Kinder erklären Kunst

Henrietta über Frida Kahlos »Selbstporträt«

Zoowärterin oder doch Urwald-Zauberin? Henrietta (5) macht sich Gedanken über eine Frau zwischen lauter Affen. Schön hat sie sich auf jeden Fall gemacht und wenn es nach unserer kleinen Kunstexpertin ginge, hieße sie Maharadschina.
Henrietta über Frida Kahlos »Selbstporträt«

Henrietta mit einer Reproduktion von Frida Kahlos "Selbstporträt", 1943

Da steht eine Frau vor einem Baum zwischen … eins, zwei, drei, vier … Affen. Es sind ganz liebe Affen, die nicht beißen, den einen hat sie sogar auf dem Arm, und er legt ihr sein Ärmchen um den Hals. Ein anderer Affe ist auf ihren Rücken geklettert und hält sich an ihrer Bluse fest. Ich glaube, dass diese beiden Affen die Frau beschützen wollen.

Im Baum hinter der Frau sitzen noch zwei Affen. Einer macht den Mund ganz spitz. Wahrscheinlich pfeift er ein Lied. Ich würde auch gern pfeifen können, aber es klappt einfach nicht, obwohl ich ganz viel übe. Die Frau sieht sehr schön aus. Sie hat sich die Lippen rot gemacht und die Haare toll geflochten. Meine Mama flechtet sich auch immer die Haare – entweder zu einer Schildkröte mitten auf dem Kopf oder zu zwei Schnecken an den Seiten. Ich glaube, dass die Frau sich für die Affen so hübsch gemacht hat, denn sonst ist da ja niemand.

Auf ihrer Bluse ist ein Ring mit Strahlen, ein Sonnenring. Aber richtig fröhlich sieht die Frau nicht aus. Bestimmt ist sie müde, weil sie mit den Affen getobt hat. Ich glaube, dass die Frau und die Affen ganz weit weg wohnen, denn solche Bäume habe ich noch nie hier gesehen. Vielleicht leben die Frau und die Affen in Afrika oder in Indien. Vielleicht ist die Frau eine Zoowärterin und kümmert sich den ganzen Tag um die Affen. Aber da ist gar kein Zaun. Vielleicht ist das der Urwald! Und die Frau ist eine Urwald-Zauberin. Ja, sie ist eine Zauberin! Sie heißt Maharadschina und wohnt in einem wunderschönen Palast mit ganz, ganz vielen Tieren: Löwen, Tiger, Giraffen und Nashörner.

Mathilda über Picassos »Les Demoiselles d'Avignon«
Nackte eckige Menschen, unterschiedlich große Augen und Nasen – da stimmt doch was nicht. Malen kann der Künstler des Bildes auf jeden Fall nicht, findet Mathilda (6). Wird ja auch nicht jeder als Picasso geboren ...

Hinter ihr im Baum steckt eine Zauberblume, mit der sie alles zaubern kann, was sie will: Affenfutter oder Frösche, damit die Affen satt werden und jemanden zum Spielen haben. Wenn ich so eine Zauberblume hätte, würde ich mir die ganze Welt aus Süßigkeiten zaubern – mit Bäumen aus Schokoladeneis und Blättern aus Naschgummi. Und Blumen aus Zuckerguss und Wolken aus Sahne und einer Sonne aus Grießbrei mit goldenen Karamellstrahlen. Dann wäre ich die Prinzessin in einem Schloss aus Bonbons, und mein Bett wäre aus Erdbeerkuchen mit einer ganz weichen Decke aus Zuckerwatte. Mmhhh, das wäre lecker!

Frida Kahlo: "Selbstporträt", 1943

Frida Kahlo, geboren 1907 in Mexiko-Stadt, gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Von vielen wird sie als Surrealistin gesehen, sie habe aber lediglich ihre eigene Wirklichkeit gemalt, sagte die mexikanische Malerin einmal. Kahlo erzählt in ihren Bildern immer von sich selbst und nutzt die Malerei zur Verarbeitung ihres bewegten Lebens: Krankheiten, ein schwerer Busunfall und die turbulente Partnerschaft mit Diego Riviera, dessen Untreue und Affären.

Zwei Drittel von Frida Kahlos Werk besteht aus Selbstporträts, in denen ab 1940 vermehrt Tiere auftreten. Affen tauchen sieben Mal auf und sollten Kahlos seelische Zustände verkörpern. Sie stehen entweder für die Einsamkeit der Künstlerin oder stellen ihr zweites Ich dar. Das "Selbstporträt" von 1943 gehört heute zur Sammlung von Jacques und Natasha Gelman. 

Frida Kahlo auf einem Foto von Guillermo Kahlo
Übersicht zu allen Artikeln und aktuellen Ausstellungen mit Frida Kahlo