Sara Christensen - Starter

Das blaue Band

Sara Christensen lebt in Oslo, kommt aus Dänemark und untersucht den Kunstbetrieb.
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Mit geschickten Interventionen hinterfragt Sara Christensen auf humorvolle Weise die Gegebenheiten des Kunstbetriebs, Sara Christensen: "Potential", 2011, gebohrtes Loch, Durchmesser: 1 cm

Der Eingang zur Ausstellung ist durch ein blaues Band versperrt, daneben hängt eine Schere. Das Band ist ein Kunstwerk von Sara Christensen, und für "Opening" (2012) hat sie bei Kit Schulte in Berlin gleich eine ganze Rolle blaues Band montiert.

Nach jedem Schnitt wird einfach wieder nachgezogen, und schon kann nochmals eröffnet werden – von jedem Besucher aufs Neue. "Nicht jeder traute sich zu schneiden, manche gingen unter dem Band hindurch, jeder aber musste irgendwie reagieren, bevor er in die Ausstellung kommen konnte", erklärt Christensen.

Für eine andere Arbeit bohrte die derzeit mit einem dreijährigen Arbeitsstipendium in Norwegen lebende Dänin einfach ein Loch in die Wand und gab ihm den Titel "Potential" – ein guter Anfang also, aus dem aber mehr gemacht werden muss. "Titel sind bei vielen meiner Arbeiten sehr wichtig", sagt sie. "Sie tragen zum Verständnis des Werks bei und sind nicht nur eine reine Beschreibung." Mit einem anderen Werk zeigte sie auf, welche Art von Potenzial in so einem Bohrloch stecken kann: Für "Listen Now" (2011) füllte sie dieses mit einem Ohrstöpsel.

Christensen arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien. Mal baut sie laufende Staubsauger in ihre Arbeiten ein, mal näht sie aus Textilien, malt klassisch mit Acryl oder dreht ein Video, in dem sie etwa – als Teil von "ACQUIRED! The story so far ..." – über ihre eigene, oft durch Tauschgeschäfte zustande gekommene und bislang keine großen internationalen Namen aufweisende Kunstsammlung referiert. Auch hier kommt wieder jede Menge Humor zum Zuge. Denn im "reichsten Land der Welt" (als das Norwegen vielen Ökonomen wegen der Ölvorkommen gilt) zu einer Zeit, in der Privatmuseen mit Superstars wie Damien Hirst, Richard Prince oder Jeff Koons bestückt werden, die eigene monetär vergleichsweise wertlose Sammlung ins Zentrum zu rücken, zeugt von Ironieverständnis.

Steckbrief<br><br>

Geboren:
Skovby, Dänemark, 1979.


Wohnort:
Oslo, Norwegen.


Ausbildung: Kunstakademiet, Oslo; Akademie der bildenden Künste Wien.


Initialzündung:Hab’ drüber nachgedacht, aber ich weiß es einfach nicht.


Höhepunkt: Ich versuche, das meiste als Höhepunkt zu sehen.


Tiefpunkt: Stelle es mir als unnütz vor, bei dieser Frage so lange zu verweilen, bis ich das perfekte Beispiel eines Tiefpunkts finde.


Helden: Es gibt zu viele gute Menschen, die genannt oder denen gedankt werden sollte.



Credo: Ein schlechter König kann einen guten Wurstbudenbesitzer abgeben ... und umgekehrt. Oder wie es bei uns heißt: En dårlig konge kan godt være en god pølsemand … og omvendt selvfølgelig.


Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Keine Steckbriefe ausfüllen, deren Fragen ­blöde, abgekürzte Antworten provozieren.


Warum Künstler, nicht Banker?: Das kam mir nicht in den Sinn, aber ich 
freue mich, dass es anderen in den Sinn kam, genau dies zu wollen.
http://www.sarachristensen.net