Die wahren Monuments Men

Die wahren Helden

Das Metropolitan Museum zeigt die Geschichte der Monuments Men, die auch ohne Hollywood spannend genug ist.
Besser als Kino:Die Geschichte der Kunstretter

Amerikanische GIs bergen Bilder unter dem Kommando von Captain James Rorimer

Während George Clooney versucht, den Monuments Men mit seinem nicht allzu gelungenen Heldenfilm ein Denkmal zu setzen, ist die Geschichte der wahren Kunstjäger weitaus beeindruckender. Mehr als 345 Kulturschützer aus 13 Nationen, darunter Dutzende von Frauen, waren während des Krieges und nachdem sich Deutschland geschlagen gegeben hatte, aktiv. Zwei von ihnen kamen bei ihrem Einsatz für die Kunst um ihr Leben. Insgesamt spürten die Monuments Men and Women mehr als fünf Millionen Kulturgüter auf und sorgten dafür, dass sie zurückerstattet wurden. Es handelte sich um ungewöhnliche Kriegshelden. Die meisten dienten als Freiwillige und arbeiteten in ihrem Zivilleben als Museumskuratoren, Kunsthistoriker, Lehrer, Architekten oder Archivare. Einige Mitglieder der Kulturschutz-Einheit waren am Metropolitan Museum of Art in New York tätig, das den Monuments Men aus den eigenen Rängen eine Installation widmet. Dazu gehört ein Rundgang zu elf Gemälden, die durch die Kulturschützer gerettet, ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben wurden und jetzt der Sammlung des Museums angehören.

Zu den Werken zählen Claude Monets “Parc Monceau” oder Gustav Klimts “Mäda Gertrude Primavesi” von 1912. Der berühmteste Monument Man vom Metropolitan ist Kapitänleutnant James J. Rorimer, der zuerst als Kurator und später als Direktor am Museum arbeitete. 1943 wurde auf Drängen von Museumsleuten und Archivaren die Spezialeinheit zum Erhalt kultureller Schätze gegründet. Es ging zunächst darum, das Kulturgut in Europa zu identifizieren, um es vor Angriffen der Alliierten zu schützen, Reparaturen von schützenswerten Gebäuden und Denkmälern einzuleiten und zu verfolgen, wohin die Sammlungen aus europäischen Museen, Archiven und Bibliotheken verschwanden. Denn das Kulturgut wurde während des Krieges in Minen, Salzgütern, Schlössern oder Kirchen ausgelagert. Gegen Ende des Krieges und danach waren die Monument Frauen und Männer vor allem damit beschäftigt, die von den Nazis beiseite geschaffte Raubkunst aufzuspüren und sie an Museen, Kirchen und Privatsammlungen zurückzugeben. ”Es fing damit an, dass wir Denkmäler erhalten und bessere Beziehungen fördern sollten. Wir endeten damit, Diebe und ihre Beute zu fangen”, gab Rorimer 1947 zu Protokoll. ”Ich kam am Tag der Befreiung nach Paris, und von diesem Tag an hielt ich meine Augen und Ohren offen, um zu finden, was kleine und große Diebe hatten verschwinden lassen. An jedem neuen Ort durchsuchte ich als erstes die Müllverbrennungsanlage. Häufig fanden sich dort enthüllende Aufzeichnungen.”

Die Bilder zeigen neben George Leslie Stout, dessen Rolle George Clooney in seinem Film übernimmt, vor allem zwei Frauen

Auch die Smithsonian Institution in Washington ließ sich das dank Clooney wieder hervorgekramte heldenhafte Kapitel der amerikanischen Geschichte nicht entgehen und stellte aus ihrem Archiv eine Ausstellung mit Briefen der Kulturschützer und Fotos zusammen. Die Schwarzweiß-Bilder zeigen neben dem Harvard-Konservatoren George Leslie Stout, dessen Rolle George Clooney in seinem Film übernimmt und mit dem der Hollywood-Star obendrein entfernt verwandt ist, vor allem zwei Frauen: Edith Standen, die später am Metropolitan als Kuratorin arbeitete und von 1945 bis 1947 in Wiesbaden die Restitution von tausenden von Kunstwerken und Objekten überwachte, und die Französin Rose Valland, die während des Krieges am Pariser Museum Jeu de Paume tätig war und heimlich über die Kunstschätze Buch führte, die von Hermann Wilhelm Göring und Joseph Göbbels in Frankreich gestohlen worden waren und die sie damit vor den Nazis retten konnte. Sie wird im Film von Cate Blanchett gespielt. Matt Damons Charakter basiert auf Metropolitan-Direktor James Rorimer.

Hollywoods Monuments Men ließen es nicht bei einer Hommage an die Helden des Zweiten Weltkrieges

Hollywoods Monuments Men ließen es nicht bei einer Hommage an die Helden des Zweiten Weltkrieges bleiben, sondern mischen sich auch in die aktuelle internationale Museumspolitik ein: Als Clooney und seine Stars in Berlin waren, um ihren Film zu promoten, äußerten sie sich zu der Debatte um die sogenannten Elgin Marbles. Die Bauelemente der Akropolis von Athen, darunter Skulpturenschmuck und Teile des Parthenon-Giebels, werden im British Museum in London ausgestellt. Vor 200 Jahren wurden die antiken Schmuckstücke von Lord Elgin, dem britischen Botschafter in Konstantinopel, aus dem Parthenon-Tempel entfernt und nach London verfrachtet. Als Elgin Jahre später bankrott war, verkaufte er seine Beute an die britische Regierung. Seitdem gelten sie als eine der Attraktionen des British Museum.

George Clooney gab wiederholt seine Meinung kund, dass das britische Museum die 2500 Jahre alten Schmuckstücke an Griechenland zurückgeben sollte. Unterstützung bekam er von seinem Kollegen Bill Murray. ”Es scheint ein weltweites Problem zu sein. Wem gehört diese Kunst?”, fragte Murray auf einer Pressekonferenz in London. “London ist überfüllt, und es gibt viel Platz in Griechenland. England kann in Dingen dieser Art die Führung übernehmen … indem die Kunst dorthin zurückkehrt, wo sie herkommt.”

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