Amedeo Modigliani – der Maler

Im Wohlklang der Rundungen

Ein Leben voller Liebe, Suff und romantischer Tragik – die Bundeskunsthalle zeigt Porträts und Akte des italienischen Malers Amedeo Modigliani und arbeitet heraus, was er wirklich war: ein großartiger, innovativer Maler.
Im Wohlklang der Rundungen:Amedeo Modigliani in der Bundeskunsthalle Bonn

Amedeo Modigliani: "Liegender Akt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen", 1917, Öl auf Leinwand, 60 × 92 cm

An so einem Stoff konnte das Kino nicht einfach vorbeigehen, und so wurde das Leben des Malers Amedeo Modigliani (1884 bis 1920) 2004 mit Andy Garcia in der Titelrolle zum dritten Mal verfilmt. Was bot dieses Künstlerleben doch alles: einen jungen, stets kränklichen Mann, bildschön, hochtalentiert, aber immer im Schatten des großen Picas­so.

Seine Aktgemälde wurden als obszön angesehen, die Polizei schloss seine Ausstellung. Das Leben des Italieners in Paris galt als das eines klassischen, verarm­ten Bohemiens, ein Leben voller Liebe, Suff und romantischer Tragik. Und dann, mit 35, stirbt dieses verkannte Genie an Tuberkulose, seine wunderschöne, hochschwangere Geliebte Jeanne Hébuterne stürzt sich aus dem fünften Stock zu Tode – angeblich, weil er ihr vom Sterbebett aus hatte ausrichten lassen, er wolle sie im Jenseits als Modell wiedersehen. Die Legenden um Leben und Sterben Modiglia­nis wucherten. "Ein bisschen zu viele letzte Worte für einen einzigen Mann", schrieb die Modigliani-Tochter Jeanne in ihrer Biografie des Vaters, in der sie versuchte, Legende und Wirklichkeit zu trennen.

Vor allem Frauen mit melancholischen Blick

Umso wichtiger sind Ausstellungen, die das herausarbeiten, was er wirklich war: ein großartiger, innovativer Maler, der künstlerische Strömungen von den Manieristen bis zur Kunst Afrikas und Ozea­niens aufgriff und zu einer unverwechselbaren Malerei vereinte. Eine Werkschau in der Bundeskunsthalle in Bonn will dies leisten: Modiglianis Menschenbilder – vor allem Frauen mit melancholischen Blick und zerdehnten Körpern, Akte mit langgestreckten, eleganten Rundungen – stehen im Mittelpunkt. Hier entfaltete der Künstler seine ganze Sensibilität für psychische Zustände.

Modigliani, der Picasso bewunderte, aber stets ein distanziertes Verhältnis zu ihm bewahrte, hatte nie "das Vorantreibende, das Grenzen Überschreitende" des Spaniers, so Werner Schmalen­bach in seiner Modigliani-Biografie. "Während der Zuschnitt des Gesichts bei beiden Künstlern überraschend verwandt ist, ruht sich bei Modigliani, ganz anders als bei Picas­so, der Körper im Wohlklang seiner Rundungen aus."

"Amedeo Modigliani"

Termin: 17. April bis 30. August 2009, Bundeskunsthalle Bonn. Katalog: DuMont Buchverlag, 39,95 Euro

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