Aiko Tezuka - Starter

Hippe Handarbeit

Wie werden hässliche Kaufhaus-Teppiche zu betörend schönen Kunstwerken? Aiko Tezuka weiß, wie’s geht!
Hippe Handarbeit:Kaufhaus-Teppiche zu Kunstwerken!

Aiko Tezuka: "Lessons for Restoration (perspective)", 2012, Untied fabric (souvenir from Florence), 51 x 50 cm, Installation in der Galerie Michael Janssen Berlin

Tischdecken, Teppiche oder industriell hergestellte Schals – Aiko Tezukas Material ist häufig mäßig hübsche Massenware.

Es ist erstaunlich, wie es der Japanerin gelingt, Banales in Einzigartiges, Wunderbares zu verwandeln, ohne etwas hinzuzufügen oder wegzulassen. Alles, was sie tut, ist das vorhandene Gefüge aufzulösen und in eine neue Form zu bringen. Tezuka trennt Stoffe auf, die sie auf Flohmärkten, in Kaufhäusern oder Souvenirshops findet. Manchmal entfernt sie nur die längs verlaufenden Kett- oder die quer verlaufenden Schussfäden, so dass das Motiv verwaschen wirkt, aber noch zu erahnen ist. So entstehen "Bildstörungen" im Zentrum des Stoffs. Die Fäden lässt sie in wasserfallartigen Schwüngen zu Boden fallen, verwebt sie zu neuen Mustern oder stickt etwas aus ihnen. Die Ergebnisse sind verblüffend und elegant.

Tezuka legt verborgene Strukturen offen, befreit das Material und verwandelt Massenprodukte in Handarbeit. Für Suspended Organs nähte sie Blumenstoffe aneinander, die – aufgetrennt – in Kaskaden auslaufen. Sämtliche Rottöne sind in der Mitte zu organartigen Formen verknäuelt. Tezuka macht Geschehenes ungeschehen und eröffnet neue Möglichkeiten. Dies hat metaphorische Bedeutung: "Ich möchte dazu inspirieren, über die eigene Geschichte nachzudenken. Darüber, dass man Gewesenes nicht einfach hinnehmen muss, sondern jederzeit die Richtung ändern und seinen eigenen Weg finden kann".

Bis zum 9. November stellt Aiko Tezuka im Dortmunder Kunstverein aus. Noch bis zum 25. Oktober läuft eine Einzelausstellung in der Hamburger Mikiko Sato Gallery.

Aiko Tezuka

Geboren:  1976, Tokio, Japan.



Wohnort:  Berlin.



Ausbildung: Musashino Art University,
Tokio, Master-Abschluss 2001/Kyoto City University of Arts, Ph.D.-Abschluss 2005.



Galerien:  Kenji Taki, Nagoya, Tokio/Michael Janssen, Berlin, Singapur/Mikiko Sato, Hamburg.



Initialzündung:  Japanisch.



Höhepunkt:  Die vielen Soloschauen in den letzten Jahren, unter anderem im Künstlerhaus Bethanien und bei Mikiko Sato.



Tiefpunkt:  Ich trinke zu viel Sake.



Helden:  Die Schätze von Shōsōin in Nara.



Credo:  Flexibel sein, kein Stress.



Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Sich die Situation des anderen vorzustellen, die ich nicht sehen kann.

Warum Kunst? Mit meinen eigenen Händen etwas zu machen und zu zeigen ist meine Mission. Ich fühle etwas, wenn ich mit meinen Händen arbeite. Meine Hände wissen alleine, wie man stickt und strickt, obwohl mir das niemand beigebracht hat – wahrscheinlich ist das eine Erinnerung aus einem früheren Leben.
http://www.aikotezuka.com/