Man Ray - Kopenhagen

Man Ray und die Mathematik

So haben Sie Man Ray noch nie gesehen! Eine fantastische Ausstellung in der Glyptothek Kopenhagen zeigt wenig bekannte Werke des großen Künstlers und zieht eine Verbindung zwischen Mathematik, Surrealismus und Shakespeare.
Man Ray

Man Ray, 1934

Monet, Manet, van Gogh, Ai Wei Wei, Eliasson – große Namen mögen ein großes Publikum ziehen, aber allzu oft fehlt solchen Blockbuster-Ausstellungen das Überraschungsmoment. Seerosen hier, Frühstück im Grünen dort, Sonnenblumen bei van Gogh, Sonnenblumenkerne bei Ai Wei Wei und immer wieder Nebel bei Eliasson, so könnte man sich beklagen. Wer das Werk bekannter Künstler nur ein wenig kennt, wird leider selten überrascht von dem, was die großen Schauen zu bieten haben. Herzerfrischend ist dagegen die aktuelle Man-Ray-Ausstellung in der Kopenhagener Glyptothek! Hier wird gezeigt, was die Kuratorin Lene Pedersen "den Man Ray, den wir vergessen haben" nennt.

Wer den Namen Man Ray hört, der muss sofort an die Glasperlentränen ("Tears") denken, an den nackten Rücken mit den zwei F-Löchern einer Violine ("Le Violon d'Ingres"), an die Frau mit Maske ("Noire et Blanche") – die Schwarzweiß-Motive des Amerikaners sind längst Ikonen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Und auch von diesen berühmten Motiven gibt es in der Kopenhagener Ausstellung reichlich zu sehen. Präsentiert wird aber vor allem ein Man Ray jenseits dieser schon so oft gezeigten Werke

Die mathematischen Objekte aus Man Rays Malerei werden in Vitrinen ausgestellt

Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden nämlich Arbeiten, die entstanden, als der Künstler sich im Pariser Institut Henri Poincaré mit dreidimensionalen Modellen mathematischer Gleichungen auseinandersetzte. Er ließ sich inspirieren von den Objekten, die mal Masken ähneln, mal einem ausgefallenen Jo-Jo und bei denen sich auch mathematisch Begabte durchaus fragen, wie diese überhaupt auf einer Gleichung basieren können. Man Ray fotografierte und malte diese Objekte. Aus den Verkörperungen des Rationalen werden so Versatzstücke in der Welt des Surrealismus.

Den gemalten Objekten gab Ray Titel, die von Shakespeare-Werken stammten. Aus dem mathematischen Objekt, das im Original "A cubic surface whose 27 lines are real" (zirka 1885-1900) heißt, wird "Mathematical Object" (1934-35) als Fotografie und schließlich das Ölgemälde "Othello" (1948). Der Name der Ausstellung greift diesen Prozess auf: "Man Ray – Menschliche Gleichungen. Eine Reise von der Mathematik zu Shakespeare" wurde von der Phillips Sammlung in Washington und dem Israelischen Museum in Tel Aviv, wo sie nach der Kopenhagener Station gezeigt wird, organisiert.

Ein Glücksgriff der Kuratoren war es, auch die ursprünglichen mathematischen Objekte in Vitrinen auszustellen. So zeigt sich, wie skulptural diese Wissenschaft sein kann und es fällt leicht zu verstehen, warum Man Ray von den Gegenständen so fasziniert war.

Bei Man Ray wird gezeigt, wie simple Objekte, die nicht aus der Hand des Künstlers stammen, diesem als Grundlage für seine Arbeiten dienten. So ist – ohne dass die einzelnen Schritte explizit gezeigt werden – auch das prozessuale Arbeiten Man Rays besser nachvollziehbar. Das aus dem Rationalismus der Mathematik surrealistische Kunst wird, hat seinen ganz besonderen Reiz.

Man Ray - Human Equations

Termin: bis 20. September 2015, Glyptothek Kopenhagen
http://www.glyptoteket.com/whats-on/calendar/man-ray-human-equations
info@glyptoteket.dk