albert gewünscht hatte. Das Haar lose auf die nackte Schulter herabhängend, die Lippen leicht geöffnet und die Wangen rosig gefärbt, lehnt die junge Herrscherin verführerisch an einem roten Samtkissen. Die Vertraulichkeit der Bildsituation wird noch verstärkt durch das ovale Format des Porträts. Dass Königin Victoria im Laufe der Jahre ziemlich dick und unansehnlich wurde, merkt man den späteren Bildern kaum an. Kein Wunder also, dass sie Winterhalter so lange Zeit treu blieb.

Franz Xaver Winterhalter. Maler im Auftrag Ihrer Majestät

Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. März 2016 im Augustinermuseum Freiburg. Der Katalog kostet im Buchhandel 39,80 Euro (Museumspreis: 29,80 Euro) und ist bei Arnoldsche Art Publishers erschienen.