Justin Matherly - Starter

Seelen auf Krücken  

Grob und klotzig sind die Skulpturen, mit denen der Bildhauer Justin Matherly sich gerade einen Namen macht. Sie handeln von nichts weniger als dem Leben, dem Tod – und der Zukunft. Aktuelle Arbeiten sind momentan in der Berliner Galerie Johann König zu sehen.
Seelen auf Krücken  

Mächtiger Löwenkopf auf Krücken: Justin Matherly, "Cost of living; mob above, mob below (w.t.n.c.g.l.)", 2013, Stahlbeton, medizinische Gehhilfen, Edelstahl, Kabelbinder, Sprühfarbe, wasserlöslicher Maker
213,7 x 158,5 x 152 cm

Beton ist das Material, aus dem Justin Matherly seine wuchtigen Objekte gießt. Als Formen benutzt er spezielle Plastiktüten, die zur Bewässerung von jungen Bäumen dienen.

Einer seiner ersten Erfolge war die New Yorker Independent-Messe 2012, auf der die Galerie Bureau eine Art wuchtigen Torso zeigte, der auf Gestellen saß, mit denen sich Senioren oder Gehbehinderte vorwärtsbewegen. Diese Skulptur widmete Matherly dem Leben, dem Tod – und der Zukunft. Kurz darauf nahm ihn die angesehene New Yorker Galeristin Paula Cooper an Bord. Bei seiner ersten Ausstellung in ihrer Galerie setzte er wieder Gehhilfen ein, die mit ihren staksigen Metallbeinen das klassische Podest ersetzen. Und obwohl sie eine Hilfe darstellen, haben sie eine verzweifelte Seite, denn sie symbolisieren auch Schwäche und Abhängigkeit.

Matherlys Skulpturen beginnen meist mit einem Foto, das er in einem Buch entdeckt. Davon fertigt er eine Zeichnung an, die als Vorlage für die Form dient, die er aus Schaumstoff schneidet und schließlich mit Beton gießt. Besonders reizen ihn griechische und römische Statuen – zum Beispiel aus den Vatikanischen Museen, wo der "Torso vom Belvedere" steht, der dem Bildhauer Apollonios von Athen zugesprochen wird. Matherlys Adaption sieht aus wie ein kopfloser, brutal amputierter Körperklumpen auf Metallstelzen. Es gibt auch eigentümliche Versionen der Göttinnenbüste "Juno Ludovisi" und der "Laokoon-Gruppe" von ihm. "Ich spalte Formen in andere Formen auf", erklärt er. "Nichts hört jemals wirklich auf"

Justin Matherly

Geboren: 1972 in West Islip, New York, USA.

Wohnort: Ridgewood, Queens.

Galerie: Paula Cooper in New York, 
Johann König in Berlin.

Ausbildung: Hunter College, New York; University of Pennsylvania, Philadelphia; Pennsylvania Academy of the Fine Arts, 
Philadelphia.

Initialzündung: Kann mich nicht erinnern.

Höhepunkt: Alles.

Tiefpunkt: Ja.

Helden: Es gibt viele, drei Beispiele 
sind: (der Komiker) Richard Pryor, 
(die Archäologin) Theresa Goell und 
(der im Alter von 106 Jahren 
gestorbene Kampfkunst-Filmproduzent) Run Run Shaw.

Credo: Pass auf, sie fliegen tief.

Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: 
Pass auf, sie fliegen tief.

Warum Künstler? Weil ich das krankhafte 
Verlangen habe, Dinge 
zu fertigen, und weil ich 
gern spiele.


Die Ausstellung "Sunrise" mit Arbeiten von Justin Matherly ist noch bis zum 21. Februar in der Galerie Johann König in Berlin zu sehen.