Simmons und Burke - Starter

Auf der unsicheren Seite des Copyrights

Write it, cut it, paste it, save it: Die Remix-Künstler Simmons und Burke pumpen die Digitale-Collage ins Großformat auf.
Digital ist besser:Collagen vom Künstlerduo Simmons und Burke

Case Simmons und Andrew Burke: "Album Collection Palette, Black", Detail, 2011, C-Print, 60"h x 45"w

Wenn junge kalifornische Künstler wie Case Simmons und Andrew Burke ihren großformatigen, aus Ikonen der Konsumkultur gespeisten Digital-Collagen pathetische Titel wie "Das Paradies auf Erden" geben, scheint es, als wäre die Zivilisationskritik zurückkehrt.

Doch der Titel stammt aus einem ganz anderen Kontext, wie sie erklären: "Es handelt sich um einen Buchtitel der Zeugen Jehovas, und obwohl wir keine religiösen Bezüge haben, hat uns die Formulierung gefallen. Sie verweist darauf, dass jedem heutzutage rund um die Uhr mit einem Klick ins Internet die ganze Welt zur Verfügung steht." 

Die flirrend kleinteiligen Riesenwerke erinnern in ihrer verspielten Absurdität an Hieronymus Bosch, sind aber komplett aus visuellen Versatzstücken unserer Zeit zusammengesetzt. Zu einigen gibt es sogar Soundtracks, die das Duo aus Klangfragmenten mixt. Am visuellen und akustischen Sampling gefällt den beiden "alles", wie sie sagen. Denn: "Große Datenmengen, riesige Archive, Abertausend Dinge – das sind Herausforderungen, die uns reizen."

Wäre da nicht der ewige Ärger mit dem Copyright, den sie allerdings mittlerweile locker wegzustecken scheinen: "Wir tun, was wir tun. Inzwischen haben uns sogar die Chefs von Disney, die Fragen des Urheberrechts besonders genau verfolgen, mit Arbeiten beauftragt, und auch deren Anwalt meinte, es handele sich bei unserer Kunst um einen durchaus fairen Gebrauch." Auf der sicheren Seite sind Simmons & Burke mit ihren farbenfrohen Pigment-Prints, die durch psychedelische Mustergebung und phosphoreszierende Leuchtkraft faszinieren, ohne dass jemand anders dafür das Copyright beanspruchen könnte.

Steckbrief<br>

Geboren: B: 1982, Indiana.
S: Clinton, Iowa, 1983.

Wohnort: Los Angeles, Kalifornien.

Ausbildung: B: Oberlin Conservatory of Music, University of Cincinnati.

S: San Francisco Art Institute, 2003/07.

Galerie: Michael Kohn Gallery, Los Angeles.

Initialzündung: B: An der Uni sah ich keine Perspektive mehr mit Percussion-Musik und bin zu Computer-Musik gewechselt.
S: Fellinis Film „8 ½“ mit 17.

Höhepunkt: B: Die Ausstellung im Santa Monica Museum of Art. 
S: In einer Schau zu sein mit Cy Twombly.

Tiefpunkt: B: Kaputte Computer und verlorene Daten. 
S: Einen Monat voll mit Gifteiche zu sein, als ich an Pflanzencollagen arbeitete.

Helden: B: Allen Otte.
S: Jack Goldstein, Jess, Stewart Home.

Credo: B: Immer in Eile, aber nie in Hetze.
S: Lasst mich arbeiten.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: B: Ich finde o.k., wie’s gelaufen ist. Ohne Fehler hätte ich nichts gelernt. 

S: Auf Rat hören. Nichts zu ernst nehmen.

Warum Künstler, nicht Banker?: B: Ich wollte immer Kunst/Musik studieren, schon als ich ganz jung war, wollte ich das. S: Die Zufriedenheit, wenn eine Schau fertig ist, und zwar für jeden, der damit zu tun hat und sie sieht – von Anfang bis Ende. Es gibt nichts Vergleichbares.