Secundino Hernández - Starter

Absurder Schneeballeffekt

Der Jungstar der spanischen Kunstszene haucht dem Achtziger-Jahre-Stil der Neuen Wilden Leben ein und hat damit wahnsinnigen Erfolg.
Plötzlich erfolgreich:Jetzt wollen ihn alle

Secundino Hernández: "Ohne Titel", 2013, Acryl, Gouache, Alkyd, Öl auf Leinwand, 235 x 205 cm

Es war sein Durchbruch: 2012 begeisterte Secundino Hernández Donald und Mera Rubell auf der Madrider ARCO-Kunstmesse derart von seiner Welt aus explodierenden Linien, Flecken, Klecksen und Farbspritzern, dass das Kunstsammlerpaar am Stand der Galerie Heinrich Ehrhardt gleich vier seiner Werke kaufte.

Was dann passierte, bezeichnet Hernández als einen "absurden, aber in der Kunstwelt normalen und für mich glücklichen Schneeballeffekt": 2013 boten gleich sechs Galerien auf der ARCO seine Werke an. Die meisten Bilder wechselten bereits am ersten Tag den Besitzer. Seither feiert ihn die spanische Presse als einen der besten jungen Künstler des Landes.

Unter Hernández’ neuen Galeristen ist auch Bärbel Grässlin. Seine Malerei wirkt wie eine modernisierte Fortführung der wilden Bilder von Martin Kippenberger und Albert Oehlen, die von der Frankfurter Galeristin vertreten wurden. "Oehlen hat mir gezeigt, Kunst neu zu verstehen", sagt Hernández. Seit einigen Jahren blickt er jedoch auch auf seine spanischen Wurzeln: El Greco, Velázquez, Goya, Picasso. Vor allem interessiert ihn spanische Kunst aus den fünfziger und sechziger Jahren. Obwohl seine bunten Flickenteppiche Wiedererkennungseffekt haben, legt er Wert auf technische und thematische Vielseitigkeit, wechselt zwischen Stilen. Seine dynamischen Linienbilder springen permanent vom Abstrakten ins Figurative über. Die Arbeiten in seinem Atelier in der Madrider Vorstadt Coslada veranschaulichen es: An einer Wand steht abholbereit eine figurative "Kuss"-Bilderserie für die Forsblom-Galerie aus Helsinki. Auf der anderen Seite warten drei abstrakte Fleckenbilder auf ihre Vollendung, bevor sie Anfang Juni zum 400. Todestag von El Greco gezeigt werden können.

Secundino Hernández will immer Neues ausprobieren und sich nicht in eine Schublade stecken lassen: "Ich weiß noch nicht, was meine Bildersprache ist." Derzeit experimentiert er mit Interferenzfarben, wodurch der Betrachter das Bild immer wieder neu und anderes erleben kann, je nachdem, von wo aus er auf das Werk schaut. Nur einer Sache ist er sich in der Kunst sicher: "Ich muss dabei Spaß haben!"

Steckbrief<br>

Geboren: 1975, Madrid.

Wohnort: Madrid und Berlin, sobald dort die Sonne rauskommt.

Ausbildung: Kunststudium, Madrid.

Galerie: Heinrich Ehrhardt (Madrid), Bärbel Grässlin (Frankfurt), Forsblom (Helsinki), Krinzinger (Wien), Nuno Centeno (Porto).

Initialzündung: Alltägliche Dinge.

Höhepunkt: Wenn ein Bild Gestalt 
annimmt.

Tiefpunkt: Wenn ein Bild auseinanderfällt.

Helden: Leute, die ihr Leben täglich 
meistern. Künstler: der Maler Luis Gordillo, der Schriftsteller Witold Gombrowicz.

Credo: Keine Erwartungen, keine Stereotypen.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ich glaube nicht an 
Ratschläge.

Warum Künstler, nicht Banker?: Es ist leichter und lustiger.
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