Kinder erklären Kunst

Emil über Caillebottes »Parkettschleifer«

Beim Hausbau muss man jede Menge trinken, ist doch klar. Aber ob Bier da richtig ist, das findet Emil (6) eher fragwürdig. Unser Kunstexperte weiß, wann man schwitzt und dass es nicht so einfach ist, reich zu werden.
Emil über Caillebottes »Parkettschleifer«

Emil mit einer Reproduktion von Gustave Caillebotte: "Die Parkettschleifer", 1875

Da arbeiten drei Männer. Ich glaube, sie bauen ein Haus. Sie arbeiten mit Holz. Das kann man bei mir in der Kita auch. Da gibt es sogar eine extra Holzwerkstatt. Auf dem Boden liegt ein Hammer – wahrscheinlich, weil er gleich wieder benutzt wird. Wenn man Sachen noch benutzt, braucht man sie nicht wegzuräumen. Das muss man erst, wenn man fertig ist. Aber es sieht nicht so aus, als ob die drei Männer schon fertig wären. Die haben noch ganz schön viel zu tun!

An der Seite steht eine Flasche. Ich glaube, da ist Bier drin. Wenn man ein Haus baut, muss man viel trinken. Ich weiß nur nicht, ob Bier so gut ist. Kann sein, dass da Alkohol drin ist. Wasser oder Apfelschorle wären gesünder. Oder vielleicht noch Kaffee, aber den gibt es – glaube ich – nicht in solchen Flaschen. Aber eigentlich ist Kaffee auch nicht so gesund.

Emil über Caillebottes »Parkettschleifer«

Gustave Caillebotte: "Die Parkettschleifer", 1875

Die Männer sind alle halb Nackedei. Wahrscheinlich haben sie ihre Hemden ausgezogen, weil sie schwitzen. Ich schwitze auch manchmal, wenn ich tobe oder Fußball spiele. Die schwitzen, weil das Abschrappen vom Holz so anstrengend ist. Vielleicht war der Boden so doll schmutzig, dass Wischen allein zum Saubermachen nicht gereicht hat. Meine Mama findet es nicht so lustig, wenn ich mit dreckigen Draußenschuhen in die Wohnung laufe.

Karl über Rubens "Tiger- und Leopardenjagd"
Mensch gegen Tier - der Tiger kann sich zum Glück wehren, die Pferde tun Karl (6) einfach nur Leid. Unser Kunstexperte wäre gern Vegetarier – aber leider ist das nicht so einfach, wenn man Würstchen liebt

Durch das Balkonfenster kommt Licht in das Zimmer. Deswegen kann ich sehen, dass draußen Tag ist. Wir haben auch einen Balkon. Auf dem stehen Pflanzen, die man immer gießen muss. Das darf man nicht vergessen, denn sonst gehen die Pflanzen ein. Ich glaube, das heißt, dass sie dann sterben, weil sie nicht genug zum Trinken hatten. Auch Pflanzen müssen trinken – nicht nur Menschen. Manchmal spiele ich auf dem Balkon, und dann fallen auch mal Sachen runter. Das ist doof, weil der Weg in den Hof weit ist.

Bei uns sieht es aber anders aus als in diesem Haus. Unsere Wände in der Wohnung sind weiß. Eigentlich finde ich die hellblauen Wände mit den goldenen Rechtecken auf dem Bild ganz gut. Ich glaube, dass in dem Haus reiche Leute wohnen, denn nur reiche Leute haben Gold an den Wänden. Ich möchte auch mal reich werden, aber im Moment ist mein Portemonnaie dafür noch zu klein.

Gustave Caillebotte: "Die Parkettschleifer", 1875

Gustave Caillebotte, ein wohlhabender Bourgeois, war Maler des französischen Impressionismus und Kunstsammler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeiten lange vernachlässigt wurden. Er war bekannt für seinen fotografischen Blick und verkehrte mit Künstlern wie Edgar Degas und Claude Monet in Paris. In seinen Bildern spiegelt sich das Leben der gutbürgerlichen Pariser Wohnviertel oder im Sommer auf dem Land wider.

"Die Parkettschleifer" zeichnet sich durch seinen Realismus aus und gehörte zu den ersten Darstellungen des städtischen Proletariats. Bauern oder Landarbeiter wurden zwar häufig gezeigt, doch die Arbeiter aus der Stadt dienten nur sehr selten als Motiv. Das Werk entbehrt jeglicher gesellschaftlicher, moralisierender oder politischer Kritik und ist von dokumentarischem Wert. Das Gemälde hängt heute im Musée d'Orsay in Paris.

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Die ganz Kleinen interpretieren die ganz großen Klassiker der Kunstgeschichte ... und die Kinder sind immer für eine Überraschung gut.