Kinder erklären Kunst

Toke über Max Beckmanns "Der kleine Fisch"

Toke, 5, könnte sich bei diesem Anblick glatt dazu durchringen, einen Badeanzug zu tragen. Fisch zu essen kommt für ihn dagegen nicht in Frage.
Toke über Max Beckmanns "Der kleine Fisch"

Toke mit einer Reproduktion von Max Beckmanns "Der kleine Fisch" (Der kleine Wels), 1933, 135 x 115 cm

Bäh, ich mag keinen Fisch! Die drei da auf dem Bild haben einen Fisch gefangen und wollen ihn gleich essen. Igittigittigitt, wie eklig! Wenn es in der Kita Fisch zum Mittagessen gibt, esse ich lieber den ganzen Tag lang gar nichts, bevor ich auch nur einen Bissen Fisch esse. Da ist mir der Hunger auch egal – Fisch rühre ich nicht an. Viel lieber esse ich Haribo-Naschzeug oder Nudeln mit Butter und Apfelmus. Das ist Mamas Lieblingsessen. Manchmal kocht sie das nur für uns beide.

Die drei Leute da auf dem Bild sind irgendwo an einem Strand. Ich frage mich, warum die Frauen sich umarmen – vielleicht sind das Schwestern. Ich war schon oft am Strand, zum Beispiel auf Mallorca. Da gehe ich gern schwimmen, da ist es nämlich warm, und die Sonne scheint, und ich kann den ganzen Tag lang im Sand spielen. Dann buddele ich ganz tiefe Löcher – so tief, dass man kaum den Boden sehen kann.

Wirklich! Oder ich baue Ritterburgen, die von der Flut bedroht werden. Das macht voll Spaß! Die Frauen auf dem Bild kommen wohl gerade aus dem Wasser, weil sie noch ihre Handtücher umgebunden haben. Der Mann hat sein Handtuch um den Hals gewickelt. Vielleicht ist er schon trocken. Er hat einen komischen Badeanzug an. Mein Papa trägt keine Badeanzüge – das macht bei uns nur Mama. Vielleicht wurde die eine Frau auf dem Bild von einem Fisch gebissen, denn sie hat einen Verband um den Kopf. Aber vielleicht ist das auch ein Handtuch.

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Helena, 7, fragt sich, warum der Maler auf dem Bild sie mustert und findet modische Gemeinsamkeiten mit der spanischen Königstochter

Mama wickelt sich auch manchmal Handtücher um den Kopf. Aber eigentlich sieht der Badeanzug von dem Mann ganz gut aus. Ich mag die schwarzen und blauen Streifen. Vielleicht würde ich den auch anziehen. Zumindest schützt der gut vor Sonnenbrand. Da muss man aufpassen!

Manchmal gehen wir auch ins Schwimmbad. Da bekommt man keinen Sonnenbrand, weil das drinnen ist. Da gehe ich dann ins Nichtschwimmerbecken, in das, in dem die großen bösen Dinosaurier sind, die die Menschen mit Wasser bespucken.

Max Beckmann

Max Beckmann (1884 - 1950) war ein deutscher Maler, Grafiker, Bildhauer und Autor. Viele seiner Bilder zeigen gedrängte Kompositionen mit zum Teil grotesken Gestalten, Gegenständen und Tieren, wie vor allem dem Fisch. Es sind Bildelemente voller Symbolik, die bis heute als nicht vollständig entschlüsselbar gelten. Die Szenen, die seine Werke zeigen, sind geprägt von politischen Ereignissen und Zeitgeschehen, aber auch von autobiografischen Erlebnissen, wie den schockierenden Geschehnissen im ersten Weltkrieg während seiner Zeit als Sanitäter.

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Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.