Kinder erklären Kunst

Ida über Alice Neels "Jackie Curtis and Ritta Redd"

Ida, 5, feiert gerne Partys und weiß, dass Streifen aus allen Leuten coole Hipster machen.
Ida über Alice Neels "Jackie Curtis and Ritta Redd"

Ida mit einer Reproduktion von Alice Neels "Jackie Curtis and Ritta Redd", 1970, 152 x 107 cm

Die Frau mit den braunen Haaren hat voll schönen roten Lippenstift und voll schönen blauen Lidschatten! Und ihre Nägel sind auch voll schön lackiert in Rot. Und sie hat einen ganz tollen Ring am Finger. Ich glaube, sie hat sich extra schick gemacht – vielleicht für eine Geburtstagsparty.

Ida über Alice Neels "Jackie Curtis and Ritta Redd"

Alice Neel: "Jackie Curtis and Ritta Redd", 1970, 152 x 107 cm

Aber guck mal: Sie hat ein Loch im Strumpf! Ein voll großes Loch!! Da guckt der ganze große Zeh raus!!! So kann man aber nicht auf eine Party gehen. Ich schminke mich auch gerne. Ich habe sogar eigene Schminksachen, die nur mir gehören, obwohl sie eigentlich für Erwachsene sind.

Die Frau auf dem Bild ist auf jeden Fall erwachsen. Die ist voll alt, mindestens 34. Manchmal schminke ich mich auch mit Mamas Glitzer. Den benutzt sie nämlich nie. Eigentlich kann sie mir den mal schenken. Ich muss aber trotzdem fragen, wenn ich mich schminken will.

Da ist noch eine Frau mit blonden Haaren. Ich habe auch blonde Haare, und ich liebe Frisuren mit ganz vielen Spangen und Schleifen. Ich trage gerne Kleider – so wie heute. Ich habe ein Prinzessinnenkleid, das ziehe ich manchmal in der Kita an. Die blonde Frau hat einen coolen Streifenpulli und coole Schuhe mit Schnallen.

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Johann Dulguun, 6, schnitzt gerne und mag es Streiche zu spielen. Außerdem kann er Mongolisch sprechen

Ich finde, die zwei könnten ein bisschen mehr lachen. Die gucken viel zu traurig. Vielleicht sind sie müde. Vielleicht ist die Party schon zu Ende, und sie sind müde, weil sie getanzt haben. Wir haben heute in der Kita auch getanzt – den Popotanz. Da muss man mit dem Poschi wackeln und beim Springen Fratzen machen. Das macht voll Spaß und ist voll anstrengend. Ich tanze aber auch gerne anders, Ballett zum Beispiel.

Kinder erklären Kunst
Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.

Die zwei Frauen sind Freundinnen. Das sieht man daran, dass sie beide Streifen-Sachen anhaben. Das machen Freundinnen nämlich so, dass sie gleiche Sachen anziehen. Ich habe auch eine Freundin, die heißt Selma, und meine anderen Freunde heißen Bruno und Clara. In der Kita spielen wir Verkleiden im Theaterraum, dann spielen wir, dass wir eine Party feiern. Streifen-Sachen gibt es im Theaterraum aber leider nicht. Dafür habe ich aber viele Streifen-Sachen zu Hause und meine Mama auch. Alle, die Streifen-Sachen tragen, sind sowieso voll cool, noch cooler als Glitzer. Dann ist es auch egal, wie alt man ist.

Alice Neel

Alice Neel gilt neben namhaften Persönlichkeiten wie Grant Wood als Vertreterin des amerikanischen Realismus. Ohnehin als Frau benachteiligt, finanzierte sich die 1900 geborene Künstlerin ihre Ausbildung aus Ersparnissen und hinterließ im Genre der Porträtmalerei tiefe Fußspuren. Ihre Bilder bezeichnete sie zurückhaltend als "pictures of people". Dass es sich dabei um ein Understatement handelt, wird bei Betrachtung ihrer Werke sehr schnell klar: Denn nicht der naturgetreuen Nachahmung von Proportionen, sondern der künstlerischen Analyse von Individuen misst die Amerikanerin einen hohen Stellenwert zu.

art - Das Kunstmagazin
Sie sah alle möglichen Kunstrichtungen, ob Abstrakten Expressionismus, Konzeptkunst oder Pop Art, an sich vorbeiziehen – und zeigte sich wenig beeindruckt. Stattdessen entwickelte Alice Neel ihren eigenen Stil