Laure Prouvost - Starter

Ungenaue Kommunikation

art stellt in der Serie "Starter" junge Künstler vor. Diesmal: Laure Prouvost. Der Londoner Shootingstar lässt in Videoinstallationen Bild und Wort gegeneinander antreten und macht damit Missverständnisse produktiv.
Junge Kunst:art stellt junge Künstler vor

Frei nach Kafka: Laure Prouvosts Videoinstallation "The Wanderer (Betty Drunk)" von 2011

Als Französin in London stößt Laure Prouvost immer wieder auf Sprachprobleme, die sie in ihre Kunst einbringt – falsche Übersetzungen, Schreibfehler, Versprecher. Das führt nicht nur zu Verständnisschwierigkeiten, sondern kann auch durchaus komisch sein.

Und wenn sie, wie für ihr sechsteiliges Video "Wanderer" (2011), die Übersetzung eines nicht Deutsch sprechenden Freundes von Franz Kafkas Novelle "Die Verwandlung" in wirre Bilder umsetzt, ist die Künstlerin, wie sie sagt, "Missverständnissen, ungenauer Kommunikation" auf der Spur.

2011 erhielt Prouvost den von der Whitechapel Gallery verliehenen Max-Mara-Preis, der mit einem sechsmonatigen Italienaufenthalt verbunden ist. Ihre Erfahrungen mit Landschaft und Geschichte des Landes verarbeitete sie in einer Videoinstallation, bei der ein runder Raum mit einem Fries und römischen Säulen geschmückt ist und ein Video in einem Wasserfall badende Frauen und Vögel zeigt, ein Spiel mit der Idee einer Kunstreise in ein mediterranes Land. Für die Schau über das britische Exil von Kurt Schwitters wurde sie von der Tate Britain eingeladen, die letzten Jahre des Dadaisten im Lake District zu verarbeiten. Zu diesem Zweck erfand sie einen mit dem Künstler befreundeten Großvater, in dessen Wohnzimmer die beiden munter drauflos philosophieren. In der Tate Modern zeigt sie unterdessen ihr kurzes Video "It, heat, hit" (2010). Auch hier wieder unterminiert sie unschuldig anmutende Szenen – ein schwimmender Frosch, eine verschneite Straße – durch dazwischen geschnittene unzusammenhängende Bilder wie Nahaufnahmen von Blumen oder Körperteilen sowie durch einen kontextlosen Kommentar. Wie so oft bei Prouvost macht es das rasante Tempo dem Zuschauer fast unmöglich, Bild und Wort vollständig aufzunehmen. Ihre Videos und Environments, so sagt Whitechapel-Direktorin Iwona Blazwick, "heben das Verhältnis von Sprache und Verstehen aus den Angeln".

Steckbrief Laure Prouvost<br><br>

Geboren: Lille, Frankreich, 1978.


Wohnort: London.


Ausbildung: Central Saint Martins – University of the Arts, London; Goldsmiths, University of London.


Galerie: MOT International, London.


Initialzündung: Als ich mit sechs lernte, ein Feuer zu machen.


Höhepunkt: Köstliche Himbeeren 
essen.


Tiefpunkt: Dass mein Großvater nun schon seit Monaten in einem Tunnel verschwunden ist, und wir nicht wissen, wann er wiederkommt... wir sind sehr besorgt.


Helden: Nicht wirklich Helden, mehr Einflüsse. Meine Beziehungen, Großmutter, Großvater, Eltern, Freunde, Denise Lefebvre, viele kluge Köpfe, künstlerisch, Owen Land, "Paul Teck", "Screaming Jay Hawkins", Marcel Duchamp, Leo Tolstoi, "Stephane Sweig", Abish, literarisch oder musikalisch, ein organisches Magma der Schöpfung ebenso wie die Energie, die von einem geschäftigen Markt ausströmt.


Credo: Wir fördern Imperfektion.


Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Lerne, nein zu sagen, und dass der Geschmack von Fenchel immer derselbe sein wird.


Warum Künstler, nicht Banker?: Weil ich sehr schlecht mit Geld umgehen kann. Weil ich zuviel Geld habe.


Ausstellungen (alle in London): Whitechapel Art Gallery, Max Mara Art Prize for Women, bis 7. April; Tate Modern, Art Now Lightbox, bis 2. Mai; Tate Britain, Schwitters in Britain, bis 12. Mai.


http://www.laureprouvost.com/