Kinder erklären Kunst

Nana über Bruegels "Turmbau zu Babel"

Bei diesem Bauwerk fehlt aber noch so einiges. Das findet Nana (6), die sich mit Schlössern selbstverständlich besonders auskennt. Unsere kleine Kunstexpertin weiß selbst, dass Reichtum nicht selbstverständlich ist – außer man gewinnt Geld im Fernsehen.
Nana über Bruegels "Turmbau zu Babel"

Nana (6) mit einer Reproduktion von "Großer Turmbau zu Babel", Pieter Bruegel der Ältere, 1563

Ganz viele kleine Menschen sehe ich da und einen ganz großen Turm. Ich glaube, der Turm ist noch nicht fertig, denn da fehlen noch ein paar Wände – besonders an der Spitze. In solchen Türmen wohnen Könige und Königinnen. Ich war schon mal in einem echten Schloss. Das habe ich mir mit meinen Großeltern angeschaut. Die wohnen in Altdöbern – aber nicht in dem Schloss, sondern in einer Wohnung. In dem Schloss wohnen schon ganz lange keine Könige mehr. Früher, als meine Mama klein war, war in dem Schloss ihr Kindergarten. Da durfte sie jeden Tag in das Schloss. Heute ist das Schloss nur noch ein Museum.

Hinter dem Turm auf dem Bild ist eine Stadt mit sehr, sehr vielen Häusern. Ich war schon in zwei sehr großen Städten: in Tokio und in Berlin. Durch Berlin sind wir aber nur mit dem Auto durchgefahren. In Tokio sieht alles ganz anders aus als in Deutschland. Da lebt die echte Hello Kitty! Die habe ich besucht im Hello-Kitty-Land. Da kann man den ganzen Tag Popcorn essen und Karussell fahren.

Nana über Bruegels "Turmbau zu Babel"

Pieter Bruegel der Ältere: "Turmbau zu Babel", 1563, 114 x 155 cm

Oh, ich glaube, ich habe gerade den König entdeckt! Er ist ganz unten in der Ecke mit seinen Dienern. Da sind auch ganz viele Leute, die große Steine umdrehen. Vielleicht suchen sie einen Schatz – denn Könige haben immer eine ganze Schatzkammer voller Gold und Diamanten. Die Könige suchen die Schätze aber nicht selbst, dafür haben sie ihre Diener und Soldaten. Sie müssen vorsichtig sein, denn unten am Wasser sind Piratenschiffe! Die Piraten wollen den Schatz klauen. Das machen Piraten so. Die arbeiten nicht, die klauen nur. Ganz schön böse, finde ich. Aber der König hat Kanonen auf seinem Turm stehen, mit denen er auf die bösen Piraten schießen kann. Wahrscheinlich ist die Schatzkammer des Königs im Turm versteckt – ganz innen drin in der Mitte.

Henrietta über Frida Kahlos »Selbstporträt«
Zoowärterin oder doch Urwald-Zauberin? Henrietta (5) macht sich Gedanken über eine Frau zwischen lauter Affen. Schön hat sie sich auf jeden Fall gemacht und wenn es nach unserer kleinen Kunstexpertin ginge, hieße sie Maharadschina

Da kommt man nur durch einen Geheimgang hin, und den kennen nur der König und die Königin und die Prinzen und Prinzessinnen. Wenn ich eine Prinzessin mit einer Schatzkammer wäre, würde ich mir mein eigenes Hello-Kitty-Land bauen und den ganzen Tag Karussell fahren und Popcorn essen. Aber leider ist es in unserem Land sehr schwer, richtig viel Geld zu bekommen. Könige gibt es ja nicht in echt bei uns. Eigentlich kann man richtig viel Geld nur im Fernsehen gewinnen – und wie man dahin kommt, weiß ich leider nicht.

 

Pieter Bruegel der Ältere: "Großer Turmbau zu Babel", 1563

Pieter Bruegel der Ältere war ein berühmter Maler der niederländischen Renaissance und Begründer des Bauerngenres in den Niederlanden und Flandern.

Der Turm von Babel tritt in der Kunstgeschichte immer wieder auf. Er wird als Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Irdischen und der Vergeblichkeit alles Menschenstrebens interpretiert. Ob spiralförmig oder als Stufenturm von Bruegel dargestellt, betonen die Bilder die Ausmaße des Bauwerkes und die verwendete Bautechnik.

Tatsächlich ist "Großer Turmbau zu Babel", 1563, von Pieter Bruegel dem Älteren eine der bekanntesten Darstellungen des Themas. Das Gemälde befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien.