Kinder erklären Kunst

Ben über Willem Claesz Hedas "Stillleben mit vergoldetem Pokal"

Ben, 7, mag Austern und weiß, wie Ritter frühstücken: mit Wein, Rum und Wutanfällen.
Ben über Willem Claesz Hedas "Stillleben mit vergoldetem Pokal"

Ben mit einer Reproduktion von Willem Claesz Hedas "Stillleben mit vergoldetem Pokal", 1635, 88 x 113 cm

Als Erstes sehe ich eine Zitrone. Die liegt am Rand und ist halb geschält. Als Zweites fällt mir der silberne Krug auf. Der glänzt voll schön, fast wie ein Spiegel. Und dann liegen da Muscheln auf einem silbernen Teller. Ich esse gerne Miesmuscheln und noch lieber Sushi! Manchmal gehen wir in so ein Restaurant, da fährt das Sushi auf einem Band im Kreis, und man kann sich einfach was davon schnappen. Das macht Spaß! Ich mag am liebsten Sushi mit Garnelen. Ich war da mal mit Papa alleine, bevor meine kleine Schwester geboren wurde. Mein allerliebstes Lieblingsessen sind Nudeln.

Unser Esstisch zu Hause sieht aber anders aus als der hier. Wir haben weiße Teller und Schalen, die immer so aussehen, als wäre da Wasser drin. Eine Tischdecke haben wir eigentlich nur, wenn Gäste kommen. Der Tisch auf dem Bild ist ein Tisch für Könige oder Ritter. Oben auf dem goldenen Krug steht ja auch ein Ritter! Wenn Ritter und Könige essen, ist das ein ganz großes Fest, das habe ich in einem Ritterbuch gesehen. Die essen nicht mal einfach so Cornflakes morgens, nein, das geht gar nicht bei Rittern.

Ben über Willem Claesz Hedas "Stillleben mit vergoldetem Pokal"

Willem Claesz Heda: "Stillleben mit vergoldetem Pokal", 1635, 88 x 113 cm

Das ist alles viel komplizierter auf so einer Burg. Ich glaube, die hatten nicht mal Kühlschränke und Herde, sondern haben in großen Eisentöpfen gekocht, die über einem Feuer hingen. Da ist das heute viel einfacher. Ritter trinken morgens schon Wein und Rum aus großen Krügen und Gläsern, die mit Edelsteinen geschmückt sind – das machen wir heute ja auch nicht mehr.

Auf einem Teller liegt ein angebissenes Brötchen, das spricht dafür, dass das ein Frühstück ist. Ich esse fast jeden Morgen Brötchen oder Brot mit Wurst und Käse. Das nehme ich auch mit zur Schule, und Tomaten, die nehme ich auch gern mit. Mich wundert, dass die Tischdecke so verrutscht ist. Vielleicht hatte da ein König einen Wutanfall und hat am Tischtuch gerissen. Könige machen so was, was man selber nicht darf.

Kinder erklären Kunst
Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.

Die Muscheln, die da liegen, sind, glaube ich, Austern. Ich habe auch schon mal Austern gegessen – mit Papa beim Tannenbaumsägen. Ich mochte die Austern sehr gern. Papa auch. Mama nicht, die hat lieber Nudeln gegessen. Die Tannenbäume haben ihr aber alle nicht gefallen. Sie ist eben sehr wählerisch – auch beim Essen.

Willem Claesz Heda

Willem Claesz Heda war ein niederländischer Maler des 17. Jahrhunderts. Neben Pieter Claesz war er der wichtigste Vertreter der "Monochromen Banketjes", der Malerei monochromer Bankettbilder, die sich auf Mahlzeitenstillleben konzentrierte. Das besondere Merkmal in Hedas Gemälden ist die Wiedergabe des Lichts, das in glatten, glänzenden Gegenständen aus Zinn, Messing oder Silber reflektiert wird.