Kinder erklären Kunst

Gustav über »Die Toteninsel«

Das Tote Meer und Einsamkeit sind nichts für den sechsjährigen Gustav. Angst vor Gespenstern hat er aber keine, denn das sind ja auch nur Menschen. Eine erfrischende Bildinterpretation von Arnold Böcklins "Toteninsel"
Gustav über »Die Toteninsel«

Der sechsjährige Gustav mit einer Reproduktion von Arnold Böcklin: "Die Toteninsel", 1883, 80 x 150 cm

Da steht ein Felsen im Wasser. Teile des Felsens sind ein Haus. So etwas machen Menschen, die Steinhauer von Beruf sind. Die schlagen mit Hämmern auf Steinblöcke, bis etwas dabei herauskommt, zum Beispiel solche Wände mit Fenstern wie auf dieser Felseninsel. Die Insel steht mitten im Meer. Von vorne nähert sich ein Boot der Insel. In dem Boot sind zwei Menschen. Ich glaube, dass die beiden sich die Insel einmal anschauen möchten. Auf dieser Insel hat man bestimmt ganz viel Ruhe, denn sie ist vollkommen menschenleer. Das haben Menschen für Menschen gemacht, die Ruhe brauchen.

Ich werde mich alleine nicht auf diese Insel trauen, denn sie sieht ein bisschen unheimlich aus. Ich mag die Einsamkeit nicht so gerne. Ich mag es lieber, wenn Menschen um mich herum sind. In der Mitte der Insel ist gar nichts. Ich kann auch nicht so genau erkennen, ob sich da zwischen den Bäumen noch etwas verbirgt. Auch das finde ich etwas unheimlich. Wahrscheinlich kann man zwischen den Bäumen spazieren gehen. Wahrscheinlich ist es da ganz schattig.

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Ah! Jetzt weiß ich, was das ist! Das ist das Tote Meer! Am Toten Meer ist es ganz einsam. Das gibt es in echt. Das hat mir mein Papa erzählt. Da geht man nicht unter, sondern da schwimmt man auf dem Wasser. Da kann man sich auf das Wasser legen, als ob es ein Bett wäre und ein Buch lesen. Und ich weiß, warum! Weil da so viel Salz drin ist! Im Toten Meer ist so viel Salz, dass da nichts drin leben kann – keine Fische, keine Pflanzen. Das finde ich auch ziemlich unheimlich. Trinken kann man das Wasser auch nicht.

Gustav über »Die Toteninsel«

Arnold Böcklin: "Die Toteninsel", 1883, 80 x 150 cm

Ich glaube, dass die zwei Leute in dem Boot eine große Kiste voller Schmuck bei sich haben. Sie wollen die Insel nämlich schmücken, um da ein Fest zu feiern. Da sind goldene Girlanden und Lichterketten drin für das Fest der Toteninsel. Vielleicht ist der Mann in dem weißen Gewand auch ein Gespenst. Das macht mir aber gar nichts aus, denn Gespenster sind auch nur Menschen, die nicht mehr sagen können als "Buh!".

Aufgeschrieben von Barbara Hein

Arnold Böcklin: "Die Toteninsel", 1883

Arnold Böcklin wurde 1827 in Basel geboren. Er war als Maler, Grafiker und Bildhauer einer der bedeutendsten Vertreter des Symbolismus im 19. Jahrhundert.

"Die Toteninsel" gehört zu Böcklins wichtigsten Werken. Insgesamt existieren fünf Versionen des Gemäldes. Alle zeigen eine Felseninsel mit Zypressen, die von ein Ruderboot angesteuert wird. In den Felsen befinden sich Grabkammern, auf dem Boot erkennt man einen Sarg und eine in weißen Stoff gehüllte Person. Die besondere Atmosphäre des Motivs machte es schnell populär.

Das hier gezeigte Bild ist die dritte Version. Sie entstand 1883 für Arnold Böcklins Galeristen Fritz Gurlitt. 1936 wurde sie auf dem Kunstmarkt angeboten und von Adolf Hitler erworben. Heute befindet sich das Bild in der Alten Nationalgalerie in Berlin.