Kinder erklären Kunst

Bodhi über »Die Eltern des Künstlers« von Otto Dix

Bodhi, 6, hat eine beste Freundin, eine Naschhöhle und ein gutes Auge für Sofas. Mit Omis und Opis kennt er sich sowieso aus. Für art-Leser erklärt er exklusiv das Bild »Die Eltern des Künstlers« von Otto Dix.
Bodhi über »Die Eltern des Künstlers« von Otto Dix

Bodhi, 6, mit einer Reproduktion von Otto Dix': "Die Eltern des Künstlers II", 1924, 118 x 131

Auf dem Bild sind eine Oma und ein Opa. Mein Opa in Deutschland macht immer ganz viel Quatsch mit mir! Das finde ich lustig. Meine amerikanischen Großeltern sehe ich meistens im Computer. Wir waren auch schon mal da, aber daran erinnere ich mich nicht so gut. Bei meinen deutschen Großeltern übernachte ich auch. Das trau ich mich schon! Die sehen aber anders aus als die beiden Leute auf dem Bild. Zum Beispiel tragen sie andere Kleider. Meine Omas tragen keine Röcke, die tragen lieber Hosen – so wie ich. Dafür trägt meine beste Freundin fast immer Kleider. Darin tobt und klettert sie auch! Ich kann sehr gut klettern – rauf und auch wieder runter. Runter ist schwieriger als rauf, weil man nicht genau sieht, wo man hintritt.

Gustav über »Die Toteninsel«
Das Tote Meer und Einsamkeit sind nichts für den sechsjährigen Gustav. Angst vor Gespenstern hat er aber keine, denn das sind ja auch nur Menschen. Eine erfrischende Bildinterpretation von Arnold Böcklins "Toteninsel".

Die Leute auf dem Bild sehen nicht so fröhlich aus. Ihre Augen wirken müde, und die Münder sind fast gar nicht zu sehen. Wenn man lacht, sieht man das am Mund. Vielleicht sind sie über irgendetwas traurig. Ich bin nur traurig, wenn man mich ärgert. Zum Glück passiert das nicht so oft. Glücklich macht mich, wenn man mich überrascht! Manchmal macht mein Papa das, wenn er mich aus der Kita abholt. Dann gehen wir noch irgendwohin, oder er kauft mir etwas zu naschen, bevor wir nach Hause gehen.

Die Leute auf dem Bild sind auch zu Hause. Ich glaube, sie sitzen in ihrem Wohnzimmer auf einem sehr alten Sofa. Unser Sofa sieht jedenfalls ganz anders aus. Das hier auf dem Bild sieht gemütlicher aus als unseres – und auch ein bisschen hübscher, weil es so schöne Bögen oben an der Lehne hat. An der Wand über dem Sofa hängt ein Zettel, auf dem etwas geschrieben steht. Ich kann auch schon ein bisschen schreiben: meinen Namen und ein paar Zahlen. Mit unserem Sofa zu Hause kann ich ganz tolle Höhlen bauen. Da verstecke ich mich dann mit meiner Freundin drin. Wenn keiner kuckt, schleppen wir Süßigkeiten in die Höhle und essen die dann da im Geheimen. Und dann wundern sich unsere Mamas, dass wir schon satt sind, wenn es Abendbrot gibt. Dabei ist das doch klar, wenn man eine Naschhöhle hat!

Aufgeschrieben von Barbara Hein.

Otto Dix: »Die Eltern des Künstlers II«

Otto Dix war einer der wichtigsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1891 in Gera. Sein Werk zeichnet sich durch eine große stilistische Vielfalt aus. Seine wichtigsten Werke sind der Neuen Sachlichkeit mit entsprechenden sozialkritischen Themen zuzuordnen. Es finden sich aber auch spätimpressionistische und expressionistische Elemente in Teilen seiner Arbeiten.

Das Gemälde "Die Eltern des Künstlers II" gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Werken von Otto Dix. Es entstand in einer Phase, in der sich der Maler intensiv mit Porträtmalerei auseinandersetzte. Beeindruckend ist, das der schonungslose Blick von Dix auch vor seinen Eltern nicht halt macht. Die Darstellung des Paares als müde, abgearbeitete Vertreter der Unterschicht sind ein hervorragendes Beispiel der Neuen Sachlichkeit. Heute befindet sich das Bild in der Sammlung des Sprengel Museums Hannover.

Themenseite Otto Dix / Foto: © Fred Stein / dpa
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