Kinder erklären Kunst

Karl über Rubens "Tiger- und Leopardenjagd"

Mensch gegen Tier: der Tiger kann sich zum Glück wehren, die Pferde tun Karl (6) einfach nur Leid. Unser Kunstexperte ist gegen Tierquälerei und wäre gern Vegetarier – aber leider ist das nicht so einfach, wenn man Würstchen und Frikadellen liebt
Karl über Rubens "Tiger- und Leopardenjagd"

Karl mit einer Reproduktion von Peter Paul Rubens: "Tiger- und Leopardenjagd", um 1615

Am schlimmsten finde ich, dass dieser nackte Mann in der Mitte dem Löwen das Maul ganz weit aufreißt, um ihn zu töten. Ein anderer nackter Mann hält den Löwen an der Tatze fest, sodass er sich gar nicht mehr wehren kann. Zwei gegen einen ist unfair. Der Leopard unten rechts in der Ecke ist schon tot. Er wurde mit einem Pfeil und mit einem Speer abgeschossen.

Zum Glück kann sich wenigstens der Tiger wehren: Er beißt einem Mann so doll in die Schulter, dass der nicht mehr sein Pferd lenken kann. Ich bin auf der Seite der Tiere, denn die darf man auf gar keinen Fall quälen oder töten! Die Pferde tun mir leid, weil sie auch auf der Seite der Tiere sind, aber für die Menschen kämpfen müssen. Ich glaube, dass die Pferde am liebsten den Löwen und den Tiger retten würden. Die Männer wollen bestimmt das Fleisch der Tiere essen und das Raubkatzenfell behalten.

Lilith über Paul Gauguins "Barbarische Erzählungen"
Im Wald nur mit Unterhose zu sitzen, findet Lilith (6) äußerst komisch. Unsere Kunstexpertin kennt die Dresscodes zu Land und zu Wasser nämlich ganz genau. Die jungen Damen warnt sie außerdem vor dem bösen Mann – denn der sieht nicht so aus, als würde er gerne baden gehen

Meine Mama sagt immer, wir sollten mal wirklich ernsthaft versuchen, Vegetarier zu werden, aber wir schaffen das leider nicht. Doof wäre, dass wir dann nicht mehr grillen könnten. Ich habe zwei Brüder, und wir alle essen gern Würstchen und Frikadellen. So was ist ja auch Fleisch – und das wäre dann verboten.

Karl über Rubens "Tiger- und Leopardenjagd"

Peter Paul Rubens: "Tiger- und Leopardenjagd", um 1615

Die Männer sind Soldaten oder Ritter – also zumindest die mit der Ritterrüstung. Dann ist da noch einer im roten Bademantel mit einem weißen Handtuch auf dem Kopf. Das finde ich merkwürdig, denn eigentlich geht man ja nicht direkt zur Jagd, wenn man sich noch nicht mal richtig abgetrocknet hat. Vielleicht hatte er es eilig, weil er verschlafen hat.

Meine Lieblingstiere sind Pinguine. Die schlittern auf dem Bauch übers Eis. Ich schlittere im Winter auch gern! Dann leg ich mir etwas unter den Bauch – eine Tüte oder eine Palette – und dann rase ich los! Ich hätte gern ein Tier, aber ich habe nur Urzeitkrebse – die habe ich zum Geburtstag bekommen. Die sind ziemlich klein und schwimmen einfach nur so rum, mehr machen die nicht. Was auf dem Bild fehlt, sind die Aasgeier. Wenn irgendwo in Afrika Tiere sterben, dann kommen die nämlich und essen die toten Tiere auf. Das ist in jedem Fall besser, als wenn diese Männer die Tiere essen, denn das ist die Natur.

Peter Paul Rubens: "Tiger- und Leopardenjagd", um 1615

Peter Paul Rubens war der wohl bedeutendste Maler des flämischen Barock und bereits zu Lebzeiten ein unerreichbarer Gigant. Seine Werke waren geprägt von Licht und Farbe, mit seiner dramatischen und allegorischen Bildsprache galt Rubens für den Großteil seines Lebens als beliebter Hof- und Kirchenmaler in Europa, der die Kunstwelt auf Jahrhunderte beeinflusste. Neben zahlreichen religiösen Kompositionen zählten ab den 1610er Jahren auch Jagdszenen zu seinem Repertoire, die er unter anderem mit anmutig und gewalttätig beschrieb.

Mit der Darstellung des Kampfes zwischen Mensch und Tier führt Rubens Hierarchien der barocken Gesellschaft vor, später wurden seine Jagdszenen auch als Symbole des Krieges verstanden. Neben den brutalen Szenen ging es Rubens aber intensiv um den Umgang mit Farbe und einen bildimmanenten Ausgleich, sodass sich beispielweise rot und blau gegenüberstehen.