Kinder erklären Kunst

Elisa über Hieronymus Boschs "Der Heuwagen"

Elisa, 6, weiß, wie man Streit löst: Man muss sich nur mal in den anderen hineinversetzen.
Elisa über Hieronymus Boschs "Der Heuwagen"

Elisa mit einer Reproduktion von Hieronymus Boschs "Der Heuwagen", um 1515, 135 x 100 cm

Ganz unten am Rand vom Bild steht eine Frau in einem blauen Kleid, die ein Bein ganz komisch wegstreckt. Ich glaube, die spielt Dudelsack. Neben ihr sind eins, zwei, drei, vier, fünf Frauen in langen braunen Kleidern mit schwarzen und weißen Kopftüchern. Die holen etwas aus einem großen Sack. Die dickste sitzt auf einem Stuhl und trinkt. Ich glaube, die macht eine Pause. Vielleicht ist sie die Chefin.

Elisa über Hieronymus Boschs "Der Heuwagen"

Hieronymus Bosch: "Der Heuwagen", Mitteltafel des Tryptichons, um 1515, 135 x 100 cm

Über den Frauen läuft ein Mann mit einem riesigen Fisch, dabei ist da gar kein Wasser. Oder warte mal … doch da ist Wasser, aber ganz weit weg. Vielleicht kommt der Fisch da her. Dann hat der Mann den schweren Fisch ganz schön weit geschleppt. Ich glaube, die Leute neben ihm wollen den Fisch haben. Die streiten sich. Die kämpfen sogar! Einige sind schon hingefallen.

Da sind sowieso ziemlich viele Menschen auf dem Bild. Was machen die bloß? Die drängeln ganz doll. In der Schule dürfen wir das nicht. Da müssen wir uns immer zu zweit an den Händen fassen und in einer Reihe laufen, wenn wir irgendwo hingehen. Wenn dann welche drängeln, schimpft mein Lehrer. Vielleicht gibt es da auf dem Bild einfach niemanden, der aufpasst, dass nicht gedrängelt wird. Dann gewinnen einfach die, die am meisten und am dollsten drängeln. Das finde ich ungerecht.

Vielleicht wollen die alle auf diesen gelben Berg klettern, der aussieht wie ein riesiger Käse. Das ist aber gar kein Käse, sondern ein Heuballen! Ich war schon mal auf einem Kinderbauernhof, und da war ich im Heu. Das war toll, aber auch pieksig. Das Ponyreiten hat am meisten Spaß gemacht.

Kinder erklären Kunst
Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.

Oben auf dem Heuballen sind Engel und Menschen. Ein Mensch spielt Gitarre. Vielleicht wollen die unten, dass der aufhört mit dem Gitarrespielen. Die haben sogar Waffen! Waffen sind voll schlimm.
Wenn Menschen mit Waffen streiten, ist das Krieg, und Krieg ist das Schlimmste, weil dann Menschen sterben.

Ich mag Streit überhaupt nicht. Manchmal streiten meine Freundinnen und ich, weil zum Beispiel eine nicht mitspielen soll. Aber ausschließen ist doof. Man muss immer dran denken, wie das ist, wenn man selbst das wäre – also die, die ausgeschlossen wird. Dann macht man das nämlich nicht. Dann lässt man die einfach mitspielen, und keiner muss alleine über den Schulhof laufen, und alle sind glücklich.

Hieronymus Bosch

Hieronymus Bosch (um 1450 bis 1516) war ein niederländischer Maler der Renaissance. Seine Darstellungen fantastischer, symbolträchtiger Welten mit Dämonen und Fabelwesen entziehen sich bis heute einer klaren Deutung und bleiben damit faszinierende Bilderrätsel.

Bosch zum Berauschen
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