Liz Magic Laser - Starter

Show Time

Liz Magic Laser zerpflückt Nachrichtensendungen, Kinofilme und TV-Dialoge und reinszeniert sie in Theateraufführungen und Performances.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Liz Magic Lasers Produktion für die Performa 2011: "I Feel Your Pain", mit Audrey Crabtree, Ray Field und Ryan Shams

Man stelle sich ein romantisches Date zwischen Glenn Beck und Sarah Palin vor.

Als der rechtskonservative Entertainer und Hassprediger der Republikanerin vor laufenden Kameras von den Tagebucheintragungen erzählte, zu denen Palin ihn die Nacht zuvor inspiriert hatte, wurde aus der Unterhaltung ein gekünstelter intimer Moment. Liz Magic Laser, die mit wirklichem Namen so heißt, entdeckte den anzüglichen Dialog, als sie für ihre Arbeit "I Feel Your Pain" Tausende von Stunden an Nachrichtenmaterial, politischen Ansprachen, Interviews oder Auszügen aus Pressekonferenzen durchkämmte. Wortfetzen und Dialoge wie den zwischen Beck und Palin ließ sie von Schauspielern nachsprechen, die in einem New Yorker Theater inmitten des Publikums saßen. Der Auftritt wurde gefilmt und lief zeitgleich auf einer Kinoleinwand. So wurden die Zuschauer Zeuge und Teil einer künstlichen Realität, die sowieso schon die Kopie einer Show-Einlage war, die in ihrer ursprünglichen Form als Realität verkauft wurde.

Die 31-jährige Tochter einer Choreografin wuchs in einem Haus auf, in dem Tänzer im Wohnzimmer probten. Sie fotografierte die Pressebilder der Darsteller, bevor sie sich selbst der Performance widmete. Die Arbeit mit der Kamera machte aus ihr eine scharfe Beobachterin, die Zeitdokumente zerlegt und verfremdet, damit man sie aus der Dis­tanz ansehen und neu einordnen kann. Mit ihren Inszenierungen demaskiert sie Techniken, die zur Manipulation der Öffentlichkeit eingesetzt werden, und erforscht die Austauschbarkeit von Identitäten. Sie ließ die Gestik von Präsident Obama von Tänzern nachspie­len. Schauspieler trugen vor Geldautomaten Auszüge aus einem Ber­tolt-Brecht-Stück vor. Gäste einer Dinnerparty diskutierten mit Sätzen aus Katastrophenfilmen darüber, wie sie die Welt retten können. Unser Verhalten würde auf Filmen basieren oder darauf, was Politiker für uns aufführen, meint die Künstlerin. Die Menschen seien in ihren Handlungen und Emotionen konditioniert. "Viele erkennen, dass sich dieser Vorgang ereignet. Aber Erkenntnis reicht nicht, um den Zauber zu brechen."

Steckbrief

Geboren: New York, USA, 1981


wohnort: New York


ausbildung: Ich besuchte die Wesleyan University, dann für ein Aufbaustudium die Columbia University, und danach nahm ich am Whitney Museum Independent Study Program teil.


galerie: Derek Eller Gallery, New York


höhepunkt: Die erste Aufführung meiner Performa-Auftragsarbeit "I Feel Your Pain"


tiefpunkt: Mit einer dreisekündigen Video-Verspätung konfrontiert zu sein, die bei eben diesem Performa-Projekt die live eingespeisten Audio- und Bildspuren aus dem Takt zu bringen drohte. Seltsamerweise machte ich bei meinem letzten Projekt für die Malmö Konsthall dieselbe dreisekündige Verzögerung aus, wo Darsteller über ein Satel­liten-Kommunikationssystem einer Nachrichtenstation aufeinander abgestimmt wurden.


helden: Yvonne Rainer, Andrea Fraser, Anna Deavere Smith


credo: Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen.


ein rat, der ihnen geholfen hätte: Es ist kein Sprint, es ist ein Marathon, pass’ dein Tempo entsprechend an.


warum künstler, nicht banker?: Kunst zu machen erlaubt mir, laufend im Gespräch mit Fremden zu stehen.



http://www.lizmagiclaser.com/