Kinder erklären Kunst

Max über Max Liebermanns "Der Papageienmann"

Max, 5, weiß, wie man Papageien fängt und dass Jäger ihre Beute schlachten.
Max über Max Liebermanns  "Der Papageienmann"

Max mit einer Reproduktion von Max Liebermanns "Der Papageienmann", 1902, 102 x 72 cm

Ganz im Vordergrund flattern zwei rote Papageien herum. Ich glaube, sie unterhalten sich miteinander. Oben in der Ecke hängt ein gelber Papagei verkehrt herum an einer Stange. Auf der Mütze des Mannes ist noch ein Papagei, aber der ist sehr klein, und ich erkenne ihn nicht so gut.

Der Mann ist ein Jäger. Er versucht, die Papageien zu fangen. Ich glaube, dass sie sich verirrt haben, denn eigentlich leben sie im Dschungel, und das hier, das ist ein Park. Wahrscheinlich mussten sie aus dem Dschungel flüchten, weil da viele wilde Tiere leben – Tiger und Bären zum Beispiel –, die eine Gefahr sind für alle anderen Tiere, die nicht so gefährlich sind – wie Papageien zum Beispiel. Das Doofe ist nur, dass die Papageien in dem Park immer noch in Gefahr sind.

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Da sind zwar keine wilden Tiere, aber dafür ist da der Jäger, der sie fangen will. Wenn der Jäger mich fragen würde, könnte ich ihm erzählen, wie man Papageien fängt! Man muss sich ganz leise anschleichen, dann muss man warten und im richtigen Moment blitzschnell einen Kescher über sie stülpen.

Wenn man ein echter Jäger ist, schlachtet man die Vögel – so würde ich das auch machen. Wenn der Jäger auf dem Bild die Papageien nicht selbst schlachten will, wird er sie wahrscheinlich verkaufen an Leute, die das dann machen. Anschließend essen die Leute die Papageien. So macht man das, wenn man Jagdbeute hat.

Max über Max Liebermanns  "Der Papageienmann"

Max Liebermann: "Der Papageienmann", 1902, Öl auf Leinwand, 102,3 x 72,3 cm

Aber die Papageien sind noch nicht gefangen – vielleicht können sie sich noch befreien! Die zwei roten Papageien zwicken den Mann in die Beine, der gelbe schlägt ihn mit seinen Flügeln, und der kleine rote versucht, ihm die Mütze zu klauen. Die Leute im Hintergrund bekommen gar nichts von dem Kampf mit. Da ist eine Frau, die hält einen weißen Lappen in der Hand. Vielleicht will sie etwas sauber machen.

Ich wohne ganz in der Nähe von einem Zoo, und da sind auch Leute, die sauber machen – die Gehege zum Beispiel. Zu den Papageien ist der Weg aber sehr weit. So lange mag ich nicht laufen. Am liebsten gehe ich sowieso auf den Spielplatz. Ich wünsche mir ganz doll eine Katze als Haustier, aber das geht nicht, denn mein Papa hat eine Allergie. Nicht gegen die Haare, sondern gegen den Speichel, aber weil Katzen sich den ganzen Tag das Fell lecken, sind die Haare ja voller Katzenspeichel.

Max Liebermann

Max Liebermann (1847-1935) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus. Das Schaffen des Malers und Grafikers markiert den Übergang von der Kunst des 19. Jahrhunderts hin zur Klassischen Moderne.

Nach einer Ausbildung an der Weimarer Kunstschule und Aufenthalten in Paris und den Niederlanden schuf Liebermann zunächst naturalistische Werke mit sozialer Thematik. Wegen seiner einfachen, wirklichkeitsnahen Motive wurde er oft als “Schmutzmaler“ beschimpft. Durch die Beschäftigung mit den französischen Impressionisten fand er schließlich zu der lichtstarken, schwungvollen und farbintensiven Bildsprache, die sein Hauptwerk ausmacht.

Nach der Jahrhundertwende stieg der Mitbegründer der Berliner Secession zum gefragten Porträtisten der Berliner Gesellschaft auf.

 

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