Daniel Turner - Starter

Agieren wie ein Alchemist

Ausgebildet als Maler, nutzt Daniel Turner ganz alltägliche Materialien, um sehenswerte Bilder zu arrangieren.
Billig und gut:ein paar Topfkratzern für eine ganze Ausstellung

Daniel Turner: "Untitled", Schrubbspuren von Stahlwolle, 2012

Manchmal ist sie ein Fleck an der Wand, eine rostige Spur auf dem Fußboden oder eine verrußte Scheibe. Es ist nicht ganz leicht, die Kunst von Daniel Turner als solche zu erkennen.

Oft ist man als Betrachter erst einmal verwirrt. Ist der Metallschrott da auf dem Fußboden tatsächlich das Werk?

Ausgebildet wurde Turner als Maler, doch 2006, kurz nachdem er seinen Abschluss in der Tasche hatte, nahm er sämtliche Leinwände, verbrannte sie und erklärte die Aktion selbst zum Kunstwerk: "Burning an Entire Body of Work". Der Künstler, der als Jugendlicher seinem Vater, einem Altmetallhändler, beim Recyceln ausrangierter Materialien half, interessiert sich für chemische Umwandlungsprozesse. Häufig benutzt er für seine Bilder und Installationen Werkstoffe wie Bitumen oder Kerosin, bisweilen pfeffert er auch schon mal eine Ladung alter Kühlschrankgriffe auf den Fußboden einer Galerie, auf dass sie sich gemeinsam mit kleinen abgesprungenen Metallteilen zu einer bizarren 3-D-Zeichnung formieren. Turner agiert wie ein Alchemist: Aus billigem Arbeitsmaterial erschafft er anmutige Bilder. So ließ der Künstler in bestimmten Abständen Jod in eine Küchenspüle tropfen und kreierte so Flecken, die bei näherer Betrachtung äußerst elegant wirken.

Auch ein Nebenjob als Museumsaufsicht brachte Turner auf Ideen: Die zufälligen Abnutzungsspuren, die Besucher auf den makellosen Museumswänden hinterließen, inspirierten ihn zu einer Serie von Wandarbeiten, für die er mit einem Stück Stahlwolle wolkenförmige Flächen in die Oberflächen rieb. "Wie viele Künstler suchte ich nach einem billigen Material für eine große Geste", erzählt Turner. Und wer kann schon mit einem einzigen Topfkratzer eine gesamte Ausstellung bestücken? Meist dauert es eine Zeit, bis man bemerkt, dass es Turner gelingt, den groben Materialien Eigenschaften wie Fragilität, Verletzbarkeit, ja sogar Poesie zu entlocken. Eine Aura, die auch dadurch entsteht, dass die meisten seiner Interventionen vergänglich sind. Hinterher wird das Material oft zusammengefegt oder die Arbeit wird überstrichen.

Steckbrief<br>

Geboren: 1983, Portsmouth, Virginia.

Wohnort: New York City.

Ausbildung:San Francisco Art Institute.

Webseite:

Galerie: Jericho Ditch, Isle of Wight, Virginia.

Initialzündung: Die Landschaft.

Höhepunkt: Täglich.

Tiefpunkt: Täglich.

Helden: Medizinisches Personal, Architekten, Ingenieure, Bauarbeiter.

Credo: Die Gegenwart.

Ein Rat, der Ihnen geholfen hätte: Nichts ist, was es scheint.

Warum Künstler, nicht Banker?: Das passierte auf eine ganz natürliche Art und Weise.
target="_blank">http://www.danieladamturner.com