Elín Hansdóttir - Starter

Der Phantasialand-Effekt

art stellt in der neuen Serie "Starter" junge Künstler vor. Diesmal: Elín Hansdóttir
Kreativ durch Vergnügungsparks:art stellt junge Künstler vor

Elín Hansdóttir: "Mud Brick Spiral (detail)", 2012. Installation produced for the 2012 Marrakech Biennale in collaboration with Dar al-Ma'mun artist residency.

Von der Sinnverwirrung zur Besinnung: Wer in die Installationen der Isländerin eintritt, kann vorübergehend die Orientierung verlieren.

Vergnügungsparks wie das Phantasialand in Brühl bei Köln lassen sich leicht als platte Konsumstätten verdammen. Doch die Isländerin Elín Hansdóttir hat ausgerechnet von hier aus zur Kunst gefunden. Im Phantasialand gab es ein Haus, in dem Wände, Türen und Möbel schräg zur Erde standen. "Ich selber hatte meinen Spaß daran, darin durch meine eigenen Bewegungen ein neues, fremdes Körpergefühl zum Raum und zur Schwerkraft zu entdecken", sagt die Künstlerin mehr als 25 Jahre später. Ihre Arbeiten sind bis heute so sinnverwirrend wie dieses Haus. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass die Betrachter – oder besser: Begeher – sich besinnen. Denn Hansdóttir überflutet die Besucher nicht mit den Reizen diverser schief aufgestellter Möbel, sondern lässt sie in eine schlichte, reduzierte Welt eintreten.

Ihre Arbeit "Pfad" (2008) ist ein aus Sperrholz gebauter Labyrinthgang, in den kaum Licht eindringt. "Man verwechselt Raum mit Wand, Licht mit Raum, Wand mit Licht", sagt Hansdóttir. Der Besucher muss erst erfühlen oder durch Anstoßen erleben, wie schmal der Gang tatsächlich ist, so diffus ist das Licht im Inneren. Schatten und Abzweigungen sind kaum voneinander zu unterscheiden. Parallelen zum Nebeltunnel ihres berühmten Landsmanns Ólafur Elíasson sind da nicht von der Hand zu weisen. Doch Hansdóttirs Kunstwerk ist minimalistischer, es braucht weder spezielle Lampen noch Nebelschwaden, der Raum ist ihr genug.

Für ihre jüngsten Arbeiten hat sie im Rahmen der Marrakesch-Biennale in einem Dorf eine Leporello-Struktur aus Lehmziegeln aufgebaut und diese einseitig mit Spiegeln versehen. "Ich wollte mit dem Material vor Ort arbeiten, und es hat sich gezeigt, dass anfangs vor allem die Kinder begeistert waren. Derartige Spiegel haben sie bei sich zu Hause nicht", so die Künstlerin. Vielleicht ruft ihre Arbeit bei dem ein oder anderen ja den Phantasialand-Effekt hervor, der sie selbst zur Kunst geführt hat.

Steckbrief<br><br>

Geboren:
Reykjavík,
Island, 1980.


Wohnort:
Berlin.


Ausbildung: Iceland Academy of the Arts, Kunsthochschule Berlin-Weissensee.


Galerie: i8 Gallery, Reykjavík.


Initialzündung: Freizeitpark Phanta-
sialand, Brühl 1985.


Höhepunkt: Der Tiefpunkt.


Tiefpunkt: Der Höhepunkt.


Helden: Ronja Räubertochter und Pippi Langstrumpf.


Credo: An das Ünmögliche glauben.


Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Ne regrette rien.


Warum Künstler, nicht Banker?: Geld interessiert mich nicht so sehr.

target="_blank">http://www.elinhansdottir.net/