Roman Schramm - Starter

Vertrauen in visuelle Kraft

In der Serie "Starter" stellt art junge Künstler vor. Diesmal: Roman Schramm. Der Berliner Künstler verleiht in seinen Fotografien Mode-Objekten wie Turnschuhen die Aura ikonografischer Zeitlosigkeit.
Visuelle Kraft:art stellt junge Künstler vor

Roman Schramm: "Easytone", 2012, C-Print

Als die US-amerikanische Turnschuhfirma Reebok Anfang 2009 den neuen "Easy-Tone"-Turnschuh auf den Markt brachte, versprach sie eine Revolution: Dank "neuartiger Schuhtechnologie" würde alleine durch das Sneaker-Tragen der Po wesentlich straffer, als wenn man Schuhe von Konkurrenzmarken trüge.

Wissenschaftlich konnte das nie bewiesen werden – die Firma handelte sich den Vorwurf irreführender Werbung ein. Roman Schramm haben die Turnschuhe mit den wulstigen Sohlen hingegen nur Glück gebracht. Die dem Schuh gewidmete 16-teilige Konzeptfotoserie "Easytone a-p" (2011) gehört mittlerweile zu den bekanntesten Werken des Berliner Künstlers. In der Überhöhung eines Turnschuhs zur skulptural inszenierten Ikone schieben sich Bezüge auf zeitgenössische Bild- und Konsumkultur, Fitnessgebot, Farbfeldkunst und Modernismus zu fotografischen Bildern auf schöne Weise ineinander.

Bildermachen, das hat für den Künstler, der vor dem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg als Assistent für den Fotografen Daniel Josefsohn gearbeitet hatte, vor allem mit Vertrauen in die visuelle Kraft zu tun: "Mich interessiert die Stärke der Bilder", sagt er im Gespräch über seine Arbeitsweise. Da handele er mittlerweile fast so intuitiv wie ein Maler. Auch die Angst vor reiner Zeitgenossenschaft ist mit den Jahren verschwunden. Dennoch bleibt Bildermachen bei Schramm eine heikle Mission. Er gibt an, bei der Suche nach dem funktionierenden Bild vorsichtig und furchtlos zugleich zu sein. Bilder stellen für Schramm Verhältnisse dar, deren Elemente er im Studio während des Arrangierens und Fotografierens oder später am Rechner kontinuierlich verändert, umfärbt oder austauscht.

Irgendwann im Prozess verselbständigt sich dann das Objekt in Richtung reiner Form und Farbe. Wie sehr, das wurde Schramm erst später klar. Als der Künstler den EasyTone-Sneaker tatsächlich einmal auf der Straße sah, war er kurz erschrocken. Beinahe hätte er das Modell, dessen Bild er unzählige Male fotografiert und am Rechner bearbeitet hat, in natura nicht wiedererkannt.

Steckbrief Roman Schramm<br><br>

Geboren: Pfullendorf, 1979.


Wohnort: Berlin.


Ausbildung: HFBK Hamburg.


Galerie: Croy Nielsen, Berlin; WCW-Galerie, Hamburg.


Initialzündung: Ein Geschmacksjucken.


Höhepunkt: Die Ablagerungen des Geschmacks.


Tiefpunkt: Die Ablagerungen des Geschmacks.


Helden: Die Lauffeuer des Geschmacks.


Credo: In den Geschmack pfuschen.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Der tiefgekühlte Geschmack.


Warum Künstler, nicht Banker?: Ein Geschmack im Knopfloch.

target="_blank">http://www.romanschramm.de