Dennis Loesch - Starter

Die Kraft des Zitats

Junge Kunst mit Auftrieb: Sie legen überraschende Auftritte bei internationalen Ausstellungen hin, erobern den öffentlichen Raum, bringen es zu Klickrekorden im Internet oder träumen noch vom ganz großen Durchbruch. Die besten Nachwuchs­künstler – jede Woche in der Reihe "Starter". Dennis Loesch wiederholt und kopiert die Dinge, bis sie ihren Charme entfalten – egal, ob Yves Saint Laurents Brille oder digitale Bilder
Mit Auftrieb:art stellt junge Künstler vor

Dennis Loesch: "The Federal Reserve Note (black)", 2011

Die Behauptung, seine Kunst zeige nichts Neues, würde Dennis Loesch sofort unterschreiben. Die Wiederholung ist schließlich sein Konzept. Seit mehr als zehn Jahren widmet sich Loesch der Neuinterpretation von Vorgefundenem. Dabei geht es ihm nicht um den Illusionismus originalgetreuer Kopien, sondern um die Unschärfen, die in neuen Kontexten entstehen.

Loesch war Mitglied der "Oskar-von-Miller-Straße 16" – einer Frankfurter Künstlergruppe, der es vor allem um die Wiederaufführung kultureller Ereignisse als Appropriation Art ging. Man stellte etwa ein "The Who"-Konzert nach, rekonstruierte eine Jim-Isermann-Ausstellung mit Originalmaterial (eine zwischenzeitlich zusammengeknüllte silberne Klebefolie) oder imitierte einen Auftritt von Gilbert & George zeitgleich mit Doubles. In den vergangenen Jahren konzentrierte sich Loesch dann verstärkt auf die Transformation ganzer Räume oder Personen. 2006 versetzte er etwa die Berliner Galerie Jan Winkelmann in einen Modeladen und präsentierte dort die aktuelle Kollektion von "hallo moden", einem Label, unter dem der Künstler seit 2004 Kleidungsstücke von Protagonisten des Kunstbetriebs sammelt. Für etwaige Käufer wurde die Kleidung in weißem oder schwarzem Stoff nachgeschneidert; jeder konnte fortan den Look eines wichtigen Kurators oder Galeristen tragen.

Ähnlich funktioniert die Serie "Guggenheim", für die Loesch Kulturleute bat, für ein Foto seine Brille aufzusetzen, exakt jenes Modell, das auch der Modedesigner Yves Saint Laurent trug. Ob die Schauspielerin Tilda Swinton oder der Museumsdirektor Max Hollein als Loesch oder Saint Laurent posieren, gehört zu jenen Unklarheiten, die sein Werk so charmant machen. Neuerdings konzentriert sich Dennis Loesch auf die Neuinterpretation digitaler Übertragungswege und Speichermedien. Für seine "Memory Sticks" zieht Loesch zuvor gespeichertes Bildmaterial auf zwei Meter lange Stöcke und verleiht ihnen so eine physische Präsenz, die wie eine Synthese aus Minimal und Pop Art anmutet.

Steckbrief

Geboren: Frankfurt am Main, 1979

Wohnort: Berlin und Hamburg

Ausbildung: Städelschule Frankfurt am Main

Galerie: Niklas Schechinger Fine Art, Hamburg und Dittrich & Schlechtriehm, Berlin

Initialzündung: morgens

Höhepunkt: abends

Tiefpunkt: Schuhe

Helden: David Bowie

Credo: defenitely maybe

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Nehmen Sie diesen, der ist besser.

Warum Künstler, nicht Banker?: "Financial Times" lesen

http://www.dennisloesch.net/