Kinder erklären Kunst

Janos über Basquiats »Dustheads«

Janos, 4, über liebe und böse Monster, wo sie sich verstecken und wie man sie zu Freunden macht.
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Janos, 4, mit Jean-Michel Basquiat "Dustheads", 1982, 183 x 213 cm

Monster mag ich nicht. Auf dem Bild sind aber leider zwei Stück. Wenigstens sind sie bunt: orange, gelb, blau, rot und grün. Deshalb sehen sie nicht so gefährlich aus. Ich kenne ein Monster ziemlich gut, denn es wohnt in meinem Zimmer. Es ist ein böser Esel, aber den kann ich mit meiner Taschenlampe kaputt machen, wenn er nachts als Schatten durch meine Gardine kommt. Wenn ich eine Taschenlampe habe, bin ich sicher, dann brauche ich gar keine Angst zu haben. Es ist ein bisschen doof, dass das Monster in meinem Zimmer ein Esel ist, denn eigentlich mag ich Esel in echt. Esel und Schäfchen sind meine Lieblingstiere. Nur malen kann ich die nicht so gut. Ich kann besser Enten und Gänse malen. Vögel zu malen ist ganz einfach!

Wenn ich mir die Monster da auf dem Bild so ansehe, denke ich, dass es vielleicht ja gar keine bösen Monster sind, sondern liebe Monster, denn solche gibt es auch. Die zwei Monster sind vielleicht ja sogar beste Freunde. Sie spielen gern Verstecken, und manchmal müssen sie sich vor einem bösen Löwen verstecken, der sie fressen will. Dann klettern sie auf einen hohen Baum, auf den der Löwe nicht raufkommt. In dem Baum ist eine Tür, die sie jedes Mal suchen müssen, denn es ist ein Zauberbaum. Eigentlich passen nur Vögel und Eichhörnchen durch diese Tür, aber wenn die zwei Monsterfreunde in Gefahr sind, dürfen sie auch rein.

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Jean-Michel Basquiat "Dustheads", 1982, 183 x 213 cm

Im Baum sind sie sicher, wenn der Löwe mit seinem riesigen Maul unten steht und vor Hunger brüllt. So einen Zauberbaum gibt es wirklich. Er steht bei meinen Großeltern im Garten. Meine Großeltern wohnen in der Schweiz, und da ist es ganz toll! Da mache ich sehr gern Urlaub, denn da ist es oft viel wärmer als zu Hause, und es gibt diesen tollen Garten, und man kann im See schwimmen. Wir sind so oft da, dass ich da auch richtig gute Freunde habe: Arthur und Marie-Lou. Mit denen spiele ich gern Fußball.

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Hanna, 5, spielt Fußball und weiß, dass nachts alle Farben dunkler aussehen als am Tag

Vielleicht spielen die Monster auf dem Bild ja auch gern Fußball. Wenn sie mal wieder aus dem Zauberbaum rauskommen, verjage ich den Löwen und lasse die beiden mitspielen. Und wenn man zwei Monster als Freunde hat, muss man sich gar nicht mehr vor anderen Monstern fürchten

Jean-Michel Basquiat: "Dustheads"

Jean-Michel Basquiat (1960-1988) begann Ende der siebziger Jahre mit Graffiti-Malerei. Keith Haring und später auch Andy Warhol wurden auf seine Arbeit aufmerksam. Warhol wurde zum intensiven Förderer. Basquiat dessen Familie aus Puerto Rico stammt, gilt als erster afroamerikanischer Künstler, dem der Durchbruch in der Kusntwelt gelang. Schon mit 21 Jahren wurde er zur Documenta nach Kassel eingeladen. Er gilt damit bis heute als jüngster Teilnehmer einer Documenta. Basquiat lebte in New York, Los Angeles und auf Haiti. Er starb an einer Überdosis Heroin. Seine expressiven Bilder vereinen Elemente des Graffiti und afrikanischer Kunst und thematisieren Rassismus, Gewalt, Drogen und soziale Misstände. "Dustheads" wurde 2013 für fast 50 Millionen US-Dollar bei Christie's versteigert.

gustav-bocklin
Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.