Anna Lena Grau - Starter

Subversive Maulwürfe

Naturphänomene, archäologische Funde oder Salzlecksteine geben der Hamburger Bildhauerin Anregungen für ihr plastisches Werk.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Anna Lena Grau: "Sesselprojektionen II", 2012, Videoloop 16 min, Sessel

Anna Lena Grau reizt das Verborgene. Wo andere Leute unscheinbare Erdhügel sehen, sieht die Hamburger Künstlerin subversive Netzwerke.

Und wo der Landwirt nur an den Nährstoffbedarf seiner Tiere denkt, sieht sie formvollendete Ready-Made-Skulptu­ren. So überredete sie vor ein paar Jahren einen Milchbauern, ihr die Minerallecksteine seiner Kühe zu überlassen und stellte die rundgelutschten Salzblöcke – Zufallsplastiken die an Hans Arp oder Henry Moore erinnern – als Skulpturengruppe aus. Die Beschäftigung mit Maulwürfen wiederum führte zu einer Werkgruppe von Bronzehügeln. Die Abgüsse echter Maulwurfshaufen versieht sie mit den exakten geografischen Koordinaten des Fundorts und verleiht dem flüchtigen Naturphänomen so eine universelle Präsens. "An Maulwürfen gefällt mir das Subversive", sagt Anna Lena Grau über ihre Bronzehügel, die sie am liebsten überall auf der Welt platziert sehen würde.

Wissenschaftliche Konzepte mit philosophischem Dreh sind typisch für das Werk der 32-jährigen Bildhauerin, die in Hamburg bei Hanne Loreck und Pia Stadtbäumer studiert hat. Mal dienen ihr Modelle aus naturhistorischen Sammlungen als Vorlage für abstrakte Glasobjekte und Wunderkammer-Arrangements. Mal nimmt sie sich die streng geometrischen Gitterstrukturen von Sol LeWitt vor und verleiht ihnen mit schwe­benden Gipsbinden schwerkraftverneinende Leichtigkeit. Zuletzt beschäftigte sie sich mit der Fracht eines im 14. Jahrhundert vor Christus gesunkenen Handelsschiffs. In dem vor der türkischen Küste entdeckten Wrack fand man eigentümliche Kupfer- und Bronzeplatten – sogenannte Ochsenhautbarren, eine typische Form, wie der Rohstoff Metall zur Bronzezeit um die Welt geschifft wurde. Anna Lena Grau hat die Barren mit geschmolzenem Plastikabfall nachgegossen. Unser Wohlstandsmüll in einer aus dem Meer geborgenen Zwischenform der Vergangenheit – ein sperriges Objekt und eine schöne Denkaufgabe für die Gegenwart.

Steckbrief<br><br>

Geboren:
Hamburg, 1980


Wohnort:
Hamburg


Ausbildung: Hochschule für bildende Künste, Hamburg


Galerie: Thomas Rehbein Galerie, Köln


Initialzündung: Sommer 1997. Standort: Privatgarten am Stadtgraben zwischen Westerholtscher Wiese und Lipper-Mauer an der Aa, Fischli & Weiss, Skulptur Projekte Münster


Höhepunkt: "... ein feiner Rausch!", Laszlo Glozer zur Ausstellung "The Empty Set", Kunstverein Harburger Bahnhof, Juli 2011


Tiefpunkt: En Gedi, Israel, Dezember 1981, 400 Meter unter dem Meeresspiegel


Helden: Virginia Woolfs "Orlando"


Credo: ... in meiner Arbeit keiner Masche folgen


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Am Abend werden die Hühner gezählt!


Warum Künstler, nicht Banker?: Ich war nicht in der Tanzschule.

target="_blank">http://www.annalenagrau.com/