Virgile Ittah - Starter

Rodin reloaded

Die Pariser Künstlerin Virgile Ittah versucht, ihren Figuren aus Wachs und Marmorstaub Leben einzuhauchen – das allerdings dem Tod bedrückend nahe ist. Für ihre Installationen steht sie selbst Modell.
Rodin reloaded:Figuren aus Wachs und Marmorstaub

Mixed-Media-Installation von Virgile Ittah mit Wachsfiguren: "Echoué au seuil de la Raison", 2014

Anfang des Jahres machte Virgile Ittah ihren ersten Ausflug in die harte Welt der Kunst: In der Gruppenschau "New Order II", in der Supersammler Charles Saatchi in London eine neue Generation junger britischer Künstler vorstellte, ragten die Arbeiten der aus Paris stammenden Plastikerin heraus.

Ihre nackten Figuren aus Wachs und Marmorstaub saßen und lagen auf alten Stühlen, eine männliche Figur kauerte auf dem Boden, ihre Füße schienen in den Fußboden zu schmelzen. Sie vermittelten Verwundbarkeit, erzählten von Exil und Assimilation. "Als Kind einer aus Marokko stammenden jüdischen Familie kann ich meiner Vergangenheit nicht entfliehen", sagt die Künstlerin.

Wie ihr Vorbild Auguste Rodin arbeitet Ittah nicht mit Abdrücken, sondern modelliert. "Von innen heraus", wie sie es beschreibt. Stück für Stück, zunächst die Knochen, dann darüber die Muskeln. So lässt sich Bewegung aufbauen. "Ich versuche nicht, eine Skulptur herzustellen, sondern Leben", sagt sie. Allerdings Leben, das nur einen kleinen Schritt vom Tod entfernt ist.

Gerade wurde sie für den mit 5000 britischen Pfund dotierten "Catlin Art Prize" nominiert, der jährlich an einen Nachwuchskünstler vergeben wird, der nach dem Studienabschluss erste Schritte als freier Künstler macht. Ihre Arbeit für die Preisschau, "Echoué au seuil de la raison (Gescheitert an der Schwelle der Vernunft"), war eine raumfüllende Installation, in der zwei ihrer geisterhaften Figuren aus weißen Gitterbetten herausfallen, aber gleichzeitig abzuheben scheinen. Von den Wänden und der Decke getropftes Wachs unterstrich nur noch die Instabilität des Ensembles. Auch hier wieder diese Schutzlosigkeit, die ihre Figuren ausstrahlen. Für sie stand sie zum ersten Mal selbst Modell. Ihr Partner machte Aktfotos von ihr, die sie als Vorlage benutzte. "Es war schwierig", gesteht sie, "ich bin sehr schüchtern und nicht auf Selbstporträts fixiert."

Virgile Ittah

Geboren: Paris/1981.

Wohnort: London/Hackney.

Ausbildung: Royal College of Art, London, MA Skulptur.

Initialzündung: Michelangelos "Pietà".

Höhepunkt: Als ich vor drei Jahren meinen Partner Hitomi Kai Yoda kennenlernte, mit dem ich kooperative Arbeiten mache.

Tiefpunkt: Vor langer Zeit, als ich dem Tod nahe war.

Helden: "Ni Dieu, ni maître" (Weder Gott noch Meister).

Credo: "Das einzige Paradies 
ist das verlorene Paradies" (Marcel Proust).

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Sei geduldig, nie starrköpfig.

Warum Kunst? Ich habe nie die Wahl getroffen, Künstlerin zu sein.
http://www.virgileittah.com/