Jacob Kassay - Starter

Spiegel der Eitelkeiten

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler jede Woche in der Reihe "Starter". Die silbrig glänzenden Flächen des jungen US-Amerikaners werfen das Bild einer mit sich selbst beschäftigten Gesellschaft zurück.

Die Arbeiten, mit denen Jacob Kassay 2009 sein Debüt in New York gab, verführten mit morbider Eleganz: Es handelte sich um silbrig schimmernde, monochrome Farbflächen. Mit ihrem eingestaubt wirkenden Glanz und den dunklen, verbrannten Rändern wirkten sie wie Luxusgüter, die ihre besten Zeiten hinter sich haben.

Die Bilder spielten mit dem einfallenden Licht und mit der Eitelkeit der Galeriebesucher und Sammler, die dafür sorgten, dass die Ausstellung des damals 24-Jährigen bereits vor der Eröffnung ausverkauft war. Geisterhaft spiegelten sich die Betrachter in den silbernen Flächen wider und lieferten das verschwommene Bild einer Gesellschaft, die sich in erster Linie gern mit sich selbst beschäftigt.

Kassay absolvierte eine Ausbildung als Fotograf. Woher auch die Idee stammt, seine Bilder wie beim Entwickeln von Fotos einem Prozess zu unterziehen. Die Leinwände werden zunächst angemalt und anschließend in einem Chemikalienbad galvanisiert. In die rohen Bildwandränder, die nicht mit Farbe bearbeitet wurden, brennen sich die Chemikalien ein. In einer Gruppenshow bei Peter Blum in New York wurde Kassay Meistern wie John McCracken oder Yves Klein gegenübergestellt, mit dem der junge Künstler neben Rudolf Stingel immer wieder verglichen wird.

Sein Studium schloss der 1984 in Lewiston im Bundesstaat New York geborene Kassay 2005 an der State University of New York in Buffalo ab. Seit 2008 vertritt ihn die New Yorker Galerie Eleven Rivington. Das Spiel mit der Farbfeldmalerei und dem Minimalismus setzt der Künstler, der außerdem Performance Art und Videokunst macht, fort. Im Sommer 2011 zeigte er bei der renommierten Galerie L&M Arts in Los Angeles neue Arbeiten. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildete eine Ballettstange, hinter der eine schillernd silberne Arbeit hing, um die monochrome Bilder in gedämpften Farben zu tanzen schienen. Die Spiegelfläche über der Ballettstange reflektierte jedoch nicht das versammelte Ensem­ble, sondern schien die Bilder einfach in sich aufzusaugen.

Steckbrief

Geboren: Lewiston, New York, 1984


Wohnort: Los Angeles


Ausbildung: SUNY Buffalo


Galerie: Eleven Rivington, New York; Art: Concept, Paris; Xavier Hufkens, Brüssel


Initialzündung: die Idee


Höhepunkt: keiner


Tiefpunkt: keiner


Helden: Komiker – Schriftsteller aller Art


Credo: Ich habe ungefähr zwölf Jahre meines Lebens das apostolische Glaubensbekenntnis (im Amerikanischen: "Credo der Apostel") aufgesagt.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Das setzt voraus, dass ich irgend etwas gelernt hätte ...


Warum Künstler, nicht Banker? Kunst war ein Fach, in dem ich während der Schulzeit hervorragend war. Bestimmte Gebiete der Kunst der letzten 100 Jahre haben mein Interesse geweckt und interessieren mich auch heute noch.


http://jacobkassay.com/

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